Erinnerungen

Donnerstag, 31. Januar 2013

Mit der Masse

Gestern, am 30. Januar, wurden sie uns auf allen Kanälen wieder vorgeführt, die braunen Kolonnen der SA im Gleichschritt und die ekstatische Menschenmenge, die dem soeben zum Reichskanzler ernannten Adolf Hitler voller Inbrunst zujubelte, gestern vor 80 Jahren. Waren meine Eltern auch unter den Jublern? Sicher nicht in Berlin 33, aber irgendwann später irgendwo in der Provinz vielleicht, wenn der „Führer“ mit Gefolge einmal vorbei paradierte? Ich weiß es nicht, wollte es aber auch nie so genau wissen. Eins aber weiß ich ganz sicher, beim Zujubeln wäre ich wohl auch dabei gewesen.

Zu dieser Erkenntnis kam ich am 23. Juni 1963, einem sonnigen Dienstag, als der amerikanische Präsident John F. Kennedy in Köln eintraf, der ersten Station seines Staatsbesuch in Deutschland. Ihn zu sehen, war ich schon früh am Morgen in die Kölner Innenstadt gefahren, um mir eine guten Platz zu sichern, den ich dann auch auf der Ladefläche eines Kleinlasters fand. Die frühe Anreise war dringend geboten, denn mit mir hatten Hunderttausende die gleiche Idee und die Menschenmenge rechts und links der gesamten Fahrtroute des Präsidentenkonvois stand noch dichter gedrängt, als beim alljährlichen Karnevalszug.

Kennedy war kein normaler Politiker, er war ein Star, ein charismatischer Hoffnungsträger, gutaussehend, sympathisch und durchsetzungsstark, ein Held, der den bösen Iwan vor Kuba zur Aufgabe seiner Raketenpläne gezwungen hatte und der den Russen vielleicht auch in Berlin zeigen würde, was eine Harke ist.



Mit diesen Voreinstellungen erwartete ich die Vorbeifahrt der Präsidentenlimousine und dann näherte sich der Fahrzeugtross, was sich durch ein zuerst noch weitentferntes, dann immer lauter vernehmbares Tosen und Schreien ankündigte. Allein dieser anschwellende Jubel versetzte mich in helle Aufregung und als dann die Motorradeskorte auftauchte, dahinter die Security-Fahrzeuge und endlich auch der offene Mercedes mit dem amerikanischen Präsidenten und daneben dem Bundeskanzler Adenauer, beide stehend, da war ich, wie in Trance, ein Teil der schreienden und brüllenden Menge. Habe ich „Heil!“ geschrieen? Möglicherweise, ich weiß es nicht. Der Spuk war in einer Minute vorbei, der Lärm der Masse nahm mit der Entfernung so schnell ab, wie er angeschwollen war. Der Sog der Massenhysterie wich bei mir plötzlich erschrockenem Bewusstsein, ja sogar einer gewissen Scham. Zu deutlich wurde mir mit Schrecken klar, dass ich es tatsächlich nur der Gnade der späten Geburt zu verdanken habe, dass ich nicht „den Führer“ bejubeln durfte.

Diese Erfahrung hat sich tief in mein Bewusstsein eingebrannt und mich gegen Massenjubel ziemlich immunisiert Eine Ausnahme muss ich allerdings gestehen. Wenn nämlich meine geliebte Werkself in München ein Tor gegen die Bayern schoss, dann geriet ich regelmäßig völlig aus dem Häuschen. Oft kam solch exstatischer Jubel allerdings nicht vor, einfach weil meine geliebte Werkself in München nur sehr selten traf. Massenkompatibel war mein hemmungsloser Jubel sowieso nicht, denn unter den 50-60 000 Zuschauern, war ich mit meinem Triumphgeschrei doch ziemlich einsam. Die wütenden Blicke der umstehenden Bayern beeindruckten mich kaum, die mitleidigen allerdings waren mir dann doch zu peinlich, ließen mich rasch verstummen und mit eingezogenem Kopf betreten zu Boden schauen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Memories are made of this

Herbstzeit ist in Deutschland die Zeit der Pilzsammler und somit auch die Zeit des Zweifels, denn immer ist mit Wildpilzen auch die bange Frage verbunden: Essbar oder nicht, köstlich oder todbringend? Lauert nicht eventuell ein hochgiftiger Knollenblätterpilz unter all diesen wunderhübschen Wiesenchampignons, oder hat sich möglicherweise Gevatter Tod in Gestalt eines Teufelpilzes unter all die herrlichen Maronen- oder Steinpilze geschlichen? Vorsicht scheint angebracht, eventuell sogar Misstrauen, und das führt dann im Extremfall dazu, dass ein in bester Absicht zubereitetes Pilzgericht in den Abfall entsorgt wird. So las ich es eben in einem gerade eingetroffenen Roman, in dem die Mutter mit der, von der Tochter angebotenen Pilzpfanne, genau so verfährt. Diese eher nebensächliche Episode, bei der die Mutter auf Grund der problematischen Beziehung zur Tochter sogar Vergiftungsabsichten phantasiert, weckte bei mir plötzlich Erinnerungen an eine ebenfalls sehr skurrile Pilzgeschichte:

Wer weiß schon, ob die großen, braunen Schwammerl, die man in den Urwäldern im kanadischen British-Columbia in Massen findet, so essbar sind, wie ähnlich aussehende in deutschen Wäldern? Meine vier Begleiter waren da doch ziemlich unsicher. Zwar sammelten sie mit, denn suchen musste man wirklich nicht. Die saftigen, dunkelbraunen Kappen mit den goldgelben Schwämmen auf der Unterseite reckten sich überall unübersehbar aus dem Waldboden. In solchen Mengen, dass wir Anoraks zu Tragsäcken umfunktionierten. So trugen wir die überreiche Ernte zurück zu unserem Zeltcamp. Unser kanadischer Pilot und Tourguide, er war als einziger beim Camp zurückgeblieben, schaute schon etwas skeptisch. Er kenne sich mit Pilzen nicht aus, meinte er auf unsere einschlägige Frage nach der Genießbarkeit, sei aber sicher, dass kein Kanadier so was essen würde. Ich aber hatte keine Bedenken, denn ein Biss in die rohen Schwammerl ließ mich keinen Geschmacksunterschied zu den mir bekannten deutschen Exemplaren erkennen. Also habe ich die Pilze gesäubert, zerkleinert und in einer großen Pfanne mit Fett und angeschwitzten Zwiebeln auf dem Lagerfeuer geschmort. Natürlich habe ich auch mit Salz und Pfeffer gewürzt und nach wenigen Minuten war ein schmackhaftes Pilzgericht zubereitet.
Kanada BC 1980
Meine Freunde schauten mir bei meiner Küchenarbeit interessiert zu, beobachteten mich noch interessierter beim Abschmecken – um dann die angebotenen Portionen freundlich, aber bestimmt zurückzuweisen. Meine Kumpel, wir kannten uns ganz gut, waren normalerweise keine Schisser und für einen kurzen Moment kamen auch bei mir Zweifel auf, ob es nicht ratsam wäre, auf diese Mahlzeit zu verzichten. Sollte tatsächlich irgendwas nicht stimmen, dann war, hier im tiefsten kanadischen Urwald, kurzfristige Hilfe ausgeschlossen, aber – nein, was sollte denn nicht stimmen? Lieblich duftete die Pilzpfanne und da niemand sonst zugreifen wollte, aß ich so viel ich konnte und es war köstlich.

Im weiteren Verlauf stand ich dann unter mehr oder weniger intensiver Beobachtung meiner Freunde und erst die Wirkung des Canadian-Club-Wiskeys, von dem wir einen ordentlichen Vorrat mitführten, verdrängte die besorgte Aufmerksamkeit.
Als ich dann auch am nächsten Morgen noch nicht verstorben war, sondern putzmunter aus dem Schlafsack kroch, wollten plötzlich alle zum Frühstück Pilze. Gesammelt und zubereitet waren die schnell und alle haben sie dann gegessen – auch unser kanadischer Pilot.

Dienstag, 24. April 2012

Entsetzen

Mein gestriger Eintrag war bewusst etwas kryptisch gehalten und war eigentlich nur als Information für Leser aus dem persönlichen Umfeld in Deutschland gedacht, die beim genauen Lesen der verlinkten e-mail-Kopien wissen, von wem sie stammen. Nun ist ja so eine Verabschiedung in den Freitod per e-mail-Verteiler nicht alltäglich und schon wenige Stunden später trafen über den gleichen Verteiler Mails aus aller Welt ein, die Menschen vor Ort dringend zur Verhinderung des angekündigten Suizids aufriefen.

