Sonntag, 13. Mai 2012

Lol!

BVB-Lahm
Eigentlich mag ich solche SMS-Kürzel nicht, aber hier scheint mir diese Überschrift passend. „Wir waren 90 Minuten die bessere Mannschaft…“ analysierte Phillip Lahm gerade messerscharf die 2 : 5-Pleite seiner Bayern gegen die Dortmunder. Wie bitte soll man ein Getränk im Munde behalten, wenn eine solche Expertise völlig überraschend das Zwerchfell trifft und selbst die fußballabstinente, und normalerweise desinteressierte Frau Blackconti half verständnisvoll beim Wegwischen der verprusteten Flüssigkeit auf dem vorgelagerten Tisch und Teppich.

Teil 2 des Projekts Vizebayern ist also erledigt und jetzt muss der FC Bayern nächsten Samstag gegen Chelsea nur noch einmal in ähnlicher Weise „über 90 Minuten die bessere Mannschaft“ sein, um endlich mit meiner geliebten Werkself Bayer04 gleichzuziehen. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass so ein Triple-Vize Häme und Spott auf Jahre garantiert und diese Erfahrung sei den Bayern besonders in der Arroganz-Arena von Herzen gegönnt. Komme mir nun nur niemand mit nationalem Interesse. Bei jedem anderen deutschen Club gerne, aber niemals beim FC Bayern.
PS: Sagt sich so leicht, aber ich kenn mich, am Ende siegt dann doch wieder der Chauvinismus.

Sonntag, 6. Mai 2012

Kein Witz: Wichtiger Medienpreis für eine Dreckschleuder

60 Jahre mussten vergehen, 60 Jahre in denen Deutschland tagtäglich mit Wortmüll und geistiger Gülle verseucht wurde. Aber die Ausdauer und Anstrengung hat sich gelohnt. Die Bildzeitung, bzw. zwei ihrer Schmierlappen, wurden für den Henry-Nannen-Preis, den Ritterschlag für herausragenden Journalismus, nominiert. Großartig! Kampagnen- Hetz- und Denunziationsjournalismus ist also jetzt salonfähig. Verwundern kann das allerdings kaum noch, ist doch der bewusst anbiedernde, bildtypische Primitivstil mittlerweile auch in scheinbar seriösen Medien mittlerweile gang und gäbe.

Mir aber bereitet diese heuchlerische „dem-Volk-aufs-Maul-geschaut“-Prosa seit über fünfzig Jahren geradezu körperliches Unwohlsein, weshalb ich die Bildzeitung nicht mal mit der Kneifzange anfasse und selbst mein Laptop verweigert vor Ekel den Zugriff auf Bild-online. Allein die Vorstellung, wie sich bestausgebildete, intelligente Menschen zum Zwecke der Meinungsmanipulation tagtäglich geistig prostituieren, macht einfach schaudern.

Völlig zutreffend urteilt Volker Pispers: „Die Bildzeitung ist ein Drecksblatt, das den toten Fisch beleidigt, der darin eingewickelt wird.“ Und, da wiederhole ich mich nur zu gerne, stimmt natürlich Max Goldts Verdikt nach wie vor: „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

Und dann noch ein Wort zum 100-jährigen Axel Caesar Springer, der sich manchmal angeblich um den Schlaf gebracht sah, angesichts von besonders widerwärtigen Bild-Absonderungen, aber wegen der „Redaktionsfreiheit“ leider, leider nichts dagegen unternehmen konnte. Wie muss der Sohn unter diesem heuchlerischen Vater gelitten haben, dass der, statt das Erbe anzutreten, sich lieber selbst entleibte. Der arme Sohn dauerte mich, mein Mitleid mit dem danach knatschenden Betbruder Axel Caesar hielt sich allerdings in Grenzen.

Einen lesenswerten und seriöseren Essay zu Springer und BILD findet man im Übrigen
hier!

Sonntag, 29. April 2012

Das Schweigen in der Anstalt

„Neues aus der Anstalt“, den kabarettistischen Monatsrückblick im ZDF, schaue ich mir relativ regelmäßig an. Natürlich hat die Sendung durch den Abgang von Georg Schramm gewaltig an Witz und, vor allem, an Biss verloren, aber von allen Sendungen dieses Genres ist „ die Anstalt“ noch am ehesten verdaulich. Die letzte Sendung war allerdings ein beredtes Beispiel dafür, wie weit die Zensur, möglicherweise auch nur vorauseilende Selbstzensur, in den Leitmedien mittlerweile gediehen ist.

