Montag, 1. Juni 2009

„Mir graust davor,...

...dass einer wie Lafontaine in unserem Land noch einmal etwas zu sagen hätte“, also sprach Uli Hoeness bei Maybrit Illner und ich wollte das ZDF-Video schon wegklicken, weil mein Bedarf an dummschwätzenden Fußballern bereits durch die Sportschau hinreichend bedient wird, aber dann erlag ich doch der Faszination der geradezu perfekt vorgetragenen Demonstration aufgeblasenener Wichtigtuerei in Person des Wirtschaftsministerdarstellers Karl-Theodor usw. Freiherr von und zu Guttenberg.

zu GuttenbergEinfach großartig diese staatsmännische Attitüde, diese Entschlossenheit im Mienenspiel, dieser gespielte Sachverstand, diese gedrechselten Sätze des blanken Nichts – kurz: Einer dieser scheindynamischen Jungpolitiker, die zwar keine Lösungen anzubieten, aber, in mehrfacher Wiederholung, „immer die Menschen im Blick“ haben – was uns nicht überrascht, denn als Stimmvieh sind „die Menschen“ auch für so einen gelgestylten Karrieristen nützlich. Anders als Lafontaine, der zwar, wie Hoeness bestätigt, schon vor 10 Jahren vor den Risiken im System der internationalen Finanzmärkte warnte und Regulierungen und Verbote forderte, aber „dann einfach abgehauen“ sei, wird der Freiherr seinen Posten nicht so leicht räumen. Mit Rücktritt kokettieren, sicher, aber wenn sich keiner drum schert, dann bleibt er halt, wie wir ja inzwischen wissen und ganz sicher auch nicht anders erwartet haben.

Geradezu grotesk wirkt es, wenn der 30 Jahre jüngere Schnösel dem Lafontaine mit heiliger Empörung eine fehlende Kinderstube konstatiert, nur weil jener es wagt, dem staatstragend schwadronierenden Freiherrn bei einer offensichtlichen Unrichtigkeit ins Wort zu fallen. Uuii – da wird freiherrliche Hoheit aber echt sauer und bekundet mit angewiderter Miene, dass die adelige Leselust bei schriftlichen Darlegungen Lafontaines doch sehr begrenzt sei. Und Uli Hoeness blaffte Lafontaine an: „Wir brauchen keine die es besser wissen, sondern welche, die es besser machen.“ Mit von Guttenberg hat er nun einen nach seinem Geschmack. Der weiß eigentlich nichts, jedenfalls nichts besser, aber das macht ja mittlerweile sowieso nichts mehr.

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