Ob es diese Aufrufe oder bereits im Vorfeld organisierte Meldungen waren, entzieht sich meiner Kenntnis, jedenfalls kam noch in der Nacht vom Samstag auf Sonntag ein Rettungsteam zum Ort der Verzweiflungstat und fand eine Situation vor, die sich nur ein bösartiges Schicksal auszudenken vermag. Die Ehefrau war bereits verstorben. Der todkranke Ehemann aber lebte noch, wurde ins Krankenhaus verbracht und wieder stabilisiert. Wie ich inzwischen erfuhr , geht es ihm den Umständen entsprechend gut. „…den Umständen entsprechend gut!“ Während ich diese Floskel schreibe, höre ich Gott oder die Götter höhnisch lachen…

Sonntag, 22. April 2012

In stillem Gedenken

e-mail-Eingang vom 26. Februar diese Jahres:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Altersvers2024.pdf

e-mail-Eingang vom 27.Februar dieses Jahres:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Hallo%20everybody.doc

e-mail-Eingang vom 17.April dieses Jahre:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Betreff.doc

e-mail-Eingang von heute, 22. April 2012:

http://dl.dropbox.com/u/38183355/Farewell%2520-%2520Abschied%5B1%5D.doc

Jetzt fehlen mir die Worte. Der Kloß im Hals...

Ruhet in Frieden ihr beiden.

Dienstag, 15. November 2011

Väterchen Franz II

Franz Josef Degenhardt

Meinem Alter gemäß ist es wohl unausweichlich, dass sich über Jahrzehnte persönlich oder nur allgemein vertraute Menschen in immer kürzeren Abständen in die Ewigkeit verabschieden. Eben erfuhr ich, dass Franz Josef Degenhardt heute verstorben ist.
Hier hatte ich vor 4 Jahren schon einmal an ihn erinnert. Den Text von „Deutscher Sonntag“ hatte ich seinerzeit als Beispiel von Degenhardts so beeindruckender Bildhaftigkeit seiner Verse vorgestellt. Jetzt können wir uns Väterchen Franz noch einmal anhören und ein wenig melancholisch werden oder auch traurig sein.

Franz Josef Degenhardt - Deutscher Sonntag by hukbeilhartz

Samstag, 29. Dezember 2007

Zwischen den Jahren...

...noch schnell heiraten, wegen irgendwelcher Steuervorteile, wenn ich mich recht erinnere, hauptsächlich aber um den vierschrötigen Wohnungsvermieter durch Vorlage der Heiratsurkunde zur Unterschrift unter den Mietvertrag zu bewegen. Ohne diese Urkunde keine Wohnung, da er, der Vermieter, sich ja sonst der Kuppelei schuldig gemacht hätte.

Es war das Jahr 1967 und da ging ohne Trauschein offiziell gar nichts zwischen Männ- und Weiblein. Das Umgehen der Hürden aus spießigen Moralvorstellungen und daraus resultierenden gesetzlichen Bestimmungen wurde zwar zum Zwecke des Lustgewinns so oft es möglich war praktiziert, war allerdings sehr mühselig und nur unter Inkaufnahme oft sehr peinlicher Situationen zu bewerkstelligen. Nein , komfortabel war voreheliches Liebesleben zu jener Zeit wirklich nicht und nur die Hochzeit beendete das Elend schlagartig.

Auf den Tag genau heute vor 40 Jahren haben auch wir dieses Elend beendet und uns dafür die Last des Ehejochs auferlegt. Wie schwer dieses wiegen kann ahnten wir damals noch nicht, aber untragbar erschien uns diese Bürde letztendlich nie.

Ende offen

Dass in den kleinen Lebensabschnittsbildchen kein Hochzeitsfoto zu sehen ist, liegt einfach daran, dass es keins gibt. Großvater wollte der Fotograf sein, knipste auch unermüdlich, aber hatte vergessen , einen Film einzulegen - kein Scherz.

