Sonntag, 4. März 2012

A perfect Day

Mueller-Boateng-2Ein Bundesligaspieltag ist erfreulich, wenn Bayer Leverkusen gewinnt. Klar, nicht für jeden und auch für mich nur wirklich, wenn die Werkself ein Mindestmaß an spielerischer Klasse erkennen lässt. Davon war über weite Strecken dieser Saison kaum etwas zu sehen und deshalb hat sich im Leverkusener Umfeld erheblicher Unmut angestaut. In den letzten Wochen aber geht es sichtbar aufwärts und der gestrige Samstag hat die Stimmungslage schlagartig ins Positive verkehrt.

Wie schon gesagt, ein Spieltag mit einem Bayer-Sieg ist erfreulich, aber unabhängig davon ist es noch befriedigender, wenn der FC Bayern verliert, eigentlich egal gegen wen. Wenn aber die Bayern gegen Bayer verlieren, dann ist das für mich der perfekte Genuss, weil dann die Schadenfreude das Hochgefühl noch potenziert. Gestern war endlich mal wieder so ein Spieltag. An den bedröppelten Mienen von Hoeness, Rummenigge und sonstigen Münchener Erfolgsopportunisten konnte ich mich gar nicht satt sehen. Schade nur, dass ich dem feisten Focus-Markwort, der sich in der Münchener Arroganz-Arena immer so medienwirksam eine Sitzreihe unterhalb der Bayernvorstände pelzt, nicht beim Knatschen zuschauen konnte.

Ich will kein Wort über die ersten dreißig Minuten des gestrigen Spiels verlieren. Da hätte es gut und gerne 3 oder 4 : 0 für die Bayern stehen können, weil Bayer erst mal wieder Kaninchen spielen musste. Schwamm drüber, denn als die Werkself dann bemerkte, dass sie zur Abwechslung ja auch mal Schlange sein könnte, da war es mit der Münchener Herrlichkeit schnell vorbei und die 2. Halbzeit war das Beste, was uns die Werkself in dieser Saison geboten hat.

Nie wieder werde ich ein böses Wort, eine hämische Stichelei oder Ähnliches gegen Robin Dutt fallen lassen, denn ein Bayernbesiegertrainer ist in Leverkusen eine äussert seltene Spezies und den muss man loben und ehren, der kann nur gut sein. Dutt hat für mich von nun an Narrenfreiheit. Allerdings nur bis nächsten Samstag gegen Wolfburg, dann ist wieder Schluss mit lustig. Und am Mittwoch erwarte ich jetzt auch einen 3 : 0 Sieg in Barcelona. Für wen? Egal, meinetwegen auch für Barca. Meine Freude über den Sieg gegen die Bayern kann zumindest in dieser Woche durch nichts erschüttert werden.

Samstag, 25. Februar 2012

Ab nach Shanghai

Heute muss ich unbedingt mal Reklame machen für ein außergewöhnliches Weblog.
Unter dem Titel „Ab nach Shanghai“ berichtet Jürgen Müller, ein Zahnarzt im Ruhestand und alter Tennis- und Golfkumpel aus Gröbenzeller Zeiten, über seinen Chinatrip. Nun hört sich das wenig spektakulär an, Hinz und Kunz fliegt heutzutage schnell mal nach China, aber Jürgen Müller fliegt nicht, er ist mit dem Fahrrad unterwegs, seit 6 Tagen und z.Zt quält er sich über schneebedeckte Berge in Nordgriechenland.

J-M-in-Greece

Mittels I-Pad füttert Müller täglich sein Blog und wenn man dazu noch Google-Earth einschaltet, dann ergibt das für uns Couch-Potatos ein fast Live-Erlebnis. Hoffentlich bleiben Strom- und Internetversorgung lange erhalten. Bei Transitstaaten wie Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan usw. muss man wohl von Zeit zu Zeit mit Lücken rechnen. Die ersten Berichte aber machen wirklich Lust auf mehr und so kann ich uneingeschränkt empfehlen, Jürgen Müller bei dieser außergewöhnlichen Reise zu begleiten.

