Montag, 19. Januar 2009

Wahlabend - schwer verdaulich

Thevessen1Andrea Ypsilanti war bereits seit einer Stunde zurückgetreten und das erste Aufjaulen über ihr trotziges „Ich resigniere nicht!“ verebbte langsam, bzw. wurde durch die geradezu lächerliche Frage ersetzt, ob der Rücktritt nicht besser früher hätte erfolgen sollen, da mutierte der sonst geheimnisvoll raunende „Terrorismusexperte“ des ZDF, Elmar Theveßen, zum stellvertretenden Chefredakteur und kommentierte das Hessen-Wahlergebnis: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, dozierte er und meinte damit natürlich Andrea Ypsilanti, denn bezüglich der Wahrheitsliebe des wiedergewählten Roland Koch hatte Theveßen gerade eine schwere Amnesie befallen. „ Die Linke mag zwar 2008 für manche Hessen glaubwürdig erschienen sein, aber das ist nun vorbei..“ auch das weiß Theveßen genau, obwohl die Linke fast das gleiche Ergebnis wie 2008 erreichte und analysiert dann messerscharf den 16% -Erfolg der FDP: „Weil sich die Glaubwürdigkeit auszahlt.“

Nun habe ich kein Problem damit, dass Theveßen die Linke nicht mag, aber dieser, mit Biedermannsmiene daher kommende Kampagnenjournalismus geht mir mehr und mehr auf den Keks. Das „Wortbruch“-Trommelfeuer aller Mainstreammedien gegen Ypsilanti galt einzig der Verhinderung einer, wie auch immer gearteten, Regierungsbeteiligung der Linken und es hat funktioniert, Glückwunsch!

Und da passt es dann auch wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet die FDP zum bejubelten Wahlsieger wird, die seit Menschengedenken „Rückzug des Staates“ und „Deregulierung“ fordert - in der momentanen wirtschaftlichen Schieflage ganz sicher das probate Sanierungskonzept. Glaubwürdigkeit der FDP? Also, das wäre mir als Letztes eingefallen, darauf muss man erst mal kommen.

Genug gehört, zappen wir mal zur Anne Will.

RuettgersAch du meine Güte, da hockt ja schon wieder der Riesenwirtschaftsfachmann Jürgen Rüttgers. Der durfte doch erst vor 3 Tagen bei Maybritt Illner dem Gregor Gysi ungerügt übers Maul fahren und ahnungsloses Gequassel vorwerfen. Und man glaubt es nicht, jetzt darf er’s schon wieder, das schiefe Maul zum Sprachfehler verzogen. „Gefasel“, „Gequassel“, „von Wirtschaft keine Ahnung“, so reagiert Rüttgers auf jede noch so harmlos-kritische Anmerkung. Rüttgers ist dermaßen begeistert von der Wucht seiner Argumente, dass er der Sarah Wagenknecht unmissverständlich erklärt: „Wir wollen Ihren Kommunismus hier in Deutschland nicht!“ Und da er im Moment wohl vergessen hatte, dass es die DDR nicht mehr gibt und er wohl merkte, dass sich sein Spruch so anhörte wie: Geh doch nach drüben, wenn’s Dir hier nicht passt, so schob er schnell noch ein „ in ganz Deutschland!“ nach. Ja, solche, ein Leben lang antrainierten Reflexe funktionieren auch nach fast 20 Jahren noch.

seebacher12Leider kann man ja Willy Brandt nicht mehr befragen und was er an solch einer Gewitterziege wie der Brigitte Seebacher-Brandt gefunden hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Eigentlich will ich’s auch gar nicht wissen, denn ein freundliches Wesen oder ein gewisses Maß an Intelligenz kann’s nicht gewesen sein. Dem Hilmar Kopper übrigens gönne ich diese Schreckschraube von Herzen. Allein die Stimme...Gottgütiger.



Friedmann1

Zur Abrundung eines gelungenen Wahlabends trug dann natürlich noch Michel, Verzeihung, Michél Friedmann bei. Allerdings waren die Ausführungen dieses öligen Fachmanns für Fragen der Moral und 2. Chancen über genau diese Themen so schwer verdaulich, dass sich mein Magen.....Mein Gott, mir wird schon wieder schlecht!

Dienstag, 13. Januar 2009

Olgas Welt (3)

Hier bin ich wieder und der Grund
Ist der gleiche – ich als Hund
muss immer dann mit ein paar Bildern
mein Leben tief im Süden schildern,
wenn Herr Blackconti , faul und satt,
einfach nix zu bloggen hat.

Olga jagt Krabben




















Gut , sei’s drum, ihr seht mich hier
bei der Jagd auf Strandgetier.
In den Löchern tief im Sand
haust die Krabbe hier am Strand.
Ich riech am Loch, dann buddle ich,
weit fliegt der Sand dann hinter mich.

Den Kopf im Sand , bis über’n Hals,
die Krabbe fürcht’ sich keinesfalls.
Sie droht mir, zeigt mir ihre Scheren,
bereit sich meiner zu erwehren.
Ich schnapp nach ihr und werf sie hoch,
das Schalentier entkommt jedoch.
Eilt im Krebsgang flugs zum Was-
ser, weg ist es und ich bin nass.

Dienstag, 6. Januar 2009

Alle Jahre wieder - Krieg im Nahen Osten

Es ist immer das selbe Grundmuster. Ein paar lächerliche Nadelstiche seitens der Palästinenser, meistens sogar als hilflose Reaktion auf israelische Überheblichkeit und schon erklärt Israel sein Recht auf Selbstverteidigung und lässt seine hochgerüstete Armee von der Leine. Schossen die einen mit, aus Ofenrohren und Luftpumpen, gebastelten „Raketen“ ungezielt über die illegale Sperrmauer, so zeigt die israelische Luftwaffe den Palästinensern nun einmal wie Raketenbeschuss richtig geht, fast gezielt und mit ordentlicher Sprengkraft versehen. Da sitzt jeder Schuss, da gibt’s nicht nur ein kleines Loch im Dach des Häuschens, da gibt’s kein Haus mehr, da ist nur noch ein rauchender Trümmerhaufen und der Kindergarten oder die Schule nebenan gleich mit. Und da solch ein Bombardement die frei gewählte „radikal-islamische“ Hamas- Regierung, bzw. „Terrororganisation“ nicht in die Knie zwingt, so werden folgerichtig Invasionstruppen ins Flüchtlingslager geschickt, um die „radikal-islamische“ Hamas-Lagerleitung auszuschalten, besser gesagt , zu liquidieren. Nichts Neues also im Nahen Osten und keine Lösung in Sicht, es sei denn, man ermöglichte den Flüchtlingen aus Gaza die Rückkehr. Illusorisch, ich weiß, aber ich bleibe dabei.

Gott sei Dank findet man heute neben der üblichen israelfreundlichen Berichterstattung ab und zu auch die ein oder andere objektive Stimme.
Der Kommentar von Carsten Kühntopp gehört dazu.

Dass Frau Merkel sofort nach Beginn des israelischen Bombardements krähte: „Die „radikal-islamische“ Hamas hat angefangen!“ verwundert natürlich nicht, denn zu gerne erinnert man sich an Merkels eilfertigen Besuch im Arsch von G.W. Bush zu Beginn des Irakkrieges. Und noch eins ist bezeichnend: Als vor wenigen Monaten die russische Armee den georgischen Angriff auf Südossetien ziemlich brutal beantwortete, da konnten sich Merkel und Konsorten über die Unverhältnismäßigkeit der russischen Gewalt kaum einkriegen vor Empörung. Auf Empörung über unverhältnismäßige Gewalt der Israelis wird man vergebens warten.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Gerechtigkeit?

Ob es daran lag, dass heute Weihnachten ist? Jedenfalls fiel die Strafe für die alkoholisierte Autofahrt vom vergangenen Freitag sehr milde aus. 500,-- Rand ( ca. 40 Euro), meinte die Richterin, seien wegen der geringfügigen Überschreitung des Limits angemessen und dem wollte ich nun nicht unbedingt widersprechen. Wir haben uns dann mit gegenseitigen guten Wünschen zu Weihnachten und fürs Neue Jahr verabschiedet, ich habe an der Gerichtskasse noch 500,--Rand ausbezahlt bekommen, die Differenz zur Kaution von 1000,--Rand, und das war’s.

Muntazer al-ZaidiNun las ich gerade, dass dem braven irakischen Fernsehmann Muntazer al-Zaidi für seine, leider erfolglosen, Schuhwürfe auf den unsäglichen US-Präsidenten G.W. Bush eine Haftstrafe von 5 - 15 Jahren droht. Das nenne ich nun wirklich Gerechtigkeit: Für Schuhe werfen gibt’s langjährige Haft, für’s Anzetteln eines widerrechtlichen Angriffskrieges mit Tausenden von Toten und Verkrüppelten, für die Verwüstung und Destabilisierung ganzer Landstriche und Nationen, für’s Lügen und Betrügen gibt’s zum Abschied, nein nicht wenigstens einen Arschtritt, sondern eine Ehrenformation und eine fette Pension.

Mein Held Muntazer al-Zaidi soll mit Kopfverletzungen und einem gebrochenen Arm im Krankenhaus liegen und kann somit leider nicht mehr werferisch tätig sein. Unter dieser Adresse besteht nun aber für jeden die Möglichkeit „richtig“ zu treffen. Zum Zeitpunkt meiner Verlinkung sind weltweit schon 59.234.309 Volltreffer gelandet worden und es werden minütlich mehr. Richtige Bemerkung auf der Website: Well done!

Komme mir nun keiner mit weihnachtlichem „Frieden auf Erden“. Das gilt ausweislich der Bibel nur für diejenigen, die guten Willens sind. Bush ist genau das nicht.

Montag, 22. Dezember 2008

Fröhliche Weihnachten

santa2l-klgod-JulI love rock'nroll

Falls jemand "Fröhliche Weihnachten" in der Sprache der Cherokee oder Cheyenne, der Rapa-Nui oder Eskimos versenden möchte, so kann er hier nachschauen .

Stimmt genau. Das hier ist eine Kopie des Postings vor 3 Jahren, aber dahinten schaut sowieso keiner mehr rein und, erstaunlicherweise, der Link funktioniert noch immer.

Meine Weihnachtsgeschichte

„0.34 - that’s illegal!“ meinte der Officer mit bedauerndem Gesichtsausdruck, nachdem das Draeger-Atemanalysegerät ratternd den Wert meines Alkoholgehalts in der Atemluft ausspuckte und nun, das ist mir sofort klar, würde die übliche Prozedur abgespult. Ab in den Knast. Freitagnacht, ca. 1 Uhr, und auf dem Rückweg vom Pistol’s hat die Polizei eine Straßensperre eingerichtet, direkt an der Autobahnausfahrt, dort wo bisher noch nie eine Kontrolle aufgebaut war und jetzt hat’s mich erwischt.

Der Schwager versucht noch zu verhandeln, aber das ist vergebliche Liebesmüh. Diesmal macht die Polizei Ernst und hat am 1. Ferienwochenende alle Ausfallstrassen aus Margate blockiert. Der Schwager, da ebenfalls über dem Limit, darf das Auto auch nicht weiterfahren und so müssen die Frau Blackconti und die Schwägerin aus dem Schlaf telefoniert werden. Ich darf mich derweil schon mal in dem Toyota-Pick-up einrichten, hinten, im zum Gefangenentransport verschließbaren Teil, wo bereits sieben weitere Delinquenten hocken, die, wie ich wohl auch, ziemlich bedröppelt dreinschauen. Stickig ist es und geradezu eine Wohltat, als der Wagen sich in Bewegung setzt zum kurzen Transport zur Polizeistation in Margate.

War der Ton der Beamten bisher sehr höflich, so ändert sich das mit dem Verlassen des Transportvehikels schlagartig. Jetzt wird im Kommandoton zur Eile gemahnt, in die oder jene Richtung dirigiert und letztendlich lande ich in einer gitterbewährten Zelle, ca. 2 x 7 Meter, in der sich bereits einige Menschen befinden und nun sind es mit mir 17 Leute. Eine Sitzbank bietet Platz für 6-7 Menschen, der Rest steht, mehr oder weniger dicht, oder lehnt an den Wänden. „Freilassung gegen Kaution frühestens nach 4 Stunden,“ hieß es an der Kontrollstelle und das bedeutete nun, dass Frau Blackconti oder sonst wer so gegen 6 Uhr morgens mit der Kaution eintrudeln sollten. Dass diese Zeit lang werden würde, war schon nach dem ersten Blick auf die Uhr klar, da sich die gefühlte Stunde gerade mal als 10 Minuten erwies.

Müdigkeit setzt ein, aber auf den total versifften Fußboden setzen? Nein, das scheint ausgeschlossen. Die Luft in der Zelle ist zum Schneiden, Lüftung Fehlanzeige. Meine Mitgefangenen, 10 Schwarze, 5 Weiße und 2 Inder, schwitzen genau wie ich und langsam entwickelt sich ein, milde ausgedrückt, ziemlich strenger Geruch, wozu ein Klo in der Ecke noch das Seinige beiträgt.

