Montag, 3. Mai 2010

Der Mai – ein Wonnemonat?

Vom Wetter her gesehen sicherlich, jedenfalls hier an der Südküste. Aber ansonsten?

Dass die Griechenland-Hilfe als alternativlos angepriesen wird, weil ansonsten die Banken mal wieder zusammenkrachen würden – geschenkt, das kennen wir jetzt schon. Demnächst dann Portugal oder Spanien – alles „Tina“, oder was? Montagabend wird uns die Bundeskanzlerin mit gewohnter Plattitüdenrhetorik beruhigen.

Aber lassen wir das und schauen nach Amerika, an die Südküste. Da klemmt gerade ein Sicherheitsventil und nun wird der ganze Golf von Mexiko mit Öl verpestet und keiner weiß das Loch zu stopfen. Wenn man die BP-Leute vor dem Unfall gefragt hätte, ob so ein Desaster vorstellbar wäre, dann hätte allein der Zweifel an der Technik helle Empörung ausgelöst. In Gorleben aber, oder bei deutschen Kernkraftwerken sind Zweifel an der Technik nun wirklich nicht angebracht, zumindest nach Meinung der jetzigen Regierung. Hinterher, bei der Evakuierung nach einem gravierenden Störfall kommt wieder die bekannte „Tina“ ins Spiel.

Ach ja, der Mai und das größte Desaster steht mir noch bevor. Hilflos muss ich mit ansehen, wie ein Alptraum wahr wird. Der FC Bayern, diese Fußballverein gewordene Zumutung, schafft tatsächlich das sogenannte Triple und nichts kann sie stoppen. Obwohl, vielleicht hat ja Bremen eine genialen Tag im Pokalfinale und vielleicht mischt diese wunderbare Mannschaft von Inter Mailand die Bayern genauso auf wie die scheinbar unschlagbare Truppe aus Barcelona. Viel Hoffnung allerdings habe ich nicht, aber diese stirbt bekanntlich zuletzt.

Apropo sterben, auch im Mai wird in Afghanistan weiter krepiert, sind’s nicht deutsche Soldaten, dann sind’s Afghanen, aber in der nächsten Woche wird man davon kaum was hören, denn die Wahlen in NRW sollen natürlich keine Abstimmung über den Krieg sein. Der ist natürlich auch „Tina“, wie wir wissen, aber es wäre doch zu schön, wenn alle Kriegsgegner wenigstens eine Alternative zu dieser abstrusen FDP herbeiführen würden.
Dann wäre der Mai vielleicht doch noch ein Wonnemonat.

Dienstag, 20. April 2010

„Anne Will“ wird immer besser

Endlich habe ich das Prinzip begriffen. Durch die scheinbare Unausgewogenheit der Gästeliste, immer sind die Vertreter des Kapitals oder die Befürworter von Militäreinsätzen in der Überzahl, macht sich Anne Will unangreifbar. Scheinbar zu einer straffen Gesprächleitung unfähig, erlaubt sie den Vorgenannten sich einem Millionenpublikum in ihrer ganzen ignoranten Unverfrorenheit vollständig zu entblättern.

Letzten Sonntag gelang Anne Will ein ganz außerordentlicher Coup. Zur Einstimmung spielte sie noch mal den schmierigen zu Guttenberg mit seinem ekelhaft-pathetischen „Ja“ auf die angebliche Frage seiner kleinen Tochter ein. Der Videoausschnitt der zu Guttenberg’schen Trauerrede ist ja an heuchlerischer Peinlichkeit kaum zu überbieten und somit war eine gute Grundlage für weitere Peinlichkeiten gelegt.

Schon bald gab sie dem immer fetter werdenden Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel die Gelegenheit, die Gründe für den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr darzulegen. Wir lernten dabei, dass es darum gehe, den Terroristen den Zugang zu Atomwaffen in der Region, aus China, Pakistan, Indien und irgendwelchen ehemals russischen Anrainerstaaten zu verwehren. Da dies von der Raus-aus-Afghanistan-Fraktion (Willemsen/ Gysi) mit einigem Erstaunen, weil brandneu, und einer gewissen spöttischen Heiterkeit hinterfragt wurde, schickte Niebel die seit Jahren bekannte Version vom Befrieden der Region durch Mädchenschulen und Brunnen- und Straßenbau hinterher, das übliche Gewäsch der CDU/FDP/SPD/Grüne-Regierung halt.