Dienstag, 21. Februar 2012

Gauckelei – jetzt sind es schon zwei

Bildrechte bei Tageschau.deDie Kabarettistin Christine Prayon frotzelt: "Gauck findet Hartz IV prima, Occupy albern, Sarrazin mutig und die Entscheidung, aus der Atomkraft auszusteigen, gefühlsduselig. Was lernen wir daraus? Aus der Kernkraft auszusteigen schützt leider nicht vorm Super-Gauck."

Dass die FDP so einen ganz toll lieb hat, wird niemanden verwundern und die kolportierten Bauchschmerzen der CDU bei der Zustimmung sind eher simuliert. Die SPD nach dem „Warum?“ zu ihrem Vorschlag zu befragen, ist müßig, denn die einzig ehrliche Antwort: „Wir wollen der hochverehrten Frau Bundeskanzlerin signalisieren, dass die SPD in der nächsten Regierung ein verlässlicher Juniorpartner sein wird!“, werden wir nicht erhalten. Gut, tiefer als die SPD kann man sowieso nicht mehr sinken, aber man kann noch blöder sein. Die Grünen beweisen es.

Da wetteifert der Vorsitzende Trittin mit Springers Frieda um das Urheberrecht des Gauck-Vorschlages, seinerzeit, vor der Wulff-Wahl. War das damals, im Verein mit der SPD, noch ein nachvollziehbares, taktisches Manöver, so muss man diesmal fragen, ob die Grünen noch bei Sinnen sind. Die oben von der Kabarettistin verkürzt und natürlich überspitzt dargestellte Positionierung Gaucks steht doch im krassen Gegensatz zu den, zumindest programmatischen, Vorstellungen der Grünen. Taktisch ergibt der Vorschlag auch keinen Sinn, es sei denn, man erhofft sich mediale Anerkennung von den Schmierlappen der Bildzeitung. Aber lassen wir auch das, nach dem Saar-Jamaika wissen wir ja, dass den Grünen nix zu blöd ist. Übrigens, die FDP hatte auch mal 16 % - ist noch gar nicht so lange her.

Einfach grässlich aber ist es mit anzusehen, wie ein Grundelement der Demokratie, die dauernde Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition, ausgezehrt und nahezu stillschweigend durch den alternativlosen Konsens ersetzt wird. Unsere hochverehrte Frau Bundeskanzlerin schwebt mittlerweile sakrosankt über den Niederungen ihrer eigenen Dämlichkeiten, für jede noch so rasante 180-Grad-Wende von willfährigen Vasallen bejubelt. An ihre schönste Volte, vor gerade mal gut 20 Jahren, ihrer blitzartigen Wandlung von der strammen FDJ-Sekretärin zur Kohlschen CDU-Trulla erinnert sich kaum noch jemand. Wendehälse gibt es nur bei den Linken. Heute gehört die hochverehrte Frau Bundeskanzlerin in der öffentlichen Wahrnehmung zum christdemokratischen Urgestein und über eine direkte Abstammung vom Urkanzler Adenauer wird bereits gemunkelt. Immer wieder reißt sie das Parlament zu Beifallsstürmen hin, wenn sie sich mit leuchtenden Augen auf ihren verehrten Lehrmeister Prof. Ludwig Erhardt beruft, um ihre wirtschaftspolitische Kompetenz zu unterstreichen. Fasziniert hängen wir an ihren Lippen, wenn sie Geschichten aus den Anfängen der Bundesrepublik, von den tollen Jahren des Wiederaufbaus und vom Wirtschaftswunder erzählt. Zur Zeit erleben wir offenen Mundes staunend ihr Meisterstück. Durch ihre Liaison mit Zwerg Nase ist die hochverehrte Kanzlerin noch einmal aufgeblüht, ist noch schöner, noch mächtiger geworden und wie sie jetzt mit sicherer Hand erst Griechenland und nebenbei, ganz subtil, Schritt für Schritt, fast unmerklich, aber zielstrebig das bislang gute Verhältnis zu den europäischen Nachbarn ruiniert, das macht ihr in so kurzer Zeit keiner nach.