Nach ungefähr einer Stunde werde ich, wie vor mir schon andere, aus der Zelle geholt zur erkennungsdienstlichen Behandlung. Welche Wohltat nach der Steherei! Name, Adresse usw. und dann die Fingerabdrücke. Fingerabdrücke, von allen Fingern einzeln, von der Faust, rechts und links, von den Fingern gemeinsam , natürlich rechts und links und dann von beiden Handflächen. Die sind nun total schwarz von der Stempelfarbe und nirgends gibt es Wasser, oder ein Tuch, oder wenigstens ein Stück Papier zum Abwischen. Egal, schon werde ich wieder in die Zelle gescheucht, wo sich dann eine gewisse Lethargie einstellt. Ich habe Durst, aber da gibt’s nichts und so sacke ich, Dreck hin, Dreck her, langsam zu Boden, um endlich etwas bequemer, sitzend vor mich hin zu dämmern. Noch eine Stunde bis 6 Uhr und die wird jetzt auch noch vergehen.

Es ist 6 Uhr und ich werde unruhig, weil nichts passiert. Hey Frau Blackconti, hey Schwager, wo seid ihr? Diese Frage stelle ich auch via Handy und erhalte die schockierende Auskunft, dass es wohl noch bis 10 Uhr dauern dürfte, bis man mich rauslassen würde. Nun, mindestens 4 Stunden hat man mir gesagt, mindestens, und da darf es verständlicherweise auch ein wenig mehr sein. Meine Enttäuschung geht nahtlos in Apathie über, denn jetzt sind ein paar Stunden mehr oder weniger eh schon Wurscht. Dreckig bin ich, stinken tu ich und langsam setzt bei mir ein Denkprozess ein. Irgendwie bin ich an meiner Lage ja wohl selber Schuld und möglicherweise könnte ich aus der Situation ja auch etwas lernen, z. B., dass ich unter Alkoholeinfluss nicht Auto fahren darf.

Zum guten Schluss hat man mich dann um 9 Uhr gehen lassen unter der Auflage, dass ich am 24. 12. (Toll, Heilig Abend!) um 8.30 Uhr in Ramsgate vor Gericht erscheine, wo man mich dann zu einer Geldstrafe von 2.500,00 Rand verurteilen wird. Nun denn, Frohe Weihnachten!


Frau Blackconti und ich haben lange diskutiert, ob ich das hier erzählen sollte oder nicht. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Noch schöner wär’s gewesen,...

...wenn er ihn voll in die ewig grinsende Fresse getroffen hätte, jener beeindruckend mutige Journalist aus dem Irak, dessen Schuhe den amerikanischen Präsidenten nur Dank dessen ebenfalls verblüffenden Wendigkeit knapp verfehlten.
Um meiner Enttäuschung entgegen zu wirken und gleichzeitig meine Wut auf diesen ausgemachten Widerling, gemeint ist Bush, nicht der Journalist, noch etwas zu befeuern, habe ich die Multimediafunktionen meines Computers genutzt, um mir aus den einschlägigen Versatzstücken ein eigenes Shoe-Attack-Video Thank-you-Mr-President (wmv, 2,487 KB)zu basteln. In schönster Agitpropmanier und siehe da, bei mir wirkt das Filmchen, besonders wenn man den Ton schön laut stellt. Jedenfalls möchte ich sofort mitwerfen.

Montag, 8. Dezember 2008

Privatisierung und Regulierung – eine Erfolggeschichte

"Die Bundesnetzagentur prangert die Mängel in der Briefzustellung der Deutschen Post an und droht dem Bonner Konzern mit Konsequenzen.“ Schreibt die SZ in einem Artikel mit dem Titel „Die Post kommt – vielleicht“ über sich häufende Beschwerden wegen verzögerter Postzustellung. Huch – vor diesen Konsequenzen wird sich die Post AG aber fürchten. Wahrscheinlich genauso sehr, wie die Gasversorger vor dem Kartellamt. Mit Krokodilstränen in den Augen zahlen die Gasversorger nun jedem Verbrauer 50,-- Euro zurück, nachdem sie vorher, das darf man getrost unterstellen, ein Vielfaches durch abgesprochene Wucherpreise ergaunert haben. Selbstverständlich wurden die kartellrechtlichen Verfahren sofort und konsequent eingestellt. Von juristischer Überprüfung mit strafrechtlichen Konsequenzen ( evtl. Betrug?)wird selbstverständlich auch abgesehen.

