Die Transkription des Bin Laden-Videos findet man hier. Leider ist die Qualität nicht gut. Die entscheidende Frage ist natürlich, ob die Übersetzung richtig ist - das können wir wohl nicht beurteilen.
Die Koinzidenz der Ereignisse ist tatsächlich reichlich merkwürdig. Warten wir einfach mal ab, wieviel vom Fahndungserfolg in einem halben Jahr noch übrig ist.
Ihr Witz über Wasserstoffperoxid ist herrlich. Weil es keines mehr gab, war Bin Ladens Bart wieder schwarz. Köstlich.
Falsch ist die Tageschau-Meldung ja nicht gerade. Als Zusammenfassung der BL-Predigt kann man es so formulieren, aber wohl eher als einen Rat, denn als Forderung. Trotzdem halte ich solche "Nachrichten" für völlig wertlos, wenn man den Kontext, d.h. das Video nicht wenigstens ausschnittweise sendet. Aber das geht nicht, da der Prediger dabei evtl. gar nicht so als das personifizierte Böse wegkommt. Danke für den Text.
Interessant auf jeden Fall, aber ist diese Aufzählung aller bekannten Vorwürfe gegen die Politik der USA, bzw. des Westens auch diskussionswürdig, wenn im Hintergund Terror als Lösungsansatz gerechtfertigt wird?
Interessant finde ich die Stellen, in der er bspw. den Holocaust als Phänomen der westlichen Kultur (aus der "Mitte Europas") darstellt und dies im Kontext mit dem Genozid der Siedler an den Indianern stellt. Dagegen wird die Besetzung Spaniens gestellt - die retrospektiv betrachtet (auch von kritischen Geistern) als eine Blütezeit des Islam gilt.
Für OBL ist der al-Qaida-Terror kein Terror, sondern nur eine Art legitimer Befreiungskampf; eine Reaktion auf Terror. Er hat ähnliches ja mit den Sowjets in Afghanistan erlebt - hier war man ja von westlicher Seite aus geopolitischen Gründen mit ihm.
Der "Zwangsmissionierung" des Westens (in Form von universalistischen, demokratischen Werten) setzt er die Missionierung durch den Islam entgegen. Das ist natürlich kein Argument mehr, sondern erinnert eher an Sandkastenspiele.
Hier begeben wir uns in ein gefährliches Fahrwasser, denn alle diese historischen Vergleiche und Gegenüberstellungen, noch dazu in erstaunlich moderatem Ton vorgetragen, dienen einem einzigen Zweck: Der Rechtfertigung brutalster Gewalt.
Und für den Al-Quaida-Terror gibt es genauso wenig eine Rechtfertigung, wie für den angezettelten Irak-Krieg der Bush-Administration mit all seiner Barbarei. Ich will damit sagen, dass man über die historischen Zusammenhänge sicherlich diskutieren kann, was ja in den letzten Jahren in vielen Diskussionsrunden auch schon geschehen ist, aber meiner Meinung nach nicht im Zusammenhang mit dieser Botschaft eines gewalttätigen Missionars.
Ich rede auch weniger von Rechtfertigung, als von ersten Ursachen, die eine Lawine der Gewalt ins Rollen gebracht haben. Diese liegen auch im Verhalten westlicher Regierungen. Allerdings - hierauf nimmt Bin Laden in anderen Botschaften Rekurs - nicht nur. Länder wie Saudi-Arabien oder Ägypten (bzw. deren Regierungen) kommen bei ihm sehr schlecht weg, da sie sich mit den "Ungläubigen" eingelassen haben. Hierauf lässt sich von entsprechender Seite (al-Zawahiri et al.) prächtig ein religiös-ideologischer Überbau begründen.
Ich bin kein Experte, glaube aber, dass mit vernünftiger Nach-Irak-Politik nach 1991/92 ein Grossteil der al-Qaida-Argumentation gar nicht vorhanen wäre. Sicherlich hätte man dann anderes gefunden - die Nahostpolitik beispielsweise. Aber auch hier bekleckern sich ja alle Seiten nicht mit Ruhm (einschliesslich der Palästinenser).
Will sagen, al-Qaida stösst in eine Lücke eines Unbehagens in der muslimischen Welt hinein, welche ausgefüllt wird. Und zwar ziemlich geschickt. Diese Feststellung rechtfertigt den Terror natürlich nicht.
Wenn ich ein vorläufiges Fazit nach sechs Jahren "Krieg gegen den Terror" ziehen darf: Es ist eine Katastrophe. Dieser "Krieg", den man sich (nicht nur rhetorisch) hat aufzwingen lassen, kann man militärisch nicht gewinnen - weder in Afghanistan noch im Irak. Entweder zerbrechen diese Staaten irgendwann (freiwillig oder nicht) oder sie versinken im Chaos wie beispielsweise Somalia, was als Entität nur auf dem Papier noch existiert. Bin Laden und seine Organisationen kann man nur sinnvoll mit Aussenpolitik bekämpfen; mit Diplomatie. Und nicht mit militärischen Mitteln. Davon sind die USA (als Weltmacht) und auch die EU meilenweit entfernt. Und machen es Bin Laden somit ganz leicht.
Die Koinzidenz der Ereignisse ist tatsächlich reichlich merkwürdig. Warten wir einfach mal ab, wieviel vom Fahndungserfolg in einem halben Jahr noch übrig ist.
Ihr Witz über Wasserstoffperoxid ist herrlich. Weil es keines mehr gab, war Bin Ladens Bart wieder schwarz. Köstlich.
Ich finde den Text...
Nein, genau
Interessant finde ich die Stellen, in der er bspw. den Holocaust als Phänomen der westlichen Kultur (aus der "Mitte Europas") darstellt und dies im Kontext mit dem Genozid der Siedler an den Indianern stellt. Dagegen wird die Besetzung Spaniens gestellt - die retrospektiv betrachtet (auch von kritischen Geistern) als eine Blütezeit des Islam gilt.
Für OBL ist der al-Qaida-Terror kein Terror, sondern nur eine Art legitimer Befreiungskampf; eine Reaktion auf Terror. Er hat ähnliches ja mit den Sowjets in Afghanistan erlebt - hier war man ja von westlicher Seite aus geopolitischen Gründen mit ihm.
Der "Zwangsmissionierung" des Westens (in Form von universalistischen, demokratischen Werten) setzt er die Missionierung durch den Islam entgegen. Das ist natürlich kein Argument mehr, sondern erinnert eher an Sandkastenspiele.
Und für den Al-Quaida-Terror gibt es genauso wenig eine Rechtfertigung, wie für den angezettelten Irak-Krieg der Bush-Administration mit all seiner Barbarei. Ich will damit sagen, dass man über die historischen Zusammenhänge sicherlich diskutieren kann, was ja in den letzten Jahren in vielen Diskussionsrunden auch schon geschehen ist, aber meiner Meinung nach nicht im Zusammenhang mit dieser Botschaft eines gewalttätigen Missionars.
Gefährliches Fahrwasser...
Ich rede auch weniger von Rechtfertigung, als von ersten Ursachen, die eine Lawine der Gewalt ins Rollen gebracht haben. Diese liegen auch im Verhalten westlicher Regierungen. Allerdings - hierauf nimmt Bin Laden in anderen Botschaften Rekurs - nicht nur. Länder wie Saudi-Arabien oder Ägypten (bzw. deren Regierungen) kommen bei ihm sehr schlecht weg, da sie sich mit den "Ungläubigen" eingelassen haben. Hierauf lässt sich von entsprechender Seite (al-Zawahiri et al.) prächtig ein religiös-ideologischer Überbau begründen.
Ich bin kein Experte, glaube aber, dass mit vernünftiger Nach-Irak-Politik nach 1991/92 ein Grossteil der al-Qaida-Argumentation gar nicht vorhanen wäre. Sicherlich hätte man dann anderes gefunden - die Nahostpolitik beispielsweise. Aber auch hier bekleckern sich ja alle Seiten nicht mit Ruhm (einschliesslich der Palästinenser).
Will sagen, al-Qaida stösst in eine Lücke eines Unbehagens in der muslimischen Welt hinein, welche ausgefüllt wird. Und zwar ziemlich geschickt. Diese Feststellung rechtfertigt den Terror natürlich nicht.
Wenn ich ein vorläufiges Fazit nach sechs Jahren "Krieg gegen den Terror" ziehen darf: Es ist eine Katastrophe. Dieser "Krieg", den man sich (nicht nur rhetorisch) hat aufzwingen lassen, kann man militärisch nicht gewinnen - weder in Afghanistan noch im Irak. Entweder zerbrechen diese Staaten irgendwann (freiwillig oder nicht) oder sie versinken im Chaos wie beispielsweise Somalia, was als Entität nur auf dem Papier noch existiert. Bin Laden und seine Organisationen kann man nur sinnvoll mit Aussenpolitik bekämpfen; mit Diplomatie. Und nicht mit militärischen Mitteln. Davon sind die USA (als Weltmacht) und auch die EU meilenweit entfernt. Und machen es Bin Laden somit ganz leicht.