Jetzt wird also auch das höchste Staatsamt von so einem merkwürdig Gewandelten besetzt, denn Gaucks Widerstandsvita begann auch erst, als die DDR schon in den letzten Zügen lag und der Widerstand massentauglich und ungefährlich war. Vorher lebte er unauffällig als Pfarrer, allerdings privilegiert – mit Stasikontakten und Westreiseerlaubnis. Das stört mich wirklich nicht, aber wenn sich solche Leute dann plötzlich zum Sprachrohr des Wirtschaftsliberalismus machen, Kritik an Finanz- und Wirtschaftssystem für albern halten und mir/ uns als moralische Instanz vorgesetzt werden, dann regt sich bei mir ein echter Widerwille.

Zum Schluss ein Original-Gauck im SZ-Interview von 2010:

Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzählen soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt.

Klar, auf den naheliegenden Gedanken, das er seinen Fahrer evtl. zu niedrig entlohne…? Ach nein, das wäre von so einem Freiheitsenthusiasten sicher zu viel verlangt.

PS: Wer jetzt noch nicht genug Gauck-bashing hat dem empfehle ich diese Kolumne. Polemic at it's best!

Sonntag, 19. Februar 2012

Aufschlussreich!

Das Horn von Afrika ist eine gefährliche Gegend, zu Lande und auch zur See. Somalia ist ein Land, dass durch seit Jahrzehnten währende Stammes- und Bürgerkriege jegliche staatliche Ordnung verloren hat. Warlords, Gangster- und Piratenbanden herrschen und bestimmen das Leben der bettelarmen Bevölkerung. Das alles würde die Weltöffentlichkeit nicht weiter interessieren, wären da nicht die Piraten, die den vielbefahrenen Seeweg um das Horn unsicher machen. Kein Schiff ist vor einem Piratenangriff sicher und trotz internationaler Militärpräsenz durch Kriegsschiffe gelingt es den Piraten immer wieder, Handelsschiffe, Tanker und sogar Kreuzfahrer zu kapern und Lösegelder zu erpressen. Die Drahtzieher sind natürlich nicht vor Ort in den Booten, sondern haben dafür arme Somalier engagiert, die für kleines Geld die gefährliche Drecksarbeit erledigen.

Jetzt habe ich ein Video erhalten, welches wohl schon seit einigen Monaten im Netz zirkuliert. Es zeigt, so der begleitende Text begeistert, wie russisches Militär nach Abwehr eines Piratenangriffs mit dem Boot und den Piraten verfährt. Nachdem man den Kahn durchsucht und zahlreiche Schnellfeuerwaffen und Pistolen gefunden hat, werden die Piraten, ca. 20-30 armselige Gestalten, gefesselt und anschließend, so wird suggeriert, werden Boot und Mann und Maus auf dem offenen Meer verbrannt. Zum Schluss wabern nur noch die Flammen verbrennenden Öls auf der Wasseroberfläche.



Ich nehme nun an, dass dieses Video nicht wirklich die Ermordung von 20 oder mehr hilflosen Gefangenen zeigt, weil dies zwar suggeriert wird, aber nicht zu sehen ist und auch die russische Armee würde so ein Verbrechen, wenn es denn wahr wäre, nicht noch öffentlich machen. Umso erschreckender ist die Reaktion in den Kommentaren zu diesem Film. Die russischen kann ich natürlich nichtmal lesen, aber die in englischer Sprache sind in ihrer menschenverachtenden Mitleidlosigkeit, in ihrer entsetzlichen Unmenschlichkeit ein einziges Grauen. Zitieren will ich hier nichts, mir ist schon schlecht und jeder, der mag, darf’s selber lesen. Der geistige Dreck, der immer unverhohlener aus der rechten, reaktionären Ecke kübelt, ist zwar absolut widerlich, sagt aber auch alles über die abgestumpfte Dummheit der Verfasser aus.

Dienstag, 7. Februar 2012

Veto

Wir lernen: Beim Veto im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kommt es immer darauf an, wer es einlegt. Tun das die Russen und die Chinesen gegen eine Syrien-Resolution, dann sind, wie Hillary Clinton es ausdrückt, die USA „so angewidert, weil man uns daran hindert unsere Pflicht zu tun.“ Und natürlich ist auch die ganze freie Welt angewidert, evtl. aber ist es auch nur eine kriegslüsterne Journaille. Nun, wie die „Pflicht“ aussieht, wurde uns beispielhaft in Libyen vorexerziert. Am Ende waren ca. 40 000 Libyer tot, wurde Libyen auf den angemessenen Status eines kaputten Drittwelt-Staates zurückgestutzt und Libyens Öl ist endlich wieder unter westlicher Konzernkontrolle.

Aber bleiben wir beim Veto. Legt die USA ihr Veto gegen eine Israel-Resolution ein, und das tun die regelmäßig, egal ob bei illegalen Landnahmen und Siedlungsbauten, bei Rachefeldzügen gegen den Libanon mit Tausenden von Toten, bei Schiffskaperungen in internationalem Gewässer einschl. erschossener Besatzung, bei prophylaktischer Bombardierung der Anrainerstaaten, dann regen sich vielleicht ein paar Palästinenser auf, vielleicht auch noch Al Jazeera, aber die westliche Journaille verzieht keine Miene. Angewidert von soviel Doppelmoral bin da nicht nur ich.

Es stört auch anscheinend niemanden mehr, wenn im Iran technische Anlagen in die Luft fliegen und iranische Wissenschaftler reihenweise mittels Autobomben umgebracht werden. Fragt man nach der Rolle des Mossad, so erntet man einen beziehungsreichen Blick und ein wissendes Grinsen. Ja sicher, der Iran ist das Böse schlechthin und da er mit seinem reichen Arsenal an Interkontinentalatomraketen ganz Europa und die USA in Angst und Schrecken versetzt, na ja, besser, versetzen wird, so freuen wir uns wie die Schneekönige auf den ganz tollen Raketenschutzschirm und die Leitzentrale in Rammstein. Kriegsdrohungen gegen den Iran, aus Israel, aus den USA und, verklausuliert, auch von deutscher Seite, gehören seit Monaten zu den täglichen Nachrichten, so normal, wie der Wetterbericht, und die immer massivere Militärpräsenz der USA rund um den Iran ist ja wohl mehr als nur eine Drohkulisse.

In dieser Situation sind sich 6 Bundestagsabgeordnete der Linkspartei nicht zu blöde, einen Antikriegsaufruf zu unterzeichnen. Darin wird die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Syrien und dem Iran gefordert, völkerrechtlich völlig korrekt, aber dummerweise ohne explizit auf den totalitären Charakter der dort herrschenden Regime zu verweisen. Oh, da spuckt aber die vereinte Kriegsbefürworterkoalition der einzig verfassungstreuen Parteien sofort Gift und Galle. Antiamerikaner, Antisemiten, SED-Kommunisten, Schießbefehler, Mörderunterstützer – all das sind die Linken, glaubt man den nach vorne geschickten Dummbeuteln von CDU, SPD, FDP und GRÜNEN in der aktuellen Stunde des Bundestages. Weiter lernen wir auch: Wer gegen Angriffskriege ist, wer tausendfaches Blutvergießen zu verhindern sucht, ist ein Verfassungsfeind und gehört eigentlich verboten.

Wenn man solche "Sternstunden des Parlaments" (ZP1, Seite 59-73) verfolgt, dann fehlen einem wirklich die Worte, aber weil dies Kriegsgebrabbel nicht mehr enden will, so muss ich meiner angestauten Wut einfach mal Luft machen und aus meinem Herzen keine Mördergrube.
Mir ist natürlich klar, dass ich jetzt auch ein Antisemit, ein Antiamerikaner, ein dreckiger SED-Kommunist usw., usf. bin, aber ganz ehrlich, es ist mir sowas von egal.

Dienstag, 31. Januar 2012

Hier kommt Alex!

