Freitag, 14. September 2012

Fankultur - Kultur?

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Das Fragezeichen ist natürlich eine gezielte Provokation, denn wenn selbst die „3sat-Kulturzeit“ der Fankultur, insbesondere der Kultur der sogenannten „Ultras“ in den Fußballstadien, einen Beitrag widmet, dann erübrigt sich das Fragezeichen selbstredend. Mir bereitet diese Art „Kultur“ aber schon seit Jahren gewaltige Bauchschmerzen. Diese sogenannte Fankultur hat, zumindest in Deutschland, keine eigenen Ideen, diese „Kultur“ äfft nur nach. Outfit, Sprüche, Parolen, Liedgut und selbst Gesten – es ist alles nur geklaut, imitiert – nachgeäfft eben.

Vor Jahren zogen Horden englischer Hooligans durch Europa, demolierten regelmäßig die Kanalfähren und pöbelten und prügelten sich durch die Städte und Stadien. Nachahmer, you never walk alone, fanden sich sofort in der Bundesliga und in ganz Europa. Die Toten der Hysel-Katastrophe in Brüssel 1985 waren dann der vorläufige Höhepunkt. Danach wurden die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren und heute werden zu jedem Bundesligaspiel Hundertschaften von Polizei herangekarrt, um die latente Gewaltbereitschaft der „Fans“, oder wie es in den Medien heißt, der „Treuesten der Treuen“ im Zaume zu halten. Merkwürdigerweise schämen sich diese „Fans“ nicht, wenn sie von einem dichten Polizeikordon umringt, wie eine Viehherde vom Bahnhof zum Stadion geleitet werden. Nein, sie glauben auch noch, ihr Grölen von aggressiven Primitivparolen und besoffenes Rumproleten sei ein wichtiger Beitrag zur Leistungssteigerung der eigenen Mannschaft unten auf dem Rasen.
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In den letzten Jahren haben die Clubs mehr und mehr die Steuerung der „Fans“ übernommen. Die sogenannten „Choreos“, die Massenchoreographien nach dem Vorbild der Nazis oder Nordkoreas, sind ohne die Beteiligung der Clubs wohl kaum zu bewerkstelligen. Der echte „Ultra“ hält sich für wichtig, wenn er einen Pappkarton in die Luft halten darf oder ritualisierte Stammellyrik grölt. Das ist zwar völlig belangloser Quark, aber wenn’s den „Ultra“ ruhig stellt – sei’s drum. Dass die Clubs in Zusammenarbeit mit den Medien diese ziemlich kindische Bereitschaft zum Nachäffen als Geldmaschine nutzen, ist zwar moralisch fragwürdig, aber systemgerecht. Der echte "Fan" hat mittlerweile verinnerlicht, dass einzig der Erwerb des jährlich neu aufgelegten Mannschaftstrikots als Nachweis eiserner Treue dienen kann. Zwischenzeitlich muss er schon 2 erwerben, denn nur wer Heim- und Auswärtstrikot sein eigen nennt, kann als wahrer "Fan" gelten.

Natürlich ahnt selbst der dämlichste unter den „Fans“ im ein oder anderen lichten Moment, dass er von einer Fußballindustrie gnadenlos abgezockt wird und deshalb erwartet der "Fan" eine Gegenleistung. Aber Hustekuchen, er zahlt, er macht sich zum Deppen, er trommelt und grölt, er gibt alles und dennoch rennen seine Helden auf dem Rasen nicht schneller, schießen überall hin, nur nicht ins Tor und dümpeln ziemlich langweilig irgendwo in der Tabelle rum oder müssen gar absteigen. Da greint der "Ultra" dann entweder herzzerreißend in irgendeine TV- Kamera oder wird richtig wütend. Dann bedroht er auch schon mal den blöden Pezzoni vor dessen Wohnung oder bricht dem Kadlec, dem Drecksack, nächtens das Nasenbein. Nicht mal mit Pyrotechnik rumkokeln lässt man den „Ultra“ , wo doch jeder weiß, dass Kinder zu gern mit Feuer spielen. Manno!

So, das musste ich mal los werden und jetzt warte ich gespannt auf den morgigen Nachmittag. Da muss meine geliebte Werkself in Dortmund antreten und ich setze mich mit meinem neuen Bayer04-Auswärtstrikot vor den Laptop um die erwartbare Niederlage mit wilden Flüchen gegen diese undankbaren Rolfes, Schürrles oder Kieslings zu begleiten. Da hängt man sich voll rein, aber dieser arrogante Sauhaufen läuft einfach nicht schneller - Manno!

