Seit der von ihm so hochverehrte George W. Bush sein segensreiches Wirken in der Welt aufgeben musste, ist es auch um Hendryk Modest Broder und seine „Achse des Blöden Guten“ recht still geworden. Zu still, nach Meinung des großartigen Sozialdemokraten Thilo Sarrazin, und so riss dieser kurzentschlossen Broders sicher geglaubte Meinungsführerschaft in Sachen Araberbashing und Muslimfresserei an sich.
Sarrazins Erfolg war durchschlagend. Das Medienecho auf seine Kritik an faulen arabischen Gemüsehändlern, die in Wärmestuben fortwährend kopftuchtragende Muslima produzieren, war gewaltig und das Rauschen des Blätterwaldes dröhnte Broder in den Ohren, hatte er doch bislang selbst mit der abwegigsten Muslimbeschimpfung niemals so eine Reaktion erreicht. Das kränkt, selbstverständlich, ist aber auch nicht verwunderlich. Broders Polemiken sind so absurd, dass sie nur als Satire zu begreifen sind und von einem ehemaligen „St. Pauli-Nachrichten“- und „Pardon“ –Autoren darf man das auch erwarten.
Im Kampf um den Titel des nationalen Klassenclowns hat Broder nun seine „Kipa in den Ring geworfen“, wie die Süddeutsche Zeitung meldet. Broder hält die Frau Knobloch für völlig ungeeignet und will nun höchst selbst Vorsitzender des Zentralrats der Juden werden. Das ist ein gelungener Coup, denn er garantiert Broder endlich mal wieder Aufmerksamkeit in den Medien und Sarrazin kann da nicht mitmischen, der ist nämlich kein Jude. Broders Chancen stehen zwar nicht gut, aber wer weiß? Der Zentralrat der Juden fand auch den öligen Friedmann schon mal geeignet fürs Präsidium.
Noch ein Wort zu Sarrazin. Sein Name deutet auf arabische Abstammung hin. Sarrazin – Sarazenen ( arabischer Volkstamm, bekannt als mutige Gegner der Kreuzritter) – na, dämmert’s? Und dann wird auch bei Sarrazin einiges klar: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche!
Wer nicht genug verdient, um die Miete für eine normale Wohnung zu bezahlen, der wohnt halt auf dem Campingplatz. Dort kostet’s nur die Hälfte, gammeliger Mietwohnwagen und ungeheizte Gemeinschaftsdusche inklusive. Freunde findet man dort schnell und als Extra gibt es viel frische Luft gratis. „Die Gesellschaft wird immer mobiler und der Bedarf wächst stetig.“ freut sich der Platzbesitzer in Lohmar über seinen Krisengewinn, derweil der 55-jährige ehemalige Montagemeister ( arbeitslos) seinen Wohnwagen aufbockt, „Wegen des Hochwassers.“ Lohmar liegt an der Agger. Immer interessierter schaue ich mir denZDF-Beitrag an, denn auf Grund des munteren Tonfalls der Reporterin angesichts des Elends kann es sich doch nur um Satire handeln?
Nein, das ist alles ernst gemeint. Gelobt wird die Eigeninitiative der Filialleiterin einer Bäckereikette, die für den mies bezahlten Job von Norddeutschland an den Rhein zog. Ihrer Mitarbeiterin, die sich für das Campingplatzwohnen nicht so recht erwärmen mag, erklärt die Chefin dann, dass man sich entscheiden müsse: „Entweder im Auto oder unter der Brücke schlafen, oder eben auf dem Campingplatz.“ Na, wenn das keine Alternativen sind.
Überhaupt fehlt in diesem ZDF-Filmchen das sonst übliche Gejammer. Die vorgestellten
Camper sind alle alleinstehend, über Fünfzig und haben alle durch die Krise ihren vormaligen Job verloren, aber man hört kein Klagen über ihre derzeitige Situation.
Schulterzucken – so ist es halt.
Ich verstand später auch ganz genau, warum dieser asoziale Honorarprofessor Olaf Henkel bei Illners Maybrit dauernd so dümmlich grinste. Er hatte bestimmt vorher diese Campingplatzreportage gesehen und befriedigt festgestellt, dass seine jahrelang ausgebrachte INSM – Saat nun mehr und mehr aufgeht und reiche Früchte trägt.
Manchmal möchte man sich, mit Blickrichtung an den Autor, nur noch an die Stirn tippen. Da kommentiert ein Peter Pauls im „Kölner Stadtanzeiger“ das Wahldebakel der SPD und sorgt sich um die Zukunft der Partei u.a. mit der Frage:
Ist die SPD eine linke Partei, die über kurz mit Oskar Lafontaine und den Seinen koalieren wird und programmatisch verneint, dass erst erwirtschaftet werden muss, was später ausgegeben werden soll?
An der Formulierung merkt man schon, das findet Peter Pauls ganz, ganz schlecht. Zwar gibt es so ein verneinendes Parteiprogramm nur in der Phantasie des Autors, aber egal, so eine Polemik gegen alles Linke, und sei sie noch so platt, freut den Verleger. Übrigens, nur zur Erinnerung: Zur Abwendung des Finanzkollapses und zur Rettung der Banken wurde ratz-fatz nicht erwirtschaftetes Geld in Billionenhöhe ziemlich unprogrammatisch ausgegeben – allerdings nicht von der Linkspartei.
Aber lesen wir weiter, was ist die Alternative für die SPD?:
Oder ist sie die bürgerliche Partei der linken Mitte, die alten Ideologien abgeschworen hat und Konzepte für eine moderne und international geprägte Industriegesellschaft entwickelt?
Na, das hört sich doch schon ganz anders an. Modern, bürgerliche Partei der linken Mitte, Ideologien abgeschworen, ja, das ist mal ein guter Rat, da wird die SPD aber bestimmt reüssieren. Zwar hätte der gute Herr Pauls auch einfach: „Weiter so!“ schreiben können, denn er beschreibt damit exakt die SPD der letzten 10 Jahre und der sind die Mitglieder und Wähler in Scharen davongelaufen, aber das ist dem Peter Pauls in seinem Leitartikelgeschwurbel schon nicht mehr aufgefallen.
Peter Pauls, den Namen wird man sich nicht merken müssen.
Das ist Johannes Kahrs. Johannes Kahrs ist Bundestagsabgeordneter aus Hamburg und ist ein sehr beschäftigter Mann. Kahrs ist der Sprecher des Seeheimer Kreises, also des äußert rechten Flügels der SPD. Kahrs ist Oberleutnant der Reserve und daher auch im Präsidium des Förderkreises des Deutschen Heeres (FDH) und, Ämter kann man ja gar nicht genug haben, auch Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik ( DWT).
Dass diese Mitgliedschaften nach der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages anzeigepflichtig sind, bestreitet Kahrs, weil er dafür ja nicht bezahlt werde und hat das dementsprechend auch niemandem gemeldet. Die 80.000,-- Euro, die Rüstungsfirmen wie Rheinmetall oder Krauss-Maffei für Kahrs Wahlkampf beigesteuert haben, immer in kleinen Beträgen unterhalb der Veröffentlichungspflicht, gaben diese an Kahrs, weil er ein so netter Kerl ist und keinesfalls, weil er auch im Haushaltsausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss und im Verteidigungsauschuss des Bundestages sitzt.
Wie gesagt, ein sehr beschäftigter Mann, der heute keine Zeit mehr findet innerparteiliche Konkurrentinnen mittels anonymer Telefonanrufe zu beleidigen und zu terrorisieren. Die Zeiten sind lange vorbei und außerdem hat ja sein Freund Ole von Beust seinerzeit vor Gericht eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung eines Bußgeldes erreicht.
Dieser Mann ist kein Lobbyist, Gott bewahre, sondern ein moderner Sozialdemokrat, der einzig das Wohl des deutschen Volkes im Sinn hat. Ein uneingeschränktes Lob der SPD, die mir solch einen hervorragenden Kandidaten zur Wahl anbietet, meine Stimme bekommt sie ganz sicher.....nicht.
Ja, das bin ich wohl, weil ich das unfassbare Mediengedöns um einen Schlagerfuzzi schon seit Tagen weder hören noch sehen mag, ja, dass mich der Tod Michael Jackson’s genauso interessiert, wie der bekannte Sack Reis in China. Dass aber just in diesem Moment gleich 4 ( vier!) unserer hier empfangbaren deutschen TV-Sender die MJ-Trauerfeier live übertragen, dass dafür die Nachrichtensendungen ausfallen oder verschoben werden, das geht einfach zu weit. Ich kann dieses fürchterliche, anbiedernde Getue um diesen mit den Jahren immer lächerlicheren Plastikzombie einfach nicht mehr ertragen.
Because I’m bad, I’m bad – I know it!
...vom Staat gibt’s für Banken, zig-Milliarden ruck-zuck, wie wir ja gerade erleben dürfen. Für den Normalbürger dagegen kann’s schon ein wenig länger dauern, wie Frau Blackconti ebenfalls gerade erfahren darf.
Nun ist ja zum Glück nicht jeder auf eine pünktliche Rentenauszahlung angewiesen, aber falls doch, dann darf man sich auf eine längere Spanne ohne Einkommen einstellen, auch wenn alle Antragsformulare viele Monate vor dem Renteneintrittsalter inkl. aller angeforderten Unterlagen eingereicht wurden. Wenn man dann gut einen Monat nach Erreichen des Renteneintrittsalters höflich anfragt, wann denn nun und in welcher Höhe mit der Auszahlung der ersten Rente zu rechnen sei, dann erhält man die Auskunft, dass das Formular „R 240“ ja nicht ausgefüllt vorläge und deshalb... Ist ja gut. Es wäre natürlich von Vorteil gewesen, man hätte dieses Formular gleich mit den Antragsformularen übersandt oder zumindest nach Eintreffen des ausgefüllten Antrages auf das fehlende „R 240“ hingewiesen, die e-mail-Adresse oder diverse Telefonnummern wurden ja erfragt und angegeben. Aber, sei’s drum.
Also, „R240“ ausgefüllt, alles mit „nein“, was nach den Angaben im Rentenantrag auch gar nicht anders sein kann, und per Einschreiben abgeschickt. Zwei Wochen später erneute Nachfrage, wann denn nun mit der ersten Rentenzahlung gerechnet werden dürfe. Nicht so hastig, wie sich schnell herausstellt, denn nun muss erst einmal der Nachweis erbracht werden, dass man überhaupt deutscher Staatsbürger ist. Eine Passkopie alleine reicht nicht, sie muss vom deutschen Konsulat in Durban beglaubigt sein, aber das sind ja bloß 300 km hin- und zurück. Selbstverständlich wurde auch das erledigt, das Dokument auf den Postweg nach Berlin gebracht und weitere zwei Wochen später wiederum Frau Blackcontis Bitte um Auskunft über Rentenhöhe und ungefähren Auszahlungszeitpunkt.
Leider sei die Sachbearbeiterin des Rentenantrages nicht für die Berechnung zuständig, die Unterlagen seien aber jetzt vollständig und würden nun weitergeleitet. Was bei der Berechnung herauskäme und wann dann mit Geld zu rechnen sei, könne sie leider nicht sagen, aber 3-4 Wochen sollte das schon dauern. Komisch, ist doch alles bereits im Computer, vorläufige Bescheide wurden doch schon erstellt und geändert hat sich seitens der Antragstellerin seitdem nichts. Und es würde wohl noch viel länger dauern, wenn nicht regelmäßig nachgehakt würde. Jetzt verstehen wir endlich, was mit „Rente mit 67“ gemeint ist.
Weil mir die exstatische Ausgelassenheit eines Westerwelles, einer Top-Powerfrau Koch-Mehrin, die Siegerpose eines Pofallas oder Bütikofers, aber auch die aufgesetzte Trotzigkeit - " Aber im Herbst werden wir...blabla!" - eines Münteferings so ungemein auf den Geist gehen, weil dieses ganze verlogene Wahlgewäsch in seiner Lächerlichkeit nur noch von Grenzdebilen ernst genommen werden kann, spielt PinK Floyd dazu nun die passende Musik und ich hab das ganze zur weiteren Beruhigung noch mit eine paar Bildchen von hier, aufgenommen in den letzten Tagen garniert. Ja, ich geb's zu - bin momentan "comfortably
nump".
Ich wusste ja nicht, dass Monica Bleibtreu so schwer erkrankt war, als ich an dieser Stelle vor wenigen Tagen meine Begeisterung über ihr Spiel und den gesamten Film obigen Titels so emphatisch niederschrieb. Um so betroffener vernahm ich die Nachricht von ihrem plötzlichen Tode. Diese wunderbare Schauspielerin war eine unverwechselbare Charakterdarstellerin, wegen der allein es sich immer lohnte einen Film mit ihr anzuschauen. Sie wurde nur 65 Jahre alt und, das hört sich jetzt höchstwahrscheinlich kitschig an, ihr Tod stimmt uns schon recht traurig.
Mutterliebe, Mutterglück
Motherless in Mutterstatt
Ann-Sophie Mutter , mütterlich
Sechskantmutter, Madre mio
Muttermilch und Mutterwitz
Rabenmutter, Mutterpause
Mutterboden, Mutter Erde
Motherfucker, Maamaa (Heintje)
Inge Meysel, Muttermal
Ma Baker, Mothers of Invention
Die Mutter aller Kriege oder Krisen
Müttergenesungswerk und Mutterkreuz
Ursula von der Leyen
Mamma mia!
Jeden Montag um 20.15 Uhr präsentiert uns das ZDF einen „Fernsehfilm der Woche“ und in der Regel sind das eher ziemlich dürftige Machwerke, bei denen man ob der hochtrabenden Etikettierung nur verwundert den Kopf schütteln kann. Letzten Montag allerdings hätte der Film „Ein starker Abgang“ auch unter der Rubrik „Fernsehfilm des Jahres“ laufen können, denn viel Besseres wird man so schnell nicht zu sehen bekommen.
Die Geschichte vom alternden, misanthropischen Schriftsteller, der vom notleidenden Verlag auf Lesereise geschickt und der dabei von einer erfahrenen Ernährungsberaterin begleitet wird, wird so wunderbar leicht, so witzig und lakonisch erzählt, dass man den beiden Protagonisten noch stundenlang zuhören und -sehen könnte.
Bruno Ganz spielt den sarkastischer Schriftsteller, den ein „Grummeln“ im Bauch zum Arzt treibt. Dieser rät dringend zur Umstellung der ungesunden Lebensweise ( Kaffee, Zigaretten und Tütensuppen) und vermittelt dem Schriftsteller eine Ernährungsberaterin, gespielt von der großartigen Monika Bleibtreu, die der Dichter nur widerwillig als Begleitung auf der Lesereise akzeptiert. Chauffiert werden die beiden auf der Reise vom Verlagsfaktotum, gespielt von Harald Schott, welches auch für den organisatorischen Teil der Lesereise zuständig ist, und es entwickelt sich ein Roadmovie voller ironischer Schlaglichter auf den Zeitgeist in Deutschland. Auch die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt, wobei besonders die diversen Ärzte, die der Dichter zwecks Abklärung des „Grummelns“ aufsucht, sehr überzeugend dargestellt werden.
Einzig das plötzliche Verschwinden der gerade erst gefundenen „Großen Liebe“ des Chauffeurs unter Mitnahme von dessen Brieftasche samt kompletten Inhalt und die kopflose Suche des Enttäuschten wirkten auf mich unlogisch, wenig überzeugend und als Schwachstelle des Films. Wegen der Kürze der Sequenz aber trübt sie den äußerst vergnüglichen Gesamteindruck des Streifens kaum.
In der Anmoderation wurde der Film als Tragikomödie bezeichnet und somit schon angedeutet, dass sich hinter dem „Grummeln“ im Schriftstellerbauch eine ernste Erkrankung versteckt. Ja, es geht dem Ende entgegen und auch die Angst des Todkranken wird nicht ausgespart, aber es wird nicht rührselig oder melodramatisch, sondern sehr behutsam wird dargestellt, wie die raue, sarkastische Schale des Schriftstellers langsam aufweicht und der verletzliche Mensch darunter seine wahren Gefühle zeigen kann.
Zusammengefasst: Für mich ein wirklich sehenswerter Film mit pointierten , witzigen Dialogen, von hervorragenden Schauspielern äußerst unterhaltsam und glaubhaft dargestellt. Kurz, mindestens ein „Fernsehfilm der Woche“, eher mehr.
(Regie: Rainer Kaufmann, Buch: Martin Rauhaus)
Übrigens: Der Film ist in der ZDF-Mediathek noch bis zum 11.5. in voller Länge abrufbar