DobrindtSein Grinsen wirkte bei Alexander Dobrindt schon immer etwas dümmlich, aber wer wollte über so ein angeborenes Gebrechen spotten? Der arme Kerl muss damit leben und es ist nur zu verständlich, dass er sein Handicap auf jede erdenkliche Weise zu kaschieren sucht. Im Idealfall gelingt dies am ehesten durch sympathische Ausstrahlung und kluge Gedanken, aber leider hat die Natur Dobrindt auch hinsichtlich sympathischen Wesens und Intelligenz nur äußerst unzureichend bedacht. Kosmetische Korrekturen helfen da kaum, wie man unschwer am neuen Styling erkennen kann. Seine neue Frisur macht ihn nicht sympathischer und seine dicke, schwarze Brille signalisiert nicht Intelligenz, sondern in ihrer Lächerlichkeit eher das Gegenteil.

Für jeden ordentlichen Beruf ist Dobrindt somit ungeeignet, aber als Generalsekretär der CSU ist er ein Glücksfall. Ein Generalsekretär muss holzen, muss von jeglichem intellektuellen Zweifel unbeleckt, kurz, muss genau so ein doofer Vollpfosten sein wie seine Klientel, für die er die absurdesten Blödheiten in die Welt posaunt. Na, und das macht der Alexander Dobrindt doch großartig, woran man mal wieder sehen kann, dass auch der Geringste unter dem Himmelszelt zu irgendetwas nütze ist.

Dienstag, 17. Januar 2012

Huch!

„Tief im Süden“ ist ein Weblog, welches ich vor über sechs Jahren ohne jedes Konzept begann, weil ich, nächtens im Web surfend, zufällig auf ein Twoday-Blog stieß. Die Begriffe „Blog“, bzw. „bloggen“ hatte ich zwar schon gehört, aber was dahinter steckte, wusste ich damals nicht. Nun war ich also bei einem gelandet. War’s irgendein Katzenblog oder ähnliches? Ich erinnere mich nicht mehr, aber die persönliche Form brachte mich plötzlich auf den Gedanken, so etwas selbst einzurichten. Nach unserem Umzug nach Südafrika unterhielt ich ständigen Mail-Kontakt mit den Kindern, Verwandten, Freunden und Bekannten und die Möglichkeit, alle in einem Aufwasch zu bedienen, schien verlockend. Ein Klick am „Katzenblog“ auf den twoday.net-Link und schon landete ich auf der „1-2-3-eigenen-Blog-einrichten“-Seite. Eine halbe Stunde später gab’s das Tief-im-Süden-Blog und war ich zu „blackconti“ mutiert. Im Prinzip hab ich am Layout bis heute nichts geändert – wozu auch?

Und inhaltlich? Na ja, eine Rubrik „dies und jenes“ sagt eigentlich alles. Viele bunte Bilder, Berichte über unser Leben hier und unsere Befindlichkeiten. Meinungen, mehr oder weniger unausgegoren, zu aktuellen politischen Themen, aber immer schön durch die linke Brille und immer gern einen ordentlichen Schuss Häme oder Spott für öffentliche Akteure, ahnend, dass das zwar oft verdient, sehr oft aber auch sehr ungerecht ist. Da gibt es dann einen Zirkel interessierter Leser, der dieses Gebräu durch einen täglichen Klick goutiert, aber diese Leserschaft ist äußerst überschaubar. Mit den zufällig reingeschneiten Klicks ergibt sich ein durchschnittlicher Tagessatz von ca. 25 und der steht so seit Jahren, seltene Ausreißer nicht mitgezählt.

TiS-StatisikSo, und nun komme ich zur Überschrift. Huch, plötzlich, am 2. Januar schießen die Klicks hoch, vervier-fünf-und-sechsfachen sich, über mehrere Tage, und dabei habe ich außer ein paar Allerweltszeilen zu Weihnachten nichts in das Blog gestellt. Komisch, alle Klicks, zu 99% aus Deutschland, landesweit verteilt, zielen auf einen alten Blogeintrag vom 29.10.2009, der sich dem Bild-Chef Kai Diekmann widmet. Ein Klick auf einen der aufgelisteten Backlinks erklärt dann die wundersame Klick-Vermehrung: Das Diekmann-Bildchen aus meinem Blogbeitrag ist bei Google auf der 1. Seite einer Suchanfrage nach Kai Diekmann verlinkt und der ist z.Zt. wegen des Wulff-Affairchens in aller Munde. Der eigentliche Witz ist nun, dass dieses Bild gar nicht von mir stammt. Ich habe es seinerzeit auch nur im Web gefunden und mittels copy and past geklaut. Kann „Titanic“ gewesen sein, ich weiß es nicht mehr. Einen Quellennachweis habe ich mir damals jedenfalls geschenkt, wie so oft. Unverzeihlich, ich weiß. Auf der anderen Seite freut es mich natürlich ungemein, dass gerade dieses Diekmann-Portrait so eine schöne Resonanz findet und dass das klare Wort von Max Goldt nun in vielen Hirnen segensreich wirken kann.

Gott sei Dank reduzieren sich die Klicks langsam wieder auf Normalmaß und wenn ich weiter so schreibfaul bin, dann werde ich den Durchschnitt bald auf 1 gedrückt haben. Das bin ich dann selber, tränenblind, weil mir einfach nichts einfallen will.

Sonntag, 8. Januar 2012

Zum Neuen Jahr: Paint it Black

Wenn sich die Blödzeitung und ihre willfährigen Handlanger Diekmann und Döfpner, also die Speerspitze des Schweinejournalismus, als Opfer eines Angriffs auf die Pressefreiheit gerieren, dann muss man sich als gestandener 68er wohl oder übel auf die Seite des Angreifers schlagen. Das fällt natürlich angesichts seiner kleinkrämerischen Mickrigkeit, unseres, genau wegen seiner unscheinbaren Harmlosigkeit ins Amt gehievten und gestolperten, Bundespräsidenten, nicht leicht.

Auf so eine trübe Tasse könnten wir leicht verzichten. Nicht aber Frau Merkel, denn sie, obwohl selber, weil DDR-sozialisiert, ahnungslos und unbedarft, kann nur strahlen, wenn um sie herum lauter aschfahle Funzeln trübes Dämmerlicht verbreiten. Man schaue sich doch nur ihr Kabinett an. Der einzige, der etwas herausragt, dem man ein Mindestmaß an Kompetenz und Ernsthaftigkeit zutraut, ist tiefergelegt und sitzt im Rollstuhl. Merkel hat diesen Bundespräsidenten Wulff durchgedrückt und auch seinen Vorgänger, eine ähnliche Figur, wie Braunbier mit Spucke.

Das alles ist ja nicht neu und langsam vergeht einem die Lust, dieses ganze Elend auch nur zu verfolgen, denn ändern, zum Besseren, wird sich nichts. Wir alle spüren, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise demnächst eskalieren wird, weil die immer kürzere Abfolge von Gipfeltreffen, die teilweise diametral entgegengesetzten Beschlüsse, keine Lösungen, sondern immer neue Hiobsbotschaften auslösen. Dass in immer mehr Staaten der Eurozone Goldman-Sachs-Banker nun die Regierungsgeschäfte übernommen haben, wird mittlerweile als völlig normal angesehen und löst keinerlei Empörung aus. Aber wie sollte auch, gibt es doch angeblich keine Alternative zum Krisenmanagement, was dann ja auch durch die jeweiligen Oppositionsparteien bestätigt wird.

Öffentlich wahrnehmbare Opposition will eigentlich nur das Personal austauschen und ansonsten den alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen. Alternativen gibt es natürlich, aber Opposition, die diese Vertritt, wird mittlerweile konsequent totgeschwiegen. Die Linkspartei erhielt 2009 im Saarland 21 % der Wählerstimmen. Was aber macht die SPD nun, nachdem dieses perverse Jamaika-Konstrukt geplatzt ist? Die SPD wanzt sich schon wieder bei der CDU an und die Medien klatschen Beifall. So geht Opposition in der Post-Demokratie.

Na dann, viel Vergnügen im Neuen Jahr und natürlich ein Quentchen Glück. Wir werden es brauchen und sollten uns warm anziehen. PS: Letzteres ist für mich hier nur symbolisch gemeint, denn mittlerweile habe ich bei 29° im Schatten hier auf der Terrasse auch das letzte Hemd abgelegt. Es ist heiß, aber ich denke, dass die aufkommende Brise die finsteren Gedanken bald wegblasen wird.

Tief im Süden

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