Zwei Dinge fehlten in der letzten Ausgabe. Zum einen Frank-Martin Barwasser alias Erwin Pelzig . Dessen Abwesenheit war verständlich, steht er doch kurz vor der Bühnenpremiere eines neuen Soloprogramms und auf zwei Hochzeiten ist nicht gut tanzen. Vielleicht aber wollte sich Barwasser auch nicht das Maul verbieten lassen, denn zum zweiten fehlte DAS Aufreger-Thema der letzten Wochen, das Grass-„Gedicht“. Einmal, in Worten e-i-n-m-a-l, krähte der Pelzig-Ersatz Helmut Schleich: „Grass – mit SS-es!“ in irgendeine Priol-Kasperei, der Grass zwischen fortlaufenden Merkel-, Wulf- und Gauckwitzchen in einem Nebensatz erwähnt hatte. Das war’s und wer nun auf eine satirische Bearbeitung des Medienhype’s um das Grass-„Gedicht“ wartete, der konnte dabei schwarz werden.

Erstaunlich doch, weil normalerweise gerade solche Medienspektakel immer aufgegriffen und satirisch begleitet werden. Warum war Grass für die „Anstalt“-Macher kein Thema? Gut, die Empörung der veröffentlichten Meinung war Realsatire in Reinkultur und durch das Kabarett kaum zu überbieten. Na, und auf die Seite der Grass-Befürworter durfte, konnte, wollte man sich nicht schlagen, weil dann sofort wieder Herr Graumann auf dem Plan stände und über den, bzw. den Zentralrat der Juden, macht man besser keine Witze, wenn man seinen Job behalten möchte.

Dienstag, 24. April 2012

Entsetzen

Mein gestriger Eintrag war bewusst etwas kryptisch gehalten und war eigentlich nur als Information für Leser aus dem persönlichen Umfeld in Deutschland gedacht, die beim genauen Lesen der verlinkten e-mail-Kopien wissen, von wem sie stammen. Nun ist ja so eine Verabschiedung in den Freitod per e-mail-Verteiler nicht alltäglich und schon wenige Stunden später trafen über den gleichen Verteiler Mails aus aller Welt ein, die Menschen vor Ort dringend zur Verhinderung des angekündigten Suizids aufriefen.

Ob es diese Aufrufe oder bereits im Vorfeld organisierte Meldungen waren, entzieht sich meiner Kenntnis, jedenfalls kam noch in der Nacht vom Samstag auf Sonntag ein Rettungsteam zum Ort der Verzweiflungstat und fand eine Situation vor, die sich nur ein bösartiges Schicksal auszudenken vermag. Die Ehefrau war bereits verstorben. Der todkranke Ehemann aber lebte noch, wurde ins Krankenhaus verbracht und wieder stabilisiert. Wie ich inzwischen erfuhr , geht es ihm den Umständen entsprechend gut. „…den Umständen entsprechend gut!“ Während ich diese Floskel schreibe, höre ich Gott oder die Götter höhnisch lachen…

Sonntag, 22. April 2012

In stillem Gedenken

e-mail-Eingang vom 26. Februar diese Jahres:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Altersvers2024.pdf

e-mail-Eingang vom 27.Februar dieses Jahres:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Hallo%20everybody.doc

e-mail-Eingang vom 17.April dieses Jahre:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Betreff.doc

e-mail-Eingang von heute, 22. April 2012:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Farewell%2520-%2520Abschied%5B1%5D.doc

Jetzt fehlen mir die Worte. Der Kloß im Hals...

Ruhet in Frieden ihr beiden.