Mittwoch, 12. September 2012

Eurokratie heute

An manchen Tagen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da lausche ich am Morgen meinem Lieblingssender, „Langeweile 207“ (so interpretierten unsere Kinder die Kennung LW 207 des Deutschlandfunks am Display des Autoradios) und erfahre vom CDU-„Vordenker“ Karl Lamers, dass den Urteilen des Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bisher eine falsche, weil national-zentrierte, Gesinnung zu Grunde lag. Ausgerechnet am BVG dürfe die Überwindung der Europa-Krise nicht scheitern. Überhaupt sei es völlig unangemessen, dass jeder Depp, Lamers sagt natürlich nur „jeder“, in Karlsruhe klagen dürfe und natürlich begrüßt er die Ansicht des Ex-Außenministers Genscher, der In einer Kolumne für den „Tagesspiegel“ den Klägern gegen den ESM Missbrauch des Klagerechts vorwirft. Genscher wörtlich:

In der Euro-Frage nach Karlsruhe zu gehen, ist ein Missbrauch des Rechts. Die deutsche Verfassung beinhaltet die Pflicht, die europäische Integration zu befördern.“

Und im weiteren Verlauf zetert Genscher:

„Die Versuche, sich durch die Hintertür über die Anrufung des Bundesverfassungsgerichts die Möglichkeit einer Korrektur der Entscheidungen der Parlamente zu eröffnen, kann bei missbräuchlicher Wahrnehmung zu einem Verstoß gegen das Demokratiegebot führen. Wir verfügen über handlungsfähige Gesetzgebungsorgane und in Europa gibt es das Europäische Parlament. Zu den Aufgaben des Bundesverfassungsgerichts gehört es auch, die Funktionsfähigkeit der Verfassungsorgane zu wahren. Das gilt natürlich gegenüber dem Versuch, das Recht auf Anrufung des Bundesverfassungsgerichts zu missbrauchen, um den europäischen Einigungsprozess in Deutschland und von Deutschland aus in Europa zu erschweren oder gar zum Stillstand zu bringen.“

Aha, wenn also diese großartigen, handlungsfähigen Gesetzgebungsorgane verfassungswidrige Gesetze beschließen, was ja erfahrungsgemäß nicht ganz auszuschließen ist, da eigentlich jedem Gesetz der derzeitig handelnden Gesetzgebungsorgane vom BVG Verfassungswidrigkeit bescheinigt wurde, so ist also die Anrufung des BVG zur Überprüfung dieser zunehmend zweifelhafteren Gesetze ein Missbrauch des Rechtsweges? OH Verzeihung, man lernt nie aus!

Auch heute entsprach das ESM-Gesetz, wen wundert’s, nicht dem Buchstaben und Geist des Grundgesetzes. Mittlerweile aber haben die Finanzakrobaten in Berlin, Brüssel, London und New York unsere Grundrechte soweit ausgehöhlt, dass selbst die Richter in Karlsruhe die Macht des Faktischen akzeptieren müssen. Erwartungsgemäß hat das BVG das ESM-Machwerk durchgewinkt, hat zur Gesichtswahrung ein paar Grenzlinien benannt, und die Bundesregierung bedankt sich, wie üblich, für die Klarstellung.

Natürlich werden auch diese Grenzlinien in Kürze überschritten werden – überschritten werden müssen - wegen, wir kennen das nun schon bis zum Erbrechen, wegen Alternativlosigkeit, weil ein ESM mit eingebauter Höchstgrenze die Spekulation natürlich wieder anheizt. Dann wird wieder aufgestockt, dann wird Gauweiler wieder dagegen klagen und Karlsruhe wird immer mehr zur Lachnummer.

Es sind nicht die Kläger, die, wie Genscher jammert, durch die Hintertüre etwas erreichen wollen, es ist die Riesenkoalition in Berlin, die die Offenheit scheut und ihre Vorhaben durch die Hintertüre durchboxt. Das ganze unwürdige Geschachere, Gewürge und Gezerre wird erst enden, wenn endlich ehrlich Stellung bezogen wird. Merkels „Stirbt der Euro, stirbt Europa!“ ist so unglaublich dämlicher Quatsch, dass es schon wehtut. Wenn sie aber sagen würde - „Wir wollen um des Friedens willen ein vereinigtes Europa, auch mit einer einheitlichen Währung, und deshalb brauchen wir einen Länderfinanzausgleich - deshalb brauchen wir Eurobonds!“ - das wäre ehrlich, denn de facto sind ja der ESM und die EZB-Ankäufe schon kaschierte Eurobonds. Ehrlichkeit? Lacht da jemand höhnisch? Ehrlichkeit von einem Schäuble, einem Söder, einem Niebel, einem Steinbrück usw.? Stimmt, ist wohl ein wenig zu viel verlangt!