Nur so nebenbei: Inzwischen ist der Ölpreis, an den der Gaspreis ja gekoppelt ist, wie uns allabendlich zu Zeiten der steigenden Ölpreise eingebläut wurde, in rasanter Talfahrt abgestürzt. Die Gaspreise erstaunlicherweise aber nicht, ja sie sollen sogar noch steigen, und von der Koppelung an den Ölpreis ist nichts mehr zu vernehmen. Aber was rege ich mich auf? Die Regulierer tun’s doch auch nicht.

Erinnert sich noch jemand daran, dass bei Einführung des Privatfernsehens von den Regulierern genau vorgeschrieben war, dass ein Spielfilm von 90 Min. nur einmal durch Werbung unterbrochen werden durfte? Durch die Werbeunterbrechung dauerte der Film dann aber länger als 90 Min. und so konnte man ihn halt zweimal unterbrechen, wodurch der Film noch länger wurde und noch öfter zerhackt werden durfte. Mittlerweile besteht im Privat-TV ein 90-Minuten-Film nur noch aus Schnipseln und dauert gut und gerne 3 Stunden. Die Regulierer, in diesem Fall die Landesmedienanstalten, haben das alles augenzwinkernd durchgewinkt.

Wer sieht nicht gerne das anrührend hilflose Grinsen des Bundesverkehrsministers beim Versuch, seinen Angestellten Mehdorn zum Einlenken zu bewegen, sei es beim Lokführerstreik oder bei Fragen der Boniausschüttung. Wer schaut dem Bundeswirtschaftsminister nicht gerne beim Schlafen zu und wer wollte einem „kleinen Finanzminister aus der Provinz“ ( Originalton Kurt Faltlhauser) vorwerfen, er wäre seiner Kontroll– und Aufsichtspflicht bei der Bayern-LB nicht nachgekommen, wenn doch selbst erfahrene Finanzmanager nicht mehr durchgeblickt haben. Warum jemand, der eingestandenermaßen keine Ahnung hat, in Kontroll- und Aufsichtsgremien sitzt, kann der wahrheitsgemäß eigenlich nur mit drei Worten beantworten: "Wegen der Kohle."

Nun, lassen wir die Vergangenheit ruhen, denn bald wird alles besser. So wie die öffentlichen Lautsprecher gestern noch „Deregulierung!“ schrieen, so fordern sie heute vehement: „mehr Regulierung“. Ein paar Pöstchen mehr sind dann auch wieder zu besetzen und wir Zuschauer sollen uns beruhigt zurücklehnen. Diesen Regulierern dürfen wir wirklich alles zutrauen, nur vertrauen dürfen wir denen nicht.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Autogrammstunde

Jetzt kommen sie wieder, die bulligen Männer mit ihren ebenso bulligen Frauen und Kindern, die typischen Buren aus dem Inland, denn jetzt beginnt hier die Urlaubszeit. In spätestens 2 Wochen sind alle Ferienwohnungen ausgebucht und dann umweht uns wieder ganztägig der Rauch der Holzkohlengrills vermischt mit dem anziehenden Duft gebratener Steaks. Diese Buren sind freundliche Menschen und zu mir sind sie besonders freundlich, ja geradezu enthusiastisch, wenn sie mich erkennen. „Eugene! Eugene Terre’Blanche!“ schallt es von der Sonnenterrasse oder vom anderen Ende der Bar und es hat längere Zeit gebraucht, bis ich merkte, dass ich gemeint war.

Nun kenn ich das schon seit einigen Jahren und ungezählt sind die Drinks, die mir spendiert wurden, weil ich wohl, peinlich ,peinlich, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Oberrassisten und Burenwiderstandsführer Eugene Terre’Blanche aufweise, den ich vor den ersten Schulterklopfern gar nicht kannte. Hier zum Vergleich:

Eugene Terre'Blancheit's me

Nun ja, mit viel gutem Willen!

Aber mit dem politischen Credo dieses „Führers“ habe ich nun wirklich nichts gemein. Allerdings verblüfft mich die Popularität dieses Mannes bei den Buren immer wieder. Da an mich in meiner Eigenschaft als Eugene-look-alike ab und zu auch schon mal Autogrammwünsche gerichtet wurden, werde ich mir wohl für diese Saison einen Stapel Autogrammkarten basteln und jeden Tag am Margate Mainbeach zum Sundowner eine Autogrammstunde abhalten. Einen Südwester-Hut habe ich mir schon zugelegt und der Bart wird in den nächsten Wochen natürlich nicht gestutzt.

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