Dann durfte der, wegen seiner Irak-Kriegsunterstützung durch genaue Kenntnis der Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein, hinlänglich bekannte Bundeswehr- Hochschulprofessor Michael Wolffsohn seine Hau-drauf und Rein-Raus-und wieder rein- Strategie erläutern. Nun ja, den guten Michael kennt man u.a. aus dem Broder-Umfeld der „Achse des Guten“ und da weiß man natürlich, welch niedriges Niveau man erwarten darf.

Den Höhepunkt aber bildete Kerstin Müller. Die Frau ist außenpolitische Sprecherin der Grünen und eine gnadenlose Verfechterin des Afghanistan-Kriegseinsatzes. Ihrer Argumentation, im geifernden Stakkato vorgetragen, konnte ich leider nicht richtig folgen , irgendwas mit enttäuschten Soldaten und armen, unterdrückten Frauen – ach, eigentlich war’s mir auch egal. Hellhörig wurde ich erst, als sie die „Raus-aus-Afghanistan“-Forderung einer überdeutlichen Mehrheit der Deutschen angesichts der toten Soldaten als „schäbig“ bezeichnete. Aber damit nicht genug. Sie verstieg sich auch noch zu der Behauptung, die 70% der Deutschen, die den umgehenden Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan forderten, spielten dem afghanischen Widerstand in die Hände und seien letztlich schuldig am Tode der Soldaten. Dieser Auffassung schlossen sich Niebel und Wolffsohn nur zu gerne an.

Aha, darauf läuft es jetzt hinaus. Die Neuauflage der Dolchstoßlegende! Wir sind also schuld daran, bewusst oder unbewusst, dass die aufständischen Afghanen deutsche Soldaten töten. Mein Gott, da schäme ich mich aber jetzt. Natürlich nicht für meine pazifistisch Meinung zum Krieg, sondern dafür, dass ich die Grünen bislang für eine im Grundsatz pazifistische Partei gehalten und sie u.a. auch deshalb gewählt habe. Dass die Grünen für mich jetzt nicht mehr wählbar sind versteht sich ja wohl von selbst.

Ganz schön subversiv, die Anne Will.

Freitag, 16. April 2010

Schon wieder 4 und…

…“tiefe Bestürzung in Berlin“. Das schreiben die wirklich bei Tagesschau.de. Bestürzung, dass ich nicht lache. Leichen sind business as usual in einem Krieg, auch in einem umgangssprachlichen. Und zwar auf beiden Seiten, oder hat jemand geglaubt, die Afghanen ließen sich einfach abschießen ohne zurückzufeuern? Ja, sicher, Herr Steinmeier, so eine Rakete auf einen Panzerwagen abgefeuert, ist feige und gemein, wo doch der Panzerwagen im Prinzip nur Patrouille fuhr. Im Prinzip, denn leider ist Baghlan Talibanhochburg und das Gebiet muss gesäubert werden, von diesen Dreckspaschtunen, die nicht einsehen wollen, dass sie nur zu ihrem Besten abgeknallt werden. Für diese Säuberung hat der Panzerwagen eine Kanone.

Der umgangssprachliche Kriegsminister hatte gerade auf dem Rückweg vom Frontbesuch seine Gelfrisur gerichtet , da muss er schon wieder um 180° wenden und neue Leichensäcke abholen. Mal schaun , ob er das nächste Woche oder übernächste auch noch macht, oder ob dann schon ein Linienverkehr für Leichensäcke eingerichtet sein wird?

Ob sich auch diesmal wieder das ganze Politgeschwärl zum „in Dankbarkeit Verneigen“ einfindet, oder ob diesmal die Reihen schon lichter sind? Vielleicht kommt die heuchelnde Bande noch einmal, aber dann ist bestimmt Schluss. Die nächsten Heldenbegräbnisse übernimmt dann der jeweilige örtliche Bürgermeister. Ist ja dann Routine.

Und wenn bei der nächsten Heldengedenkfeier mein ach so bestürzter Kriegsbaron wieder erklärt, ganz Deutschland verneige sich vor den Toten, dann kann er versichert sein, ich verneige mich auch. Aber nicht vor den Toten, die mussten wissen, auf was sie sich einließen. Ich verneige mich vor dem Baron – um ihm vor die Füße zu kotzen.

Samstag, 10. April 2010

Endlich - Trauer um richtige Helden

umgangssprachlich: Heuchler

Trauerfeiern gab es ja schon einige in Afghanistan, aber leider waren die bisherigen Toten der Bundeswehr entweder bei Anschlägen des afghanischen Widerstandes, umgangssprachlich: Terroristen, gestorben, oder bei Verkehrs- und Arbeitsunfällen ums Leben gekommen. Alles nicht so heldenhaft.

Aber jetzt ist es geschafft und das Warten hat ein Ende: Endlich darf sich auch die Bundeswehr mit „richtig“ im Felde gefallene Soldaten schmücken und sofort ist die ganze Polit-Mischpoke vor Ort, heuchelt Betroffenheit, presst sich Krokodilstränen ab und verneigt sich in Dankbarkeit vor diesen, „für die deutsche Sicherheit“, in Afghanistan verreckten jungen Männern.

Die toten Soldaten, bzw. deren Familien, tun mir ehrlich von Herzen leid, erscheint mir doch deren Tod so unglaublich sinnlos, weil es für diesen Afghanistaneinsatz der Bundeswehr natürlich außer dummdreisten, an den Haaren herbeigezogenen Argumenten überhaupt keine
Rechtfertigung gibt. Zu Guttenbergs Gefasel vom „umgangssprachlichen Krieg“ und seine wortklaubenden Erklärungsversuche vor wenigen Tagen sprechen da Bände. In Afghanistan tobt ein Bürgerkrieg und da hat die Bundeswehr nichts verloren.

Und schon wird die mangelhafte Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan beklagt und u.a. für den Tod der Soldaten verantwortlich gemacht. Besonders fehlten Kampfhubschrauber und da ahne ich dann, wie man sich die Bekämpfung der Afghanen in Afghanistan vorstellt. Das
Wikileak-Video aus dem Irak gibt da einen hervorragenden Eindruck. Ob aber die Bundeswehr in Punkto Lässigkeit, Spaß und Verrohung beim Killen den Standard der amerikanischen Freunde je erreichen wird? Aber sicher doch, die Zeit wird’s schon richten, denn ein sofortiger Abzug wäre unverantwortlich, wie man uns ja immer und immer wieder einbläut.

Mittwoch, 7. April 2010

Das Grauen live

Und sage jetzt keiner, das sei doch schon 3 Jahre her. Das ist die Wirklichkeit jenseits aller verlogenen Propaganda, im Irak, in Afghanistan, in Palästina, in Tschetschenien, in…



Die Bundeswehr MUSS sofort raus aus Afghanistan, sofort!

Montag, 5. April 2010

Splashy Fen

Splashy Fen - Das Festival aus der Luft
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(Foto: Splashy Fen Website)

Splashy Fen ist der Name einer Farm am Fuße der Drakensberge und auf dem Farmgelände findet seit 21 Jahren über die Osterfeiertage ein Rock- und Pop-Festival gleichen Namens statt. Ich weiß, ich weiß, ich bin für so was viel zu alt, aber da ich weder in Woodstock dabei war und auch den Schlamm von Fehmarn 1970 nur aus den Erzählungen meines jüngeren Bruders kenne, so wollte ich mir so ein Outdoor- Erlebnis wenigstens einmal im Leben gönnen. Der Wetterbericht sagte für die Region Underberg gutes Wetter voraus und so habe ich einen Schlafsack und warme Kleidung eingepackt und bin am Karfreitag Richtung Drakensberge aufgebrochen.

Das Festival lief schon seit Gründonnerstag und war, als ich am Freitagmittag eintraf, in vollem Gange, d.h. die riesige Farmwiese war, soweit das Auge reichte, mit Zelten und Autos belegt und ich fand für meinen Tazz nur einen Platz am unteren Ende des ansteigenden Areals. Auf ein Zelt hatte ich verzichtet, weil ich mir vorgenommen hatte, im Auto zu übernachten. Dadurch brauchte ich nach Ankunft nur die Autotüre zu schließen und konnte mich dann sofort an den Anstieg zu den großen Musikzelten oben am Hang machen. Ich betone hier den Anstieg, denn diese Wiese ist lang, geschätzt ca. 1km immer stetig bergan, die Sonne brannte nur so vom Himmel und ich habe diesen Weg am Freitag 4 x hin und zurück bewältigt. Das schlaucht, aber am oberen Ende wird man durch ein großes Bierzelt, Fressbuden aller Art, Kunsthandwerk- und Souvenirstände und natürlich ununterbrochene Rockmusik belohnt.

Splashy Fen 
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(Foto: Splashy Fen website)Splashy Fen CampgroundSplashy Fen - Campground and FansSplashy Fen - Firewood transportSplashy Fen - Made in Germany

Ab 12 Uhr bis Mitternacht jeden Tages spielen auf 2 Bühnen ausschließlich südafrikanische Bands, deren Qualität und Professionalität sich mit fortschreitender Tageszeit steigert. Die Bands wechseln auf der kleinen Bühne halb- und auf der großen Bühne stündlich, 5 Tage ohne Wiederholung und nach Einbruch der Dunkelheit wird es in den Zelten richtig voll. Dann verändert sich die bei Sonnenschein gemütliche Campingplatzatmosphäre mit Musikbeschallung in die exstatische Begeisterung großer Rockkonzerte.

Splashy Fen - Große Bühne tagsüberSplashy Fen - FoodstallsSplashy Fen - Rock at night
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(Foto: Splashy Fen website)Splashy Fen - let it rock
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(Foto: Splashy Fen website)Nebelbänke

Ursprünglich wollte ich 2 Tage dort bleiben, aber meine großartige Idee, im Auto zu übernachten war letztlich doch nicht so toll. Gefroren habe ich nicht, aber so ein Liegesitz im Toyota Tazz ist nur bedingt bequem. Jedenfalls liegt ein Bein, welches man nicht richtig ausstrecken kann, wenn die Krümmung ungemütlich wird, auch bei Verlagerung aufs Armaturenbrett oder aufs Lenkrad nicht wesentlich komfortabler. So war ich dann froh, als die Morgendämmerung den nächsten Tag soweit erhellte, dass ich zur Rückfahrt aufbrechen konnte. Die in der frühen Morgenstunde durch Herbstnebel verzauberte Vorgebirgslandschaft ließ mich die Tortur der vergangenen Nacht rasch vergessen und schließlich freuten sich auch Frau Blackconti und Olga, als ihr Rockopa wieder wohlbehalten an der Küste eintraf.

Vorgebirge mit Nebel

Sonntag, 4. April 2010

Das ist jetzt nicht mehr lustig!

Eugene Terre´Blanche ist tot. Gestern wurde er von zwei jungen, schwarzen Farmarbeitern auf seiner Farm erschlagen, dem Vernehmen nach wegen Lohnstreitigkeiten. Die mutmaßlichen Täter wurden schnell festgenommen und Mordanklage wurde erhoben.

Eugene Terre´BlancheIch hatte Terre´Blanche hier schon mal vorgestellt, weil eine gewisse (äußerliche!) Ähnlichkeit mit mir nicht zu leugnen ist, was manchmal zu komischen Verwechselungen führte. Politisch war Terre´Blanche nur noch ein Fossil und die AWB (Afrikaner Weerstandsbeweging) nur noch eine bedeutungslose Vereinigung ewiggestriger Holzköpfe. Die politische Bedeutung wird sich wohl nicht ändern, aber da die AWB nun dazu aufruft, Terre´Blanche’s Tod zu rächen, kann es bald heiter werden in Südafrika.

Julius MalemaZwar mahnt Südafrikas Präsident Jacob Zuma dringend zur Ruhe, aber auf ein präsidiales Machtwort gegen den fortwährend mit einer merkwürdigen Gewaltrhetorik polemisierenden ANC-Youth-Leader Julius Malema wartet man seit Monaten vergebens. Im Gegenteil, Malema singt öffentlich: „Kill the Boers (tötet die Buren)“ und Zuma verteidigt Malema gegen Proteste mit der Erklärung, das Lied sei Teil traditioneller schwarzafrikanischer Kultur.

Noch ist hier alles ruhig und die Stimmen, die zur Vernunft und gegen romantisierte Gewalt mahnen, sind weit in der Überzahl, bei Weißen und Schwarzen. Aber die Spannungen nehmen zu und Wetten auf eine positive Zukunft Südafrikas werden immer riskanter.

Samstag, 3. April 2010

Hau den Bischof II

Ich hatte vorher schon rhetorisch gefragt, ob Exzellenz noch bei Sinnen sei. Er ist es offensichtlich nicht. Bischöfliche Gnaden Walter Mixa erinnert sich nicht mehr an seine früheren Heimkinder und das ist sogar anzunehmen. Wenn er aber daraus schließt, das demzufolge auch seine früheren Zöglinge sich nicht mehr an ihn erinnern würden, und so argumentiert er, so ist ihm wahrlich nicht mehr zu helfen.
Mein Konfirmationspastor, der mich zu Zeiten mit lockerer Hand Mores lehrte, hat sich schon nach 25 Jahren nicht mehr an mich erinnert. Ich aber vergesse den brutalen Kerl, hoffentlich hat ihn der Teufel geholt, bis heute nicht. Wie sollte also ein geprügeltes Heimkind sich eines solchen „Erziehers“ wie Stadtpfarrer Mixa , dessen Karriere es dann im Fernsehen verfolgen kann, nicht erinnern? Eine göttliche Logik, Hochwürden!

Tief im Süden

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