Und, bitte, nun keine Bemerkungen wie: " Der Zahn der Zeit ...usw.!", das wissen wir schon selber.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Väterchen Franz

FJDWie komme ich nur plötzlich auf ihn? Jahrzehnte lang hatte ich ihn vergessen, nein falsch, nicht vergessen, eher nicht mehr an ihn gedacht, obwohl er mir immer präsent war. „ Ja, wenn der Senator erzählt!“ ,geradezu reflexartig fällt mir dieser Satz ein, wenn ich wieder mal so eine Aufschneidergeschichte vom ehrlich erworbenen Reichtum höre und weiter: „Klar doch, von den als armer Leute Bub beim Milchholen erwirtschafteten Pfennigen hast Du das erste Stahlwerk aufs Wackelsteiner Ländchen gestellt. Großartig!“


Und dann denke ich wieder an die Kinder aus der Oberstadt, die nicht mit den Schmuddelkindern, denen mit dem Rattenpelz am Kragen, spielen durften und dann der unvergessliche „Deutsche Sonntag“ , wo Familienleittiere, „Hütchen, Schühchen, Täschchen passend, ihre Männer unterfassend vom Kirchgang dann nach Hause ziehn, damit die nicht in Kneipen fliehn“. Dieser Titel war monatelang der Spitzenreiter in den SWR3- Chards, die damals noch Hitparade hieß – unvorstellbar heute. So etwa 1968 durfte Franz Josef Degenhardt seine Lieder sogar in einer eigenen TV-Show vortragen, zwar erst nach 22 Uhr , aber immerhin. Degenhardts Lieder trafen bei mir durch ihre bildhaft-poetische Beschreibung der deutschen Spießigkeit und kämpferische Aufmüpfigkeit genau den Kern meiner eigenen Befindlichkeit in jenen Jahren der scheinbaren politischen und gesellschaftlichen Veränderung.

Degenhardt ist Rechtsanwalt und vertrat zu jener Zeit viele APO- Mitglieder in den einschlägigen Prozessen, z.B. wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt oder sonstiger Vorwürfe im Zusammenhang mit den Protestbewegungen der 68er. Das erfuhr man von Zeit zu Zeit noch aus der Presse. Degenhardt war SPD-Mitglied, trat aber als Liedermacher regelmäßig bei den von der DKP veranstalteten UZ-Pressefesten auf und rief anlässlich der Landtagswahl 1971 in Schleswig-Holstein auf, die DKP zu wählen, worauf ihn die SPD aus der Partei ausschloss. Dann wurden Gerüchte lanciert, Degenhardt stände in Beziehung zur Baader-Meinhoff-Gruppe (die sprachreglerische Umbenennung in BM-Bande erfolgte erst später) und dann verschwand Degenhardt vollständig aus den Medien und mit der Zeit leider auch aus meinem Bewusstsein.

Jetzt ist er für mich wieder da. Wie ich plötzlich daraufkomme? Keine Ahnung, aber beim Lesen seiner Texte fühle ich mich mit einem mal richtig wohl.


Deutscher Sonntag

von Franz Josef Degenhardt

Sonntags in der kleinen Stadt,
wenn die Spinne Langeweile
Fäden spinnt und ohne Eile
giftig-grau die Wand hochkriecht,
wenn's blank und frisch gebadet riecht,
dann bringt mich keiner auf die Straße,
und aus Angst und Ärger lasse
ich mein rotes Barthaar stehn,
lass den Tag vorübergehn,
hock am Fenster, lese meine
Zeitung, decke Bein mit Beine,
seh, hör und rieche nebenbei
das ganze Sonntagseinerlei.
Tada-da-da-dam...

Da treten sie zum Kirchgang an,
Familienleittiere voran,
Hütchen, Schühchen, Täschchen passend,
ihre Männer unterfassend,
die sie heimlich vorwärts schieben,
weil die gern zu Hause blieben.
Und dann kommen sie zurück
mit dem gleichen bösen Blick,
Hütchen, Schühchen, Täschchen passend,
ihre Männer unterfassend,
die sie heimlich heimwärts ziehn,
daß sie nicht in Kneipen fliehn.
Tada-da-da-dam...

Wenn die Bratendüfte wehen,
Jungfrauen den Kaplan umstehen,
der so nette Witzchen macht,
und wenn es dann so harmlos lacht,
wenn auf allen Fensterbänken
Pudding dampft, und aus den Schenken
schallt das Lied vom Wiesengrund
und daß am Bach ein Birklein stund,
alle Glocken läuten mit,
die ganze Stadt kriegt Appetit,
das ist dann genau die Zeit,
da frier ich vor Gemütlichkeit.
Tada-da-da-dam...

Da hockt die ganze Stadt und mampft,
daß Bratenschweiß aus Fenstern dampft.
Durch die fette Stille dringen Gaumenschnalzen,
Schüsselklingen, Messer, die auf Knochen stoßen,
und das Blubbern dicker Soßen.
Hat nicht irgendwas geschrien?
Jetzt nicht aus dem Fenster sehn,
wo auf Hausvorgärtenmauern
ausgefranste Krähen lauern.
Was nur da geschrien hat?
Ich werd so entsetzlich satt.
Tada-da-da-dam...

Wenn Zigarrenwolken schweben,
aufgeblähte Nüstern beben,
aus Musiktruhn Donauwellen
plätschern, über Mägen quellen,
hat die Luft sich angestaut,
die ganze Stadt hockt und verdaut.
Woher kam der laute Knall?
Brach ein Flugzeug durch den Schall?
Oder ob mit 'm Mal die Stadt
ihr Bäuerchen gelassen hat?
Die Luft riecht süß und säuerlich.
Ich glaube, ich erbreche mich,
Tada-da-da-dam...

Dann geht's zu den Schlachtfeldstätten,
um im Geiste mitzutreten,
mitzuschießen, mitzustechen,
sich für wochentags zu rächen,
um im Chor Worte zu röhren,
die beim Gottesdienst nur stören.
Schinkenspeckgesichter lachen
treuherzig, weil Knochen krachen
werden. Ich verstopf die Ohren
meiner Kinder. Traumverloren
hocken auf den Stadtparkbänken
Greise, die an Sedan denken.
Tada-da-da-dam...

Dann ist die Spaziergangstunde,
durch die Stadt, zweimal die Runde.
Hüte ziehen, spärlich nicken,
wenn ein Chef kommt, tiefer bücken.
Achtung, daß die Sahneballen
dann nicht in den Rinnstein rollen.
Kinder baumeln, ziehen Hände,
man hat ihnen bunte, fremde
Fliegen - Beine ausgefetzt -
sorgsam an den Hals gesetzt,
daß sie die Kinder beißen solln,
wenn sie zum Bahndamm fliehen wolln.
Tada-da-da-dam..,.

Wenn zur Ruh die Glocken läuten,
Kneipen nur ihr Licht vergeuden,
wird's in Couchecken beschaulich.
Das ist dann die Zeit, da trau ich
mich hinaus, um nachzusehen,
ob die Sterne richtig stehen,
Abendstille überall. Bloß
manchmal Lachen wie ein Windstoß
über ein Mattscheibenspäßchen.
Jeder schlürft noch rasch ein Gläschen
und stöhnt über seinen Bauch
und unsern kranken Nachbarn auch.
Sonntags in der kleinen Stadt,
sonntags in der deutschen Stadt.

Montag, 12. November 2007

Ajuja, ajuja – jez jeht et widder ajuja...

...jez jeht et loss! Treck em e paar, treck em e paar, treck em e paar me’m Reeme
mer han dm Mädsche nix jedonn. Et wör so ärsch am räne!

mercury vom 12.11.07

Entschuldigung, aber eben das kam mir in den Sinn, als ich heute dieses Foto in im hiesigen „Mercury“ sah. Frage mich aber nun bitte niemand, was genau der Dichter uns damit sagen wollte. Jaja, dreissig Jahre Rheinland verlieren sich nicht so leicht. Lust hätte ich zwar, Anfang Februar mal wieder nach Köln zu reisen, aber da ich keine warme Winterkleidung mehr besitze wird da wohl nichts draus.
Nach Windhoek jedoch könnte ich fliegen. Da ist’s warm, ein ruut-wiess-jestrieftes Ringelhemd sowie eine Pappnas besitze ich noch und einen Rosenmontagszug haben die auch.

Montag, 29. Oktober 2007

Zum Tode von Evelyn Hamann

Guten Abend, meine Damen und Herren!

hamann_dpa_400_250Heute sehen Sie die achte Folge unseres sechzehnteiligen englischen Fernsehkrimis Die zwei Cousinen. Zunächst eine kurze Übersicht über den Handlungsablauf der bisher gesendeten sieben Folgen.

