Mittwoch, 7. November 2012

Grounded – die Nächste

In der Marktwirtschaft sind Insolvenzen systemimmanent und der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens folgt in der Regel ein Rattenschwanz an finanziellen Problemen bei Zulieferern und Mitarbeitern. Bei Pleiten von Transportunternehmen, im konkreten Fall einer Billig-Airline, erfahren die Kunden, die Passagiere also, bis zum Moment der Einstellung des Flugbetriebs nichts vom bevorstehenden Grounding. Es werden bis zur letzten Minute Tickets verkauft und Passagiere an die Zieldestinationen befördert, von wo sie dann sehen können, wie sie wieder heimkommen. So war’s 2008, als die südafrikanische „Nationwide“ kollabierte ( siehe hier) und so war es auch letzten Freitag, als die Gesellschaft „1Time“ ihren Flugbetrieb einstellte.

Das würde mich ja persönlich nicht weiter beschäftigen, wenn ich nicht blöderweise von beiden Insolvenzen direkt betroffen worden wäre. Seit Jahren buche ich die Inlandsflüge für unsere Besucher von hier aus, weil’s in der Regel erheblich kostengünstiger ist, bzw. schien, denn waren es im Fall „Nationwide“ nur ca. 100 Euro, die abgeschrieben werden mussten, so sind es bei „1Time“ jetzt schon fast 500 Euro, die der Insolvenzverwalter nicht wieder rausgibt, bezahlt für Inlandsflüge, die unsere Kinder zu Weihnachten antreten wollten. Kostengünstig, wie ich oben schrieb, ist das nicht gerade, weil ja die Flüge mit einer anderen Airline noch mal gebucht und bezahlt werden müssen. Schlagen wir 3 Kreuze, dass „Kulula.com“ oder „Mango“ nicht anschließend auch noch Konkurs anmelden. Gut, dann gäbe es noch SAA, die wohl, da staatlich, nicht pleite gehen wird, aber die ist ja gleich 3-4-mal so teuer.



Übrigens: Der Mann links im Video ist Blacky Komani (1time Group CEO) und seine Danksagung auf der finalen 1Time-Website an seine Angestellten und Kunden, also u.a. auch an mich, kann er sich in die Haare schmieren. Dafür, dass er mich nicht frühzeitig gewarnt hat, hat er die dargestellte Behandlung unbedingt verdient.

Und jetzt noch ein wichtiger Tip: All diejenigen, die ihre nun wertlosen Tickets mit einer Kreditkarte (VISA, MASTERCARD, AMERICAN EXPRESS) bezahlt haben, bekommen ihr Geld vom Kreditkartenunternehmen zurück. Da greift eine Versicherung, die den Kreditkartennutzer automatisch gegen „Nichtlieferung“ absichert. Ich habe leider per Kontoüberweisung gezahlt und krieg nix. Merke ich mir natürlich für die Zukunft.

Montag, 29. Oktober 2012

Twenty-three years just waiting for a chance...

Bayer04-am-28-10-2012-anima2

...to stand there brave and fight the arrogance.
What a wonderful feeling to beat the bloody Bayern!

Bayern

Klar, das ist natürlich absolut arrogant und völlig übertrieben, denn eine Schwalbe ...usw., aber wenn dann sofort wieder das Gelaber von "der klar besseren Mannschaft." von "den völlig unnötigen Toren", von "der unverdienten, besonders bitteren Niederlage" höre, dann mag man mir vielleicht die kleine Portion Häme nachsehen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Memories are made of this

Herbstzeit ist in Deutschland die Zeit der Pilzsammler und somit auch die Zeit des Zweifels, denn immer ist mit Wildpilzen auch die bange Frage verbunden: Essbar oder nicht, köstlich oder todbringend? Lauert nicht eventuell ein hochgiftiger Knollenblätterpilz unter all diesen wunderhübschen Wiesenchampignons, oder hat sich möglicherweise Gevatter Tod in Gestalt eines Teufelpilzes unter all die herrlichen Maronen- oder Steinpilze geschlichen? Vorsicht scheint angebracht, eventuell sogar Misstrauen, und das führt dann im Extremfall dazu, dass ein in bester Absicht zubereitetes Pilzgericht in den Abfall entsorgt wird. So las ich es eben in einem gerade eingetroffenen Roman, in dem die Mutter mit der, von der Tochter angebotenen Pilzpfanne, genau so verfährt. Diese eher nebensächliche Episode, bei der die Mutter auf Grund der problematischen Beziehung zur Tochter sogar Vergiftungsabsichten phantasiert, weckte bei mir plötzlich Erinnerungen an eine ebenfalls sehr skurrile Pilzgeschichte:

