Dienstag, 18. Januar 2011

Stark

Kurz vor ihrem Abgang läuft Anne Will endlich zu großer Form auf. Sie nimmt das Reizwort “Kommunismus”, von Gesine Lötzsch (Die Linke)in heiliger Einfalt in die öffentliche Diskussion gebracht, zum Anlass, sich und uns köstlich zu amüsieren. Erst animiert sie den sichtlich angeschlagen Oskar Lafontaine zu geradezu absurden Verrenkungen, Lötzschs “Wege zum Kommunismus” also, als Vorschlag zur Kommunalisierung der Wasserwerke, wahlweise aber auch der Banken oder Energieversorger usw. zu verstehen. Da kann der Spiegelautor, ein alter 68er und aus Versehen ins rechte Lager konvertiert, nicht mehr an sich halten. “Pol Pot, Stalin, DDR, -Millionen Leichen plastern deren Weg und das ist der Kommunismus!” Das war aber, in Wiederholungen, sein einziges Statement an diesem Abend, denn Lafontains Frage, was er denn gegen Gemeinschaftseigentum hätte, er hätte es sich beim Spiegelverlag doch mit der Vergemeinschaftung warm und gemütlich eingerichtet, ließ diesen Apologeten der asozialen Marktwirtschaft ziemlich belämmert aussehen.

Dann kam ihm Anne zu Hilfe, mit zwei dieser brunzdummen Belegfilmchen. Linke lassen keine andere Meinung gelten und sind grundsätzlich gewalttätig! Zum Beweis wird uns ein einsamer CDU-Stand, vom diesem Spiegelmännlein zur bewußten Provokation direkt neben einer Antifa –Demo in Kreuzberg aufgebaut, gezeigt und natürlich entleert irgendein angekiffter Sponti seine Currywurst (?)auf dem Haupthaar des grinsenden CDU-Funktionärs. Natürlich grinst auch der Spiegelmann in die Kamera. Das hat bestens geklappt. Klappe - und bei Anne Will sehen wir nun den Beweis.

Aber es kam noch viel besser. Bitte immer im Hinterkopf behalten: Kommunismus = Gewalt, und da hält doppeltgenäht besser. Belegfilmchen 2: Die Diskussionsveranstaltung, bei der Gesine Lötzsch nur eine Rede hielt, anstatt mit der Ex-Terroristin (huch!) Inge Vieth zu diskutieren. Vor der Halle jede Menge Linke und ein Ehepaar mit Pappschildern als Gegendemonstranten, Letztere angemeldet und genehmigt, wie das Ehepaar betont. Natürlich kommt es, was wäre auch anderes zu erwarten, wie es kommen muss. Ein paar Arschgeigen greifen das Ehepaar an und schlagen es. Es war wohl nicht so schlimm, denn anschließend kann das Ehepaar die Vorgänge ruhig schildern und Verletzungspuren sieht man keine. Natürlich war auch dort wieder eine Kamera in Erwartungshaltung dabei und schon ist wieder ein Anne Will-Belegfilmchen im Kasten. “Was sagen Sie dazu, Herr Lafontaine? Niemand von der Linkspartei hat sich bisher bei diesem Ehepaar entschuldigt?” fragt Anne scheinheilig. Wow, die “Opfer” sitzen im Publikum und die Studiokamera zoomt auf das Ehepaar, welches erwartungsvoll auf Lafontaine schaut. Lafontaine windet sich, lehnt selbstverständlich Gewalt ab, bedauert die Opfer, aber entschuldigen will er sich nicht. Selbstverständlich nicht, denn was hat er, der nicht mal beim Vorfall anwesend war, mit irgendwelchen Spinnern zu tun, und dass er hier nur vorgeführt werden soll, macht Anne Will überdeutlich mit ihrem 4-5-maligem Insistieren auf Lafontaines Entschuldigung. Der Spiegelmann, nein, den Namen musss man sich wirklich nicht merken, rülpste nur zum wiederholten male, arrogant im Sessel flegelnd: “Pol Pot, Stalin, DDR..” Usw - wir wissen es ja nun.

Es gab noch weitere Gäste. Eine junge Filmmacherin, in der DDR aufgewachsen, die Filme über das sogenannte Prekariat dreht und die vom bisherigen Verlauf der Show etwas irritiert schien, weil sie lieber über Visionen für einen gerechteren Staat diskutiert hätte. Das war nun der Einsatz für den, bis dahin weitgehend weinselig lächelnden Rainer Brüderle. Alles wird jetzt besser, so nuschelt er, die Regierung hat alles im Griff. Die Löhne werden gewaltig steigen, die Arbeitslosenzahlen brauchten bald nicht mehr gefälscht zu werden, denn wir nähern uns der Vollbeschäftigung und das alles haben wir dieser wunderbaren CDU/FDP-Regierung zu verdanken. Fast möchte man dem Brüderle um den Hals fallen, denn schwafeln liegt ihm im Blut und ca. (geschätzt) 0,8 Promille.

Aber nun kam der Clou. Anne stand auf und präsentierte uns nun einen Armutsforscher, Professor an der Uni Köln. Dieser sprang wie Kai aus der Kiste und feuerte im Maschinengewehrtempo eine Breitseite mit allen gängigen Gerechtigkeitsklischees gegen die Suada des Wirschaftsministers. Einkommensschere, Bankenkrise und Bailout, Steuerhinterziehung, Dumpinglöhne usw. und schließlich noch die Atomstromförderung. Oskar Lafontains Augen leuchteten und sein Nicken bei jedem Punkt signalisierte Zustimmung. Brüderle empörte sich mal kurz über einen Nazivergleich (“Sozial ist was Arbeit schafft!” ist ja ein Nazispruch, was man an seiner unglaublichen Blödheit auch merkt.), faselte aber ansonsten nur noch: “Das kommt alles noch!”, womit er Verbesserung für das Prekariat meinte. Na sicher, aber bestimmt nicht mit Brüderle und der FDP.

Ich habe von nun an mehr auf Anne Will geschaut, die, so schien es mir, sich das laute Lachen über ihren gelungene Coup kaum verkneifen konnte. Der Spiegelmann, mit indigniert verkniffener Miene im Sessel hockend, versuchte es noch ein-zweimal mit : “Pol Pot, äh Stalin..”, aber das interessierte nun zum Ende hin wirklich niemanden mehr. Wundert sich eigentlich noch jemand, dass bei solchen Mitarbeiteren auch der “Spiegel” niemanden mehr interssiert.

Anne Will ist ihrem Ruf als komischste Talkfrau der westlichen Hemisphere wiedereinmal vollauf gerecht geworden. Man darf aber davon ausgehen, das es demnächst bei Günther Jauch auch ähnlich lustig zugehen wird.

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