Auf dem Landsitz North Cothelstone Hall von Lord und Lady Hesketh-Fortescue befinden sich außer dem jüngsten Sohn Meredith auch die Cousinen Priscilla und Gwyneth Molesworth aus den benachbarten Ortschaften Nether Addlethorpe und Middle Fritham, ferner ein Onkel von Lady Hesketh-Fortescue, der neunundsiebzigjährige Jasper Fetherston, dessen Besitz Thrumpton Castle zur Zeit an Lord Molesworth-Houghton, einen Vetter von Priscilla und Gwyneth Molesworth, vermietet ist.

Gwyneth Molesworth hatte für Lord Hesketh-Fortescue in Nether Addlethorpe einen Schlips besorgt, ihn aber bei Lord Molesworth-Houghton liegengelassen. Lady Hesketh-Fortescue verdächtigt ihren Gatten, das letzte Wochenende mit Priscilla Molesworth in Middle Fritham verbracht zu haben. Gleichzeitig findet Meredith Hesketh-Fortescue auf einer Kutschfahrt mit Jasper Fetherston von Middle Fritham nach North Cothelstone Hall in Thrumpton Castle den Schlips aus Nether Addlethorpe.

Nach einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen Lady Hesketh-Fortescue und Priscilla Molesworth in North Cothelstone Hall eilt Gwyneth Molesworth nach dem zwei Meilen entfernten South Thoresby, um ihre Tanten Amelie Hollingworth und Lucinda Satterthwaite aufzusuchen.

Diese sind jedoch nach North Thurston zu ihrem Schwager Thomas Thatcham gefahren, der als Gärtner in Thrumpton Castle bei Lord Molesworth-Houghton arbeitet.

Gwyneth Molesworth fährt nach North Cothelstone Hall zurück, aber nicht über Middle Addlethorpe, sondern über North Thurston, Thrumpton Castle, Middle Fritham und Nether Addlethorpe. Dort trifft sie Priscilla Molesworth, die mit Lord Molesworth-Houghton noch nachts von Middle Fritham nach North Cothelstone Hall fahren wollte...


Loriots Parodie einer Fernsehansagerin der sechziger Jahre ist für mich unvergesslich mit dem Gesicht der Evelyn Hamann verbunden, Loriots kongenialer Scetchpartnerin. Wie habe ich die Frau für ihr schauspielerisches und komödiantisches Talent bewundert.
Evelyn Hamann ist letzte Nacht verstorben. Sie wird mir / uns fehlen.

Samstag, 29. September 2007

Lebenslauf (automobilistisch)

1967 BMW Isetta; Kaufpreis DM 50,--; Laufzeit 14 Tage; Motor geplatzt; Schrottplatz
isetta

1967 NSU Jagst; Kaufpreis DM 300,--; Laufzeit 2 Jahre; durchgerostet, geschweißt,
wieder durchgerostet; Schrottplatz
Jagst

1968 VW Käfer; Kaufpreis DM 2000,--; Laufzeit 3 Monate; tiefer gelegt, Rennfahrer
geworden, Horrorcrash gegen einen Baum und, Riesendusel, unverletzt
geblieben; Totalschaden; Schrottplatz
vw-k04

1969 VW Käfer I, II, III; Kaufpreise DM 1000,-- 200,-- 20,--; aus 3 mach einen,
alternierend, ein Jahr lang ( Wie ich Autobasteln hasse!); dann alle Schrottplatz
vw-k04

1970 Renault R4; Kaufpreis ca. DM 5000,--; der erste Neue mit völlig überteuertem
Ratenkredit bezahlt; Laufzeit 10 Jahre, nie Probleme; das Ende als Rostlaube;
Schrottplatz (noch heute mit Wehmut bedacht, wg. der unvergesslichen
Urlaubsreisen mit den Kindern durch halb Europa bis runter in die Türkei.)
renault-R4

1976 Citroen GS; Kaufpreis DM 6000,-- DM; Secondhand, aber nie richtig
glücklich geworden damit, weil dauernd sündteure Reparaturen anfielen; Laufzeit
2 Jahre; verschenkt
Citroen_gsa_special

1977 Opel Kadett; Firmenwagen; eine richtige Möhre, aber immer fahrbereit; dann
nicht mehr als Cheffahrzeug vorzeigbar, aber bis 1986 noch als unermüdliches
Baustellenfahrzeug im Einsatz; verschenkt
Opel_kadett_