Freitag, 31. August 2012

Watten Fall von Dreistigkeit

Oh, du wunderbare Privatisierungswelt. Mit den abgeschalteten Schrottmeilern „Brunsbüttel“ und „Krümmel“ lässt sich kein Profit mehr machen. Das ist blöd, aber wohl nicht mehr zu ändern. Da sich die strahlenden Dinger nun nicht einfach in Luft auflösen, sondern aufwendig zurückgebaut werden müssen, bleibt ein gewisses Risiko, für das der Betreiber, die schwedische Vattenfall AB und der schwedische Staat in der Haftung stünde. Das ist auch blöd, lässt sich aber leicht ändern. Die Vattenfall Europe AG wird einfach in die Vattenfall GmbH umgewandelt. Diese gehört jetzt noch immer zu 100 % den Schweden, aber die Haftung sind sie mit einem Federstrich los, denn nun ist die Haftung der Gesellschaft halt beschränkt und die unbegrenzte Haftung liegt nun beim deutschen Steuerzahler, der ja sowieso schon für den Rückbau der Meiler und die Endlagerung des Atommülls aufkommen muss. Atomstrom ist ja sooo günstig!

„Vattenfall will schlankere und einfachere Strukturen schaffen und dadurch Abläufe verbessern und Kosten senken“ heuchelt Vattenfall zur Begründung der Umwandlung und man sollte bei solcher Dreistigkeit doch eigentlich einen empörten Protest der Bundesregierung erwarten. Aber von dort hört man nichts, weil die, und darauf kann Vattenfall sich verlassen, genau wie die Haftung, beschränkt ist.

Aber was rege ich mich auf? Es ist doch mittlerweile völlig normal, dass z.B. ein Energiekonzern wie EON drei Milliarden Euro Gewinn im ersten Halbjahr 2012 meldet und im gleichen Atemzug den Abbau von 6000 Mitarbeitern ankündigt. Fröhlich erklärt man, dass der Gewinn hauptsächlich dem Gasgeschäft entsprang. Dass man gesunkene Einkaufspreise als Preiserhöhungen an die Endkunden verkaufte, sagt man natürlich nicht. Na und? Es herrscht Ruhe im Land. Auch dann, wenn sinkende Strompreise an der Strombörse auf wunderbare Weise in Preiserhöhungen für die Endkunden umgewandelt werden. Was sind schon lächerliche 3 ergaunerte Milliarden, gegen ein Haftungsrisiko für Schadenersatz bei Schlamperei und Missmanagement im Netzausbau? Peanuts, genau, und deshalb übernimmt die Allgemeinheit die Haftung. Es herrscht weiterhin Ruhe im Land.

Ach, man möchte gar nicht mehr aufhören sich aufzuregen, z.B. über die sogenannten Experten der sogenannten Troika, die den armen Griechen Sparmassnahmen bis zur Auszehrung aufzwingen und, ganz wichtig, die Privatisierung von Eisenbahnnetz, Flughäfen, Seehäfen und ganzen Landstrichen auf griechischen Inseln einfordern. So wird die alte CDU/CSU-Forderung – „Die Griechen sollen ihre Inseln verkaufen“ - endlich doch noch Wirklichkeit und das z.Zt. etwas unsichere Geld der Internationale der Steuerhinterzieher (IDS) ist in sicheren Sachwerten gerettet. Aber was rege ich mich auf? Ist doch alles prima und es herrscht Ruhe im Land.

Donnerstag, 30. August 2012

Syrien – die Wahrheit, nichts als die…

Wer die täglichen Bilder der Qualitätsmedien aus Syrien bisher etwas skeptisch betrachtete, kann jetzt seine Zweifel ablegen. Das Nachrichtenmagazin „Titanic“ ist nun wirklich mainstreamkonformer Berichterstattung unverdächtig, aber wenn selbst dieses kritische Massenblatt dasselbe wie ARD oder ZDF berichtet, dann wird’s wohl stimmen – ääh - möglicherweise, vielleicht… Aber lesen Sie selbst:

Neues Massaker in Syrien ( ©Titanic )

Soldaten der Regierungstruppen sollen ein neues Massaker an der syrischen Zivilbevölkerung begangen haben. Gegen Nachmittag sei die Armee in ein etwas abseits gelegenes Dorf eingedrungen und habe ohne Vorwarnung auf die friedlich dösenden Bewohner geschossen. Unbestätigten Medienberichten zufolge hätten die Soldaten dann einzelne Gliedmaßen der Leichen abgetrennt und an die mitgeführten Schweine verfüttert. Die Überlebenden sollen anschließend mit Waffengewalt gezwungen worden sein, Bier der Marke "Trierer Löwenbräu" zu trinken und ihre gefüllten Blasen über Bilder süßer Kätzchen zu entleeren.
Der syrischstämmige Deutsche, von dem die Informationen stammen, hatte mit einem Verwandten in Damaskus telefoniert. Nach seiner Darstellung wurden der Dorfbevölkerung sogar Songs der Band Deichkind vorgespielt. In der darauffolgenden Massenpanik seien, wie ein Aufständischer der Schwester eines Freundes des Schwippschwagers des Informanten per SMS mitteilte, zehn Millionen Menschen ums Leben gekommen, überwiegend Frauