Mittwoch, 20. Juni 2012

Glück, Pech und reiner Zufall

Glück als Begriff ist in der deutschen Sprache zwar mehrdeutig, aber immer positiv besetzt. Es gibt da das Glück als Zustand, den wir Menschen anstreben, und es gibt das Glück eines zufälligen, für uns positiven Ereignisses. Das Gegenteil von Letzterem ist Pech oder Unglück, aber oft ist das Pech des einen gleichzeitig das Glück des anderen. Hier nun ein paar schöne Beispiele über unglaubliche Zufälle der letzten Tage, über Glück und Pech, je nach Betrachtungsweise. Fangen wir mit dem Banalen an:

Jeder Golfspieler kennt den dünnen Ast, den gerade mal 3 cm dicken Holzstecken, der als einziges Hindernis in 20 Meter Entfernung den direkten Weg zum Grün verstellt. Diesen Ast mit der kleinen weißen Kugel auf diese Entfernung gezielt zu treffen, wird auch nach hundert Versuchen kaum gelingen. Während einer Golfrunde allerdings hat man nur einen Versuch und da gilt es, diesen Ast unbedingt zu vermeiden. Der erfahrene Golfer kalkuliert nun sofort: „0,1% Holz – 99,9% Luftraum, ignorieren und einfach schlagen.“ Der harte Klang des Aufpralls und die herzerfrischenden Flüche des erfahrenen Golfers sind in ca. 50% solcher Fälle das groteske Resultat solcher Situationen - bei mir jedenfalls - und trotz des Pechs dieses Holztreffers kann ich dennoch von Glück sagen, weil der zurückprallende Golfball meinen Kopf um einige Zentimeter verfehlte.

Okay, das beschriebene Szenario ist jedem Golfer geläufig, also kaum der Rede wert. Wenn man aber nach einem guten Tee-Shot in ca. 170 m-Entfernung den bereits dort auf dem Fairway liegenden Ball eines Spielpartners so trifft, dass dessen Kugel noch ca. 50 m weiter fliegt, der eigene Ball dafür an der Aufschlagstelle liegen bleibt, dann sollte man auch umgehend Lotto spielen. Ein Golfball hat eine Grundfläche von ca. 17 qcm , die wahrscheinliche Auftrefffläche auf dem Fairway, bei meiner üblichen Streuung, nehmen wir in Länge x Breite mit 100 x 50 m an , beträgt also ca. 500 000 qcm, was dann etwa einer Trefferchance von etwa 1 : 30 000 entspricht. Ein Sechser im Lotto ist wohl eher zu erreichen, denn da kann man beliebig viele Kästchen ausfüllen. Beim Golf dagegen habe ich immer nur einen Schlag. Unnötig zu sagen, dass mein Golfpartner dann vor Glück strahlte, da ich seinen Ball unfreiwillig näher ans Grün beförderte, er jetzt einen angenehmen Chip aufs Grün an die Fahne hatte und sich wie ein Schneekönig übers Par freute.

Aber lassen wir das, kommen wir zu ernsteren Dingen. Ich habe mal wieder meine Geldbörse verloren. Natürlich wieder „mit allem“, d.h. Geld, Karten, Führerschein usw. Könnte man Pech nennen, aber das wäre eine euphemistische Umschreibung für meine Blödheit. Dieser Verlust war vorhersehbar, wurde von mir auch als Möglichkeit in Betracht gezogen, denn aus Erfahrung sollte man ja angeblich klug geworden sein. Bin ich aber wohl nicht, denn all meine Vorsichtsmassnahmen - bei dieser Hose auf keinen Fall in die Gesäßtasche - hatte ich schon bald vergessen ( das Alter!) und schon erlebte ich ein absolut identisches DejaVu! Für den Finder erwies sich meine Dämlichkeit als besonderer Glücksfall, hatte ich doch meine Börse erst kurz zuvor am Geldautomaten mit 15 nagelneuen 100-Rand-Noten befüllt. Wer auch immer der glückliche Finder war und nix gesagt hat, möge er an diesem Glück ersticken. Abhaken!

Noch nicht ernst genug? Gut , dann reden wir über das größte Glück auf Erden, welches angeblich auf dem Pferderücken anzutreffen sei. Frau Blackconti behauptet das jedenfalls auch und kümmert sich fast täglich um ihren Glücksbringer, das Ross, bürstet und striegelt, schmiert und sprayed den Zossen, auf dass auch dessen Glück nicht nachlasse. Gesprayed wird das Vieh mit einer giftigen Lösung gegen Zecken, Fliegen und sonstiges Ekelgetier aus einer Pumpflasche mit einem Fingerabzug. Frau Blackconti steht gebückt neben dem Tier schraubt die Pumpeinrichtung ab, weil irgendwas verstopft ist. In diesem Moment stupst das Pferd unter den Arm, der die geöffnete Flasche hält, die giftige Brühe schwappt hoch und, man mag es nicht glauben, als volle Ladung direkt in den offenen Mund meiner angetrauten Pferdenärrin. Das Zeug ist wirklich giftig und obwohl Frau Blackconti sofort das meiste auswürgt, nimmt sie auch einen ordentlichen Schluck. Der Mundraum und der Rachen schwellen sofort an, Sprechen geht nicht mehr und ein röchelnder Dauerhusten schüttelt mein armes Ehegesponst.

All das erfahre ich durch einen Telefonanruf, denn Hilfe ist vor Ort und man bittet mich, unserem Hausarzt den in Kürze eintreffenden Notfall zu avisieren und diesem schon mal vorab die Inhaltsstoffe der giftigen Brühe mitzuteilen. So eine Giftflasche stehe auch bei uns zu Hause. Ich finde die Flasche, rufe beim Arzt an und fahre dann umgehend auch dorthin, wo Frau Blackconti bereits eingetroffen ist und versorgt wird. Dass ich dabei ziemlich aufgeregt, ja leicht panisch agiere, wird hier sicher niemanden überraschen. Um es kurz zu machen, der Arzt hatte bereits einen Experten konsultiert und konnte uns beruhigen. Die aufgenommene Giftmenge sei zu gering um irgendwelche inneren Schäden anzurichten und die Schwellungen im Rachenraum würden in wenigen Stunden vollständig verschwunden sein. Wir sind natürlich schwer erleichtert und manchmal ist das Glück halt einfach nur die Rückkehr zur Normalität nach überstandenem Unglück.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Mario Gomez

Wer, wie ich unlängst, jetzt noch behauptet, dass der Mario Gomez nur im Strafraum wartet, bis ihm zufällig mal ein Ball auf den Kopf fällt und dass man ihn tunlichst keinen flachen Ball zuspielen sollte, der hat nun wirklich keine Ahnung! Seine beiden Tore gegen die Holländer waren einfach ein Leckerbissen in Sachen perfekte Ballannahme und präzisem Abschluss, so dass selbst dem borniertesten Scheinfachmann eine tiefbuckelnde Entschuldigung gut zu Gesicht stünde.

Mario Gomez vor dem 2. Tor gegen Holland Ist ja schon gut! Ich bereue meine unsachlichen Kritik zutiefst und entschuldige mich hiermit ausdrücklich bei Supermario sowie in einem Aufwasch auch noch bei Bastian Schweinsteiger, dessen messerscharfe Pässe dem Mario Gomez erst ermöglichten, seine technische Brillanz unter Beweis zu stellen. „Like a Primaballerina!“ meinte entzückt der englische Kommentator hier im südafrikanischen Fernsehen angesichts der Zeitlupe nach dem ersten Gomez-Tor und das war ein ehrliches Kompliment.


Ich muss ja jetzt wegen meiner offensichtlichen Ahnungslosigkeit vorsichtig sein, aber was der Podolski in dieser Mannschaft für eine Rolle spielt, ist dem wohl selbst nicht klar. Wäre seine Name nicht in der Mannschaftsaufstellung aufgetaucht, hätte man nicht mal gemerkt dass der auch auf dem Platz ist. Gott sei Dank hat man ihn aber auch nicht vermisst.

Dienstag, 12. Juni 2012

Ab nach Shanghai – mit’m Flieger

J.M. on the roadBis Taschkent hat Jürgen Müller sich durchgeschlagen., aber jetzt ist wohl Schluss mit lustig. Wer seinen Blog „Ab nach Shanghai“ bisher verfolgt hat, ist bestimmt genauso traurig wie er selbst, dass Shanghai nun nur noch einen Luftsprung entfernt ist. Die Fahrradtour ist beendet und Shanghai wird jetzt von Taschkent aus angeflogen, weil die Chinesen ein Visum für eine Fahrradtour durch China verweigern.
Ich habe gestern mit Müller gesprochen und die bisherigen Strapazen waren ihm anzumerken und besonders die Müdigkeit wegen der fortwährenden bürokratischen Hürden und Behinderungen in den …stan-Staaten. Möglicherweise wird Jürgen Müller von Shanghai aus noch einige Teile der Seidenstrasse auf der chinesischen Seite mit dem Fahrrad bereisen – innerchinesisch sind Fahrradtouren möglich – und dann auch diesen Blog fortführen. Mich würde das freuen, denn seine Berichte waren bisher eine äußerst vergnügliche Lektüre und die Entdeckung der für mich geographisch im Detail ziemlich unbekannten Gebiete in Asien via Google Earth eine spannende Erfahrung.

Euro 2012

Blenden wir einfach mal die Euro- und Finanzkrise aus. Vergessen wir das dilettantische Lavieren, die unglaubliche Unfähigkeit der Politik, den sogenannten „Märkten“ endlich die Fesseln anzulegen, die einzig den Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften und Staaten noch verhindern könnten. Jetzt ist wieder Sommermärchen, jetzt läuft die Euro 2012 in Polen und in der Ukraine und da ist bekanntlich Fußball unser Leben.

Der erste Spieltag ist abgeschlossen und nachdem sich alle Teams vorgestellt haben, kann es eigentlich nur eine Endspielpaarung geben: Spanien gegen Italien. Die Begegnung dieser beiden war echter Fußballgenuss zum Zungeschnalzen, schnell, technisch erstklassig und hochspannend bis zur letzten Minute. Alle anderen Partien waren dagegen eher langweilig, wenn man mal von den Russen absieht, deren 4 : 1 Sieg gegen eher schwache Tschechen ziemlich souverän aussah.

Auffällig ist der durchgängige Versuch aller Teams, entweder das spanische Erfolgsrezept oder die Chelsea-Mauertaktik zu kopieren. Ballbesitz hat Vorrang und Kurzpassspiel feiert fröhliche Urständ, praktiziert allerdings meistens von Spielern, deren Schnelligkeit und technische Fertigkeiten Lichtjahre von den spanischen Könnern entfernt sind. Das Resultat: Das Spiel wird immer langsamer und endet nach 20 brotlosen Quer- und Rückpässen an der Mittellinie in einem Fehlpass aus dem Stand in die doppelte Viererkette vor dem Strafraum des Gegners. Da juckt die Fernbedienung in den Händen, denn selbst der harmlose Stubbe-Krimi im anderen Programm erscheint gegen dieses Ballgschiebe ein Ausbund an Hochspannung.

Die deutsche Mannschaft machte da keine Ausnahme und das eher schmeichelhafte 1 : 0 gegen die Portugiesen zeigte deutlich, dass das Bayerngerüst der Mannschaft mehr ein blutleeres Gerippe ist, leblos und klapprig. Lahm und Müller rennen zwar an den Außenlinien rauf- und runter, können dann aber in 90 Minuten nicht eine einzige verwertbare Flanke schlagen. Schweinsteiger steht auf dem Platz, ist aber nicht vorhanden. Boateng ist und bleibt ein Unsicherheitsfaktor und immer für einen Elfmeter gut, auch wenn diesmal seine Grätsche gegen Ronaldo Rettung in höchster Not bedeutete. Gomez macht das, was er kann. Er wartet halt an oder im Strafraum, dass ihm ein Ball zufällig möglichst auf den Kopf oder, aber besser nicht, vor die Füsse fällt. Ja, und dann bleiben noch Badstuber und, mit Abstrichen, Neuer, die hinten meist solide agieren. Wenn die Portugiesen nicht das Pech an den Stiefeln und Hummels nicht so einen guten Tag gehabt hätte, die Deutschen hätten sich trotz 60% Ballbesitz nicht über eine Niederlage beschweren dürfen. Gefährlicher schienen die Portugiesen bei jedem ihrer Vorstöße und in dem letzten Minuten schien der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit, aber zum Glück wurde rechtzeitig abgepfiffen.

Fazit nach dem 1. Spieltag: Spanien ist wieder der Favorit, aber Italien ist unbedingt zu beachten. Deutschland wird jetzt wohl die Vorrunde überstehen, kann Titelambitionen aber vergessen und auch Holland, England und Frankreich haben gegen Spanien kaum eine reelle Chance.

Aus Erfahrung weiß ich natürlich, dass meine Prognosen bisher noch nie gestimmt haben und außerdem ist der Ball rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Schaun wir mal...

Donnerstag, 7. Juni 2012

Die Zwei

Glücklich die Partei, die für den Parteivorsitz solche Bewerber vorzuweisen hat.

Z.B: Bernd Horn, Altkommunist und Vorruheständler aus Herten, der deshalb zum Parteivorsitzenden gewählt werden möchte, weil: „Ich der Schild der Linken bin und der Speer, der den Kapitalismus zerschmettert!“

Jürgen Stange, Die LinkeBernd Horn, Die Linke

Z.B: Jürgen Stange aus der Eifel und vormaliger Karnevalsprinz in Berlin, der sich in seiner Bewerbungsrede über das Mobbing seiner Parteifreunde gegen ihn ausweint und dazu beitragen möchte, dass bei den Linken alle wieder ganz lieb zueinander und besonders zu ihm sind.

Parteivorsitz-Kandidaten der Linken

Die zwei in der Mitte, Bartsch und Riexinger, geben sich unbeeindruckt, verziehen keine Miene, obwohl der Auftritt von Horn und Stange ein klassischer Angriff auf die Lachmuskeln war. Ja, Parteitag kann auch unterhaltsam sein und nach ihren überzeugenden Vorstellungsreden war besonders Bernd Horn mein Favorit für die Doppelspitze.
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Völlig unverständlich für mich daher die abschließende Bewertung durch die Delegierten. Für seine großartige Performance erhielten Bernd Horn gerade mal 2 Stimmen (0,36%) und Jürgen Stange sogar nur eine ( 0,18%). Die zwei Langweiler Bartsch und Riexinger hingegen sahnten ab. Bartsch unterlag mit 45,23% gegen Riexinger, der mit 53,5% umjubelter Sieger wurde.

Was soll man da sagen? Da bietet sich Bernd Horn an, dem Kapitalismus den tödlichen Schlag zu versetzen, aber die Delegierten ignorieren diese einmalige Gelegenheit und ziehen den aschgrauen Gewerkschaftsfunktionär Riexinger vor. Versöhnen will der, zusammen mit der netten Frau Kipping, die sich spinnefeind gebenden Ost- und Westlinken. Alles Quatsch, denn ob versöhnt oder nicht, wählen wird diese Linken sowieso kaum noch jemand. Bei einem Vorsitzenden Bernd Horn oder Jürgen Stange wüsste man zumindest eindeutig warum.

Allerdings: Gibt es Gründe etwa die CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE oder gar PIRATEN zu wählen? Also, so richtig fällt mir auch da nichts ein, die aber nicht zu wählen, jede Menge.

Sieh hierzu Nachtrag: Google vergißt nichts

Donnerstag, 31. Mai 2012

Die Freiheit der Kunst

Jacob Zuma by SapiroSüdafrikas Präsident Jacob Zuma ist hier in Südafrika umstritten. Er wird von Menschen, die ihn persönlich kennen, als überaus freundlicher, warmherziger Mann beschrieben, mit bestechend kraftvoller Ausstrahlung. Das mag stimmen, denn durch ein besonders anziehendes Äußeres wird er seine insgesamt 6 Ehefrauen, z.Zt. vier, und diverse außereheliche Verhältnisse nicht beeindruckt haben. Nun wissen wir ja, dank der Fürstin Gloria von Tut und Tatnix, dass „der Neger gern schnackselt“ und die offiziell 20 (?) leiblichen Kinder Jacob Zumas scheinen dieses fachfrauliche Urteil zu belegen. Aber wer täte das nicht gern und welcher Mann würde nicht zu gerne die hier in Südafrika für Zulus legale Tradition der Polygamie, zumindest zeitweilig, einmal ausprobieren. Wie auch immer, Präsident Jacob Zuma jedenfalls ist den Frauen und dem Sex zugeneigt und anschließend duscht er immer ausgiebig. Auf diese Weise, so erklärte er 2005 in einem vielbeachteten Vergewaltigungsprozess, schütze er sich gegen AIDS. Von den Vergewaltigungsvorwürfen wurde Zuma freigesprochen, die Dusche auf seinem Kopf, die ihm der Karikaturist Sapiro damals auf die Stirn zeichnete, wird Zuma nicht mehr los.

Und nun sind wir beim Anlass dieses einfühlsamen Vorspiels. Eine Kunstgalerie in Kapstadt hatte dieses ziemlich - ich sag mal - geschmacklose Gemälde ausgestellt:

"The Spear" by Brett Murray Der Künstler Brett Murray nennt es „The Spear“ und will damit wohl auf die sexuellen Gepflogenheiten des Präsidenten anspielen. Das Bild hing schon einige Zeit unbeachtet in der Galerie und hatte auch schon einen Käufer gefunden, als Präsident Zuma Klage wegen Verletzung seiner menschlichen Würde gegen die Aussteller einreichte. Noch war die Angelegenheit nicht in den Medien und die breite Öffentlichkeit wusste von nichts.

Das änderte sich schlagartig, als zwei Männer, eine Weißer und ein Schwarzer, die tolle Idee hatten, dem Präsidenten beizuspringen und dessen Würde durch Überpinseln des Bildes zu verteidigen. Natürlich mit großer Medienbeteiligung und nun war’s ein Politikum. Sofort organisierte die Regierungspartei ANC Protestveranstaltungen in allen großen Städten des Landes und selbstverständlich besonders vor der Galerie in Kapstadt, deren Abriss man sogar forderte. Die schwarze Bevölkerung war nun kollektiv empört wegen eines blöden Bildes, welches die meisten nicht einmal gesehen hatten, da das Bild nur von einer einzigen Zeitung im Originalzustand veröffentlicht wurde. Ansonsten wurde in den Medien immer nur das überschmierte „Kunstwerk“ gezeigt. Irgendwie erinnerte die „schwarze“ Empörung an die Muslim-„Empörung“ nach den dänischen Mohammed-Karikaturen.

Zuma protester

Ähnlich reflexartig kam dann natürlich die „Freiheit-der-Kunst“-Heuchelei von den weißen Rassisten, bei denen man sich nur zu gut vorstellen kann, was die mit einem Schwarzen Maler zu Zeiten der Apartheid veranstaltet hätten, wenn dieser einen Präsidenten Botha oder de Klerk in ähnlich provokativer Art dargestellt hätte. Ob so eine Provokation in Deutschland, wo ja die Freiheit der Kunst, genau wie hier in Südafrika, in der Verfassung verankert ist, klaglos durchgegangen wäre, wage ich zu bezweifeln. Man stelle sich nur ein lebensgroßes Abbild unseres Freiheitspräsidenten Gauck in Revolutionsführerpose mit freiliegenden Gemächt vor... ach nee, besser nicht.

Mittlerweile hat sich hier die Aufregung wieder gelegt. Das besagte Zuma-Gemälde wurde sowohl aus der Galerie als auch von allen (südafrikanischen!) Medien-Webseiten entfernt - nur die Kopien des Originals, nicht die diversen Karikaturen - alle Klagen wurden zurückgezogen und alle wertschätzenden Erklärungen hin oder her abgegeben. Alles wieder gut – bis zum nächsten Dorf und zur nächsten Sau.

Sonntag, 20. Mai 2012

Ohne Worte

Vizebayern

Samstag, 19. Mai 2012

Die Gottesanbeterin

Röttgen

Mitleid ist mit diesem biegsamen Karrieristen wirklich nicht angebracht. Norbert Röttgen ist, bzw. war der Prototyp des aalglatten Berufspolitikers, der immer wortreich von Verantwortungsbewusstsein, Allgemeinwohl und Dienen schwadroniert, aber einzig die eigene Karriere, den eigenen Vorteil im Auge hat. Schon vor Jahren hat er seinen Hang zur Rückversicherung bewiesen, als es damals um seinen versprochenen Posten beim BDI ging. Da wollte er auch schon nicht auf sein Bundestagsmandat verzichten und einfach alles gleichzeitig sein: Anwalt, Abgeordneter, Parteifunktionär und Cheflobbyist. Das war dann selbst seinen CDU-Parteifreunden zu viel, worauf er schweren Herzens dem BDI-Job entsagte.

Nun hat er sich endlich total verzockt, denn das scheinbare Karrieresprungbrett „NRW-CDU-Chef“ erwies sich, dem Kuschelwahlkampf Hannelore Krafts sei Dank, als Abschussrampe ins Aus. Röttgen, die Wahlniederlage vor Augen, wollte nicht die alleinige Verantwortung für das sich abzeichnende CDU-Debakel übernehmen. Durch seinen zwar zutreffenden, aber ziemlich dämlichen Hinweis, dass bei der NRW-Wahl auch über das Euro-Krisenmanagement der Bundesregierung abgestimmt würde, holte er die Bundeskanzlerin in die Mitverantwortung und hatte damit auch schon sein politisches Ende eingeläutet. Dass Röttgen solch ein eklatanter Fehler unterlaufen konnte, zertrümmerte schlagartig sein Intelligenz-Image und weist ihn verdientermaßen als „Muttis Dümmsten“ aus.

Selbst der Unbedarfteste weiß doch mittlerweile, dass sich die Politik der Bundeskanzlerin, völlig prinzipienlos, einzig am Machterhalt orientiert. Jede pathetisch beschworene Entscheidung ist nur so lange alternativlos, bis der Opportunismus das ebenso alternativlose Gegenteil als machtpolitisch nützlicher erscheinen lässt. Läuft irgendwas schief, ist niemals die Kanzlerin, sondern sind immer irgendwelche Subalterne verantwortlich. Röttgen wusste das, hat es ja selbst zur Genüge mitpraktiziert.

Gottesanbeterin

Wieder einmal hat sich Merkel, der Gottesanbeterin gleich, eines Männchens entledigt, eiskalt und ohne Scrupel, und das zu beobachten hat schon etwas Faszinierendes. Ob das aber noch lange gut geht, wage ich zu bezweifeln. Langsam gehen ihr die Männer aus und und das Grummeln in der CDU ist kaum noch zu überhören. Möglicherweise hat Merkel diesmal überreizt, aber was wäre dann die Alternative? Bitte sage jetzt keiner: „Die SPD!“ Die kann ja nicht mal Opposition, denn, so äußerte sich kürzlich SPD-Veteran Klaus von Dohnanyi: „Die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel ist ein Schmuck für Deutschland!“ Ja, dann! Dazu fällt mir einfach nix mehr ein…

Freitag, 18. Mai 2012

Kein Zweifel mehr,...

...übermäßiges Weihrauchschnüffeln zerstört Gehirnzellen und führt zu schweren Persönlichkeitsstörungen. Die grauenhafte Wirkung dieser Modedroge wurde uns am Dienstagabend in der ARD am Beispiel von Matthias Matussek, vormals angesehener Kultur-Chef beim SPIEGEL, eindrucksvoll vorgeführt.

MatussekSandra Maischbergers Thema „Salafisten, oh Gott, oh Gott“, oder so ähnlich, ließ zwar wieder einiges an sarranzinesken Klischees erwarten, aber ein zugedröhnter Matussek übertraf dann auch noch spielend schlimmste Befürchtungen. Er müsse sich wegen der Moslems am Flughafen immer nackicht ausziehen, halluzinierte der Papstverehrer und Erzkatholik gleich zu Anfang mit unnatürlich geweiteten Pupillen und wirrem Blick. Ihn kotzten die Versteher-Opern an, die Opferideologie, die auf Migrantenkinder zugeschnitten sei. Die brauchten nur Deutsch lernen und eine Schule ordentlich beenden, dann würden sie Super-Karrieren machen. Gut, das hatte zwar alles mit Salafisten nix zu tun, aber wie will man jemanden im Drogenrausch stoppen?

Michel Friedmann versuchte es, versuchte die grauenhaften Pauschalierungen zu differenzieren, irgendwie das Gebrüll zu beruhigen, aber da war er bei Matussek an den Falschen geraten. Das sei „Balla“ ist sein Gegenargument und, einmal so richtig den Proleten rauslassend:„Sie sind doch ein Schmierenkomödiant!“ Weil Friedmann das einfach überhört, wendet sich Matussek ihm noch einmal direkt zu: „Sie sind doch ein Schmierenkomödiant!“, worauf selbst die fast resignierende Maischberger bittet, persönliche Beleidigungen zu unterlassen. Friedmann bleibt auch jetzt bewundernswert ruhig.

Nun habe ich mich ja selber oft genug höchst despektierlich über Friedmann geäußert und so falsch ist ja Matusseks Beschreibung auch nicht. Doch so wie er sie hier vorbrachte, war sie primitiv, beleidigend und zum Thema durch nichts gerechtfertigt. Die einzig vernünftige Stimme in dieser bemerkenswerten Talkrunde kam von der Schauspielerin Renan Demirkan. Sie sah in Matussek und dem ultraorthodoxen „Imam von Sachsen“ die zwei Seiten einer Medaille, was Matussek natürlich empört aufjaulend zurückwies. An diesem Abend aber überbot der pöbelnde, erzkatholische SPIEGEL-Mann den Moslem in Punkto Blödheit um ein Vielfaches.

Dass der friedfertige Iman das Grundgesetz nur solange als verbindlich akzeptiert, solange die Moslems in der Minderheit sind, habe ich natürlich auch vernommen. Gut zu wissen und selbstverständlich werden wir auch das nicht einfach vergessen.

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