Donnerstag, 19. April 2012

Frankreich, Frankreich…

Ach ja, die Zeiten sind schlecht und irgendwie ist es ja auch langweilig, die wenigen eventuellen Leser fortwährend mit den eigenen, verschrobenen Meinungen zu traktieren. Aber mit irgendetwas muss dieses Weblog ja wenigstens ab und zu gefüllt werden und sei’s nur darum, ein Zeichen zu geben, dass man noch auf Erden wandelt. Für diesen Zweck bietet das Netz immer mal wieder Fundstücke, für die ich, weil sie mir so gut gefielen, hier gerne einen Link anbiete.
Nicolas 1er, Erfinder des Moonwalks
Heute verweise ich auf einen Artikel aus dem Blog von Marc Zitzmann, der auf NZZ-online veröffentlich wird. Unter dem Titel „Der allerletzte Kaiser“ fasst Zitzmann die bisher 5 Bände der „Chronique du règne de Nicolas 1er“ des Prix-Goncourt-Preisträgers Patrick Rambaud zu einem äußerst vergnüglichen Blog-Beitrag zusammen. Ich bin mit dem Versuch, nicht laut zu lachen kläglich gescheitert. Der Artikel ist lang, ich weiß, aber allein der Stil, die Sprache…

Sonntag, 8. April 2012

Grass ist..

der SS-Mann, ein Psychopath, naiv, ein geschichtsvergessener Esel, ein alter Tor, ein abgetakelter Schriftsteller, ein Agitprop-Lyriker, ein SS-Scherge, er ist moralisch nicht integer, ideologisch verbrämt, er ist ein Mann mit skandalösen Ansichten, ein Israelfeind, ein Judenfeind, ein Antisemit, der ewige Antisemit, ein antisemitischer Giftmischer, der typische Sekundär-Antisemit … usw,usf.

Nur ein unvollständiges Kompendium der Ausdrucksweise in allen (?) offiziellen Kommentaren der geläufigen Leitmedien zur Beschreibung der Person Günter Grass. Das Fragezeichen habe ich einfach deshalb gesetzt, weil ich irgendwann vom Einheitsbrei genug hatte, nicht mehr weitersuchen mochte und ich deshalb nicht ausschließen kann, dass es vielleicht doch irgendwo eine weniger diffamierende Personenbeschreibung geben könnte.

Wie ich schon in meinem vorherigen Posting anmerkte, kontrastieren die obigen offiziellen Boshaftigkeiten auch weiterhin aufs Schärfste zu den Meinungen der Leserzuschriften, die Grass’ Kritik an den fortwährenden Kriegsdrohungen der israelischen Regierung und an den deutschen U-Boot-Lieferungen zu mindestens 90% positiv bewerten.

Grass

Da muss die israelisch Regierung natürlich noch einen draufsetzen und Grass „zur Persona non Grata“ erklären, zur unerwünschten, ehrlosen Person. Naja, Grass wird’ s verkraften.

Ob man aber den Rolf Hochhuth noch ernst nehmen kann, wage ich zu bezweifeln. Grass’ „Gedicht“ entspringe der unveränderten Denkweise des 17-jährigen SS-Mannes, der Grass im Prinzip geblieben sei. Diese persönliche Meinung sei Hochhuth unbelassen, aber wir erinnern uns natürlich auch daran, dass Hochhuth seinerzeit den verurteilten Historiker und Holocaust-Leugner David Irving als höchst ehrenwerten Mann bezeichnete. Soviel nur zu Hochhuths Urteilskraft, aber das nur nebenbei.

Hochhuth weiß nicht einmal Israel und den Iran geographisch richtig einzuordnen. Er schreibt in seinem Brief, er schäme sich als Deutscher "Deiner anmaßenden Albernheit, den Israelis verbieten zu wollen, ein U-Boot deutscher Produktion zu kaufen, das möglicherweise allein ihrem kleinen Staat die letzte Sicherheit geben kann, von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht nicht ausgerottet zu werden".

Der Iran ist zu Israel nicht mal eng, geschweige denn „engst“ benachbart. Zwischen beiden Staaten liegen noch Syrien, bzw, Jordanien und dahinter der Irak. Bis Busheer, dem einzigen Kernkraftwerk in Betrieb im Iran, aber auch bis Teheran beträgt die Entfernung, Luftlinie ca. 1500 km, d.h. für normale Jagdbomber selbst mit Zusatztanks nicht zu erreichen. Deswegen ja auch Netanjahus US-Visite bei Obama, der da doch unterstützend mithelfen soll. Obama will momentan nicht und so werden nun dringend die U-Boote benötigt. Die können Mittelstreckenraketen abschießen und die verfügen locker über die benötigte Reichweite. Damit erst ist eine Angriffsdrohung überhaupt glaubhaft.

Unter diesem Aspekt ist Grass’ Appell nur zu verständlich. Grass hat nachgedacht, hat mit vollem Bewusstsein das Risiko des Rufmordes auf sich genommen und eine dringend notwendige Debatte angestoßen. Die geballte Phalanx der Meinungsmanipulatoren kann noch so geifern, aber Angriffskriege sind völkerrechtlich verboten, sind Verbrechen und, Grass sei Dank, ob Deutschland sich darin unbedingt verwickeln lassen muss, darüber kann nun laut und vernehmlich diskutiert werden.

Donnerstag, 5. April 2012

„Dies ist kein Gedicht!“…

..meint Ioma Mangold, deutsch-nigerianischer Literaturkritiker, in der 3sat-Kulturzeit und er hat recht. „Da wurde einfach in einem sprachlichem Text, fast unterhalb des Schriftlichen, die Enter-Taste gedrückt, um Absätze einzufügen, damit es graphisch wie ein Gedicht aussieht.“ Ja, Gras hat hier zum Selbstschutz einen Trick angewandt, denn ein „Gedicht“, ein lyrisches Kunstprodukt, ist schwieriger angreifbar und dass sofort nach Veröffentlichung dieser politischen Meinungsäußerung die veröffentlichte Meinung als „Sturm der Entrüstung“ über ihn herfallen würde, hat er selbstverständlich erwartet.

Oh ja, die Süddeutsche und Andere hatten den Gras-Text kaum gedruckt, da standen sie schon auf der Matte, all die bekannten Gesichter, vom Zentralrat der Juden in Deutschland über den CDU-Dödel Gröhe, von der SPD-Nöhle Nahles bis zum unvermeidlichen Hendrik M. Broder und ließen reflexartig den Antisemitismusknüppel aus dem Sack. Empörung auf allen Kanälen und am nächsten Morgen, untergehakt, die gesamte Mainstreampresse.

Erstaunlich ist hingegen die Reaktion der gemeinen Leser, Hörer oder Zuschauer in den Kommentarfunktionen der jeweiligen Medien. Dort ist bis auf wenige Ausnahmen nur Zustimmung zum Grass-Text zu finden und dass dies alle Antisemiten oder Israel- und Judenhasser sind, ist zumindest den Zuschriften nicht zu entnehmen.

Israel zeigt sich weiter entschlossen, bald schon den Bau einer iranischen Atombombe mit einem Angriff zu verhindern. Ein Schlag gegen die iranischen Atomanlagen sei "keine Frage von Tagen oder Wochen, aber auch nicht von Jahren", warnte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kurz nach der Rückkehr von seinem USA-Besuch. (Die Zeit/ Haaretz 03.12)

Was ist so abgrundtief falsch an der Sorge von Grass, wenn er am Anfang schreibt:

„Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.“


Oder, wenn er, eingedenk obiger israelischer Erstschlagsentschlossenheit, die nun wieder anstehende Lieferung eines weiteren deutschen U-Bootes an Israel, geeignet zum Abschuss von Nuklearraketen, als akute Gefährdung des Weltfriedens fürchtet und deshalb das Tabu-Thema „Atommacht Israel“ nicht länger schweigend akzeptieren will?

Grass wird nun ganz simpel vorgeworfen, er stelle die Dinge auf den Kopf. Schließlich wolle der Iran Israel von der Landkarte radieren, was, so wird dann erklärt, dieser Ahmadinedschad ja explizit gesagt habe. Das stimmt natürlich so nicht, wie jeder leicht selbst googeln kann. Aber was interessieren die Fakten, wenn es gilt ein Feindbild aufzubauen?

Grass meinte heute in einem Interview, dass er in seinem „Gedicht“ einen Fehler erkennt. Er habe „Israel“ geschrieben, wo er präziser „die israelische Regierung Netanjahu“ hätte schreiben müssen. Da ist was dran, aber das wissen wir Leser seiner Zeilen schon richtig einzuordnen. Antisemiten sind wir nämlich nicht.

PS: Eine Kostprobe eines besonders bösartigen Kommentators findet man hier. Nein, ist nicht vom Broder, aber von einem Bruder im geifernden Geiste.

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