1978 BMW 520i; Firmenwagen; der erste Richtige und mit Bauchschmerzen
gekauft, weil wir keine Ahnung hatten, ob man so eine Ausgabe auch
erwirtschaften konnte; Laufzeit 2 Jahre; verkauft
bmw-520-1972

1980 BMW 528i; Firmenwagen; er war locker zu erwirtschaften und deshalb durfte
es gleich etwas mehr sein; Laufzeit 2 Jahre; verkauft
bmw-525i

1982 BMW 528i; Firmenwagen; warum was Kleineres, wenn das Finanzamt nix
dagegen hat?; Laufzeit 2 Jahre; verkauft
bmw-525i

1984 BMW 535i M; Firmenwagen; kein richtiger M5, sondern so ein mit
Äußerlichkeiten aufgemotzes Gefährt. Für den Heckspoiler schäme ich mich
heute noch; Laufzeit 3 Jahre; verkauft
BMW_M535i_hinten

1987 BMW 735i; Firmenwagen; der Chef braucht jetzt eine große Nobelkutsche und
die Firma gibt das her; Laufzeit 3 Jahre; verkauft
BMW 735i

1990 BMW 735i; Firmenwagen; noch mal dasselbe, der Kunde besteht darauf und
die Aufträge kommen dann, keine Frage; Laufzeit 4 Jahre; verkauft
BMW 735i

1994 BMW 325D; Firmenwagen; ein Diesel, aber ein knackiger. Eines der besten
Autos, die ich fahren durfte; das Geld sitzt nicht mehr so locker, erste
Anzeichen der Globalisierung; Laufzeit 3 Jahre; verkauft
BMW-3-er

1997 BMW 328i Cabrio; Firmenwagen; die Geschäfte gehen schlechter, aber einmal
nur, einmal die Leopoldstraße rauf und runter in einem Cabrio. Oh Gott, auch
dafür schäme ich mich heute; Laufzeit 23 unbequeme Monate; Crash auf der
Autobahn, vom LKW geschnitten und dann vom nachfolgenden Fahrzeug
abgeschossen in die Leitplanken. Wieder einmal Glück gehabt und unverletzt
geblieben. Die Versicherung zahlte den Zeitwert des Totalschadens und auch
für den Trümmerhaufen gab’s noch einen gut zahlenden Verwerter. Pikantes
Detail am Rande: Ca. ein halbes Jahr später erhielt ich in der Firma eine
Anfrage, ob ich, da ich doch der Vorbesitzer gewesen sei, wüsste, ob der
Wagen schon mal einen Unfall gehabt hätte, er hätte so eine komische
Straßenlage!
bmw-cabrio

1999 BMW 320i; Firmenwagen; endlich wieder eine normale, bequeme Limousine;
Laufzeit 2 Jahre und 3 Monate bis zum Umzug nach Südafrika; verkauft
Bmw3black-2000

2002 Toyota Tazz; Kaufpreis 65.000,--Rand, z.d.Ztpkt. ca. 6000,--Euro; ein
Kleinwagen von echtem Schrot und Korn, d.h. ohne jeglichen techn.
Schnickschnack wie z.B. Servolenkung, was im Verbund mit einem riesigen
Wendekreis sehr zur Ausbildung einer wohlgeformten Arm- und
Schultermuskulatur beiträgt. Laufzeit 1 Jahr und 3 Monate, dann
rammt mich eine Inderin, die rote Ampel hat sie mal eben ignoriert, in die
Leitplanken. Totalschaden, der von der Versicherung mit 65.000,-- Rand
entschädigt wird. Das Wrack beansprucht die Versicherung für sich. Bis heute
erhielt ich allerdings noch keine Anfrage seitens eines hiesigen Tazz-Fahrers
bzgl. Unfallwagen usw (s.o.).
Tazz

2003 Toyota Tazz; Kaufpreis 70.000,-- Rand; Laufzeit bisher 4 Jahre und da er von
Frau Blackconti gefahren wird, ist mindestens mit einer Verdoppelung zu
rechnen.
Tazz

2006 Toyota Tazz; Kaufpreis 75.000,-- Rand; Laufzeit - schaun wir mal, ich werde
ihn schon klein kriegen, bzw. Frau Blackconti mit dem Garagentor.

(to be continued someday!)

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