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So geht’s natürlich auch

Wer nicht genug verdient, um die Miete für eine normale Wohnung zu bezahlen, der wohnt halt auf dem Campingplatz. Dort kostet’s nur die Hälfte, gammeliger Mietwohnwagen und ungeheizte Gemeinschaftsdusche inklusive. Freunde findet man dort schnell und als Extra gibt es viel frische Luft gratis. „Die Gesellschaft wird immer mobiler und der Bedarf wächst stetig.“ freut sich der Platzbesitzer in Lohmar über seinen Krisengewinn, derweil der 55-jährige ehemalige Montagemeister ( arbeitslos) seinen Wohnwagen aufbockt, „Wegen des Hochwassers.“ Lohmar liegt an der Agger. Immer interessierter schaue ich mir den ZDF-Beitrag an, denn auf Grund des munteren Tonfalls der Reporterin angesichts des Elends kann es sich doch nur um Satire handeln?

Nein, das ist alles ernst gemeint. Gelobt wird die Eigeninitiative der Filialleiterin einer Bäckereikette, die für den mies bezahlten Job von Norddeutschland an den Rhein zog. Ihrer Mitarbeiterin, die sich für das Campingplatzwohnen nicht so recht erwärmen mag, erklärt die Chefin dann, dass man sich entscheiden müsse: „Entweder im Auto oder unter der Brücke schlafen, oder eben auf dem Campingplatz.“ Na, wenn das keine Alternativen sind.

Überhaupt fehlt in diesem ZDF-Filmchen das sonst übliche Gejammer. Die vorgestellten
Camper sind alle alleinstehend, über Fünfzig und haben alle durch die Krise ihren vormaligen Job verloren, aber man hört kein Klagen über ihre derzeitige Situation.
Schulterzucken – so ist es halt.

Ich verstand später auch ganz genau, warum dieser asoziale Honorarprofessor Olaf Henkel bei Illners Maybrit dauernd so dümmlich grinste. Er hatte bestimmt vorher diese Campingplatzreportage gesehen und befriedigt festgestellt, dass seine jahrelang ausgebrachte INSM – Saat nun mehr und mehr aufgeht und reiche Früchte trägt.
pathologe - 17. Okt, 10:07

Leider

stimmt der Beitrag, so ich ihn nicht sah. Ich persoenlich kenne auch Menschen, die auf Campingplaetzen leben, weil es die letzte Moeglichkeit vor der Obdachlosigkeit ist. Man hilft sich gegenseitig aus dort, aber es entsteht dadurch eben auch eine "ausgegrenzte Gesellschaft". Nicht schoen, diese Entwicklung.

Gluecklicherweise kann sich ja Herr Henkel eine Mauer um sein Anwesen bauen lassen, wenn diese Horden mal marodierend durchs Land ziehen.

blackconti - 17. Okt, 11:50

Auf die marodierenden Massen wird man in Deutschland wohl vergeblich warten.
Wenn das Bankendebakel und die, mit Billionen aus Gemeinschaftsvermögen, „hervorragende“ Krisenbewältigung einschl. dem sofort folgenden „weiter so!“ kein Grund zum Marodieren war, was sollte dann noch ein Grund sein? Wenn so eine Gruselgestalt wie Henkel, während der Bankenkrise plötzlich abgetaucht und mehrere Monate unsichtbar, sich nun wieder aus der Deckung traut, ja, wenn das Publikum sein asoziales Geschwätz auch noch mit Applaus goutiert, dann befürchtet der jedenfalls keinen Massenaufstand. Dauerwohnen auf dem Campingplatz wird von den Betroffenen ohne zu Klagen als Teil bundesdeutscher Normalität akzeptiert.. Die Massen sind durch die unablässige Propaganda paralysiert und paralysierte Massen marodieren nicht.
pathologe - 17. Okt, 11:56

Nach

Hamburger, Cola und Hire-and-fire-Mentalitaet nun die Mobile-Home-Parks, die wir aus den USA importieren werden?
blackconti - 17. Okt, 12:03

Aber sicher, denn von Amerika lernen heisst Siegen lernen!
pathologe - 17. Okt, 12:09

Wir

hatten aber schon frueher eine schwarze Kanzlerin!
blackconti - 17. Okt, 12:20

Schwarz? Ich weiss nicht - eher blass.

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