Wer weiß schon, ob die großen, braunen Schwammerl, die man in den Urwäldern im kanadischen British-Columbia in Massen findet, so essbar sind, wie ähnlich aussehende in deutschen Wäldern? Meine vier Begleiter waren da doch ziemlich unsicher. Zwar sammelten sie mit, denn suchen musste man wirklich nicht. Die saftigen, dunkelbraunen Kappen mit den goldgelben Schwämmen auf der Unterseite reckten sich überall unübersehbar aus dem Waldboden. In solchen Mengen, dass wir Anoraks zu Tragsäcken umfunktionierten. So trugen wir die überreiche Ernte zurück zu unserem Zeltcamp. Unser kanadischer Pilot und Tourguide, er war als einziger beim Camp zurückgeblieben, schaute schon etwas skeptisch. Er kenne sich mit Pilzen nicht aus, meinte er auf unsere einschlägige Frage nach der Genießbarkeit, sei aber sicher, dass kein Kanadier so was essen würde. Ich aber hatte keine Bedenken, denn ein Biss in die rohen Schwammerl ließ mich keinen Geschmacksunterschied zu den mir bekannten deutschen Exemplaren erkennen. Also habe ich die Pilze gesäubert, zerkleinert und in einer großen Pfanne mit Fett und angeschwitzten Zwiebeln auf dem Lagerfeuer geschmort. Natürlich habe ich auch mit Salz und Pfeffer gewürzt und nach wenigen Minuten war ein schmackhaftes Pilzgericht zubereitet.
Kanada BC 1980
Meine Freunde schauten mir bei meiner Küchenarbeit interessiert zu, beobachteten mich noch interessierter beim Abschmecken – um dann die angebotenen Portionen freundlich, aber bestimmt zurückzuweisen. Meine Kumpel, wir kannten uns ganz gut, waren normalerweise keine Schisser und für einen kurzen Moment kamen auch bei mir Zweifel auf, ob es nicht ratsam wäre, auf diese Mahlzeit zu verzichten. Sollte tatsächlich irgendwas nicht stimmen, dann war, hier im tiefsten kanadischen Urwald, kurzfristige Hilfe ausgeschlossen, aber – nein, was sollte denn nicht stimmen? Lieblich duftete die Pilzpfanne und da niemand sonst zugreifen wollte, aß ich so viel ich konnte und es war köstlich.

Im weiteren Verlauf stand ich dann unter mehr oder weniger intensiver Beobachtung meiner Freunde und erst die Wirkung des Canadian-Club-Wiskeys, von dem wir einen ordentlichen Vorrat mitführten, verdrängte die besorgte Aufmerksamkeit.
Als ich dann auch am nächsten Morgen noch nicht verstorben war, sondern putzmunter aus dem Schlafsack kroch, wollten plötzlich alle zum Frühstück Pilze. Gesammelt und zubereitet waren die schnell und alle haben sie dann gegessen – auch unser kanadischer Pilot.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wir sind Friedensnobelpreisträger!

Eine naheliegende Überschrift, die höchstwahrscheinlich jedem Deutschen sofort nach der Zuerkennung des Friedensnobelpreises an die EU in den Sinn kam, denn nachdem wir schon seit geraumer Zeit Papst sind (Gääähn), wurde es Zeit für einen neuen, internationalen Großtitel. „Exportweltmeister“ klingt ja mittlerweile auch schon recht abgestanden und ist zudem auch noch falsch.

„Exportüberschussweltmeister“ wäre die richtige Bezeichnung, aber das sagt man lieber nicht, würde es doch sofort klarstellen, dass das fortwährende Mantra, wir würden über unsere Verhältnisse leben, einfach falsch ist. Ein Land, welches mehr exportiert als importiert lebt UNTER seinen Verhältnissen und ist dadurch auch noch in erheblichem Umfang mitverantwortlich für die Balanceprobleme in der Eurozone. Wir nehmen solche Begriffsverkürzungen mittlerweile als völlig normal hin und über das tägliche Trommelfeuer von Halb- und Falschinformationen durch die Politik, egal ob Regierungsparteien oder Opposition, durch Lobbyistenorganisationen und Medien, zucken wir nur noch mit den Schultern.

Bei all der Unaufrichtigkeit gibt es Gott sei Dank aber eine ehrliche Haut und das ist unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel. Ihre elegante Erscheinung, ihre modische Extravaganz und nicht zuletzt ihre Aufrichtigkeit, ihre Bescheidenheit, ihr Fleiß und ihre intelligente Weitsichtigkeit treibt ihre Beliebtheitswerte im Volk in ungeahnte Sphären, so berichten es jedenfalls die Qualitätsmedien übereinstimmend. Nachstehendes Video eines öffentlichen Auftritts der Kanzlerin letzte Woche in Stuttgart verdeutlicht auf Feinste, wie beliebt die Kanzlerin ist, wie das Volk gebannt ihren hochintelligenten Ausführungen lauscht:


Falls jemand nun „Lügenpack“ und „Hau ab“ verstanden hat, so können damit nur die hinter der beliebten Kanzlerin aufgereihten Klatschaffen gemeint sein. Ach ja, und wenn man diesen Vortrag nach einer Minute abgeschaltet hat – ich kann versichern, auch nach 13 Minuten kann man kein Wort verstehen und - es hat niemand das Podium gestürmt, es flogen weder Eier noch Tomaten, denn wir sind ja nicht umsonst Friedensnobelpreisträger.

Samstag, 6. Oktober 2012

Murmeltier, oder: Tief im Süden nichts Neues

Zu Steinbrück wurde hier bereits alles gesagt. TITANIC hat es auf den Punkt gebracht:
„SPD hat entschieden: Merkel bleibt Kanzlerin bis 2017!“ Na und? Schlimmer als Steinbrück ist die auch nicht.

Ja , und dann hatte wir noch den „Tag der Deutschen Einheit“ und auch dazu kann ich nur wieder auf bereits Gesagtes zurückgreifen , denn das Kurzzeitgedächtnis mag zwar inzwischen gelitten haben, die Sauereien von Kohl, Schäuble, Waigel uva. werde ich denen, allem pathetischen Feiertagsgelaber zum Trotz, nie vergessen.

Na. dann ist da ja noch das Allerwichtigste: 50 Jahre James Bond! Ein Geburtstag, den zu zelebrieren mich die TAGESSCHAU und die HEUTE - Redaktion seit 2 Tagen in jeder Ausgabe anmahnt. Auch darüber habe ich mich schon mal echauffiert. Den kaum überhörbaren Hinweis, dass in diesem Herbst der neue „James Bond“ in die Kinos kommt, in den nächste Tagen also, hat mit dem Geburtstagstrallalla natürlich nichts zu tun. Wenn dann auch noch die Österreicher in der ZIB2 und die 3sat –Kulturzeit ins gleiche Horn tuten, dann weiß ich, dass die ARD auch diesmal die TV-Rechte für diesen Schmarrn gekauft hat und uns demnächst wieder mit der halbjährlichen Wiederholung aller James-Bond- Aktivitäten seit Dr. No traktieren wird.

Wie oben schon gesagt: Tief im Süden nichts Neues!

Montag, 1. Oktober 2012

Und der Haifisch...

J. Ackermann....der hat Zähne und die zeigt der Ackermann wenn er so sympathisch lächelt. Mich gruselt es bei diesem Anblick. Oh ja, auch die Banken haben Fehler gemacht, die Deutsche Bank aber nicht, denn sie ist ja ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen. Sicher, es sind auch unentschuldbare Libor-Betrügereien vorgekommen, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung. Die Betrüger wurden inzwischen entfernt und das stimmt wohl, ist doch Ackermann selbst das beste Beispiel.

Eine Viertelstunde lang höre ich dem eiskalt grinsenden Raffke beim Selbstbeweihräuchern zu und als er zum wiederholten Male erzählt, dass die Deutsche Bank ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen wäre, da bleibt nur noch das Not-Aus. Weder Bübchen Jauch, noch der unbedarft schwafelnde „Rote Danie“ Cohn-Bendit kommen auf die Idee, diesem selbstgefälligen Victory-Banker vorzuhalten, dass auch die Deutsche Bank sauber den Bach runtergegangen wäre, wären nicht weltweit Abermilliarden aus Steuergeldern zur Rettung von Banken, Versicherungen und ganzen Staaten ins Finanzsystem gepumpt worden.

Hilflos gegen den Fernseher zu schimpfen ist nicht unbedingt mein Fall und bevor ich vor Wut platze, schalte ich um und schaue lieber dem organisierten Verbrechen in Göteborg bei der Arbeit zu.

Freitag, 28. September 2012

Der Beweis

Bibi Netanjahu, der israelische Ministerpräsident, galt uns bis gestern als paranoider Kriegstreiber, weil wir einfach nicht glauben wollten, dass der Iran eine Atombombe bastelt, um Israel auszulöschen. Jetzt stehen wir mit unserem, vom Zentralrat der Juden als latent konstatierten, Antisemitismus (Ja doch, ich geb’s ja schon zu!) doch ziemlich beschämt da.

Bibi Netanjahu
Netanjahu präsentierte vor der UN-Vollversammlung eine streng geheime Bombenzeichnung, die den Entwicklungsstand des persischen Atomprogramms eindeutig darstellt. Die hochkomplexe, technische Zeichnung stammt aus der gleichen Geheimdienstquelle, die seinerzeit auch die Beweise für die Massenvernichtungswaffen des Iraks lieferte. Wer wollte da Seriosität und Glaubwürdigkeit bezweifeln und warum sollte, was gegen den Irak so reibungslos funktionierte, nicht auch gegen die Perser funktionieren? Gehen wir also davon aus, dass der Iran angegriffen wird, natürlich erst nach den Präsidentschaftswahlen in den USA.

Dienstag, 25. September 2012

Ehre, wem Ehre gebührt

KohlNatürlich, aber auch nur dem und dem Ex-Kanzler Kohl gebührt sie nun wirklich nicht. Da mag er noch so mitleiderregend im Rollstuhl sabbern. Dieser unsäglich selbstgefällige Fleischberg befindet sich nach wie vor im Stande des vorsätzlichen Rechtsbruchs und dass er dafür nicht belangt wird, muss als Anerkennung für seine höchst zufällige Rolle als „Kanzler der Einheit“ absolut reichen.

Überhaupt ist selbst dieser Einheitskanzler-Mythos recht fragwürdig, denn außer dass Kohl zufällig zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Ostblocks im Amt war, ist sein aktiver Beitrag zur Vereinigung doch eher marginal. Immer musste der König des Aussitzens zum Jagen getragen werden und seine Fehleinschätzungen - Gorbatschow = Goebbels, 10-Punkte-Plan – waren eher kontraproduktiv.

Wirklich schlimm ist aber Kohls Rolle bei der administrativen Durchführung der Wiedervereinigung. Der Bimbeskanzler hatte einzig den Machterhalt im Auge und dafür nutzen Kohl und seine Paladine Schäuble, Waigel, Krause uvam. die Naivität und Unerfahrenheit der Ostdeutschen schamlos aus. Mittels des dubiosen Konstrukts der Treuhand wurde die komplette DDR-Wirtschaft plattgemacht und alles , was dort irgendwie von Wert war, wurde im Ruck-Zuck-Verfahren windigsten Geschäftemachern aus dem Westen zugeschustert. Statt versprochener, blühender Landschaften entstanden entvölkerte Ödgebiete und Schuldenlasten, für deren Zinszahlungen ein Viertel des jährlichen Staatsetats aufgebracht werden muß. Die Gläubiger kennen wir natürlich nicht und weil Kohl von ihnen profitierte, wird er sie nicht nennen. Die Schweigepflicht, die Omerta, gereicht einem Mafiosi zur Ehre. Nun denn, CDU, Ehre wem Ehre gebührt.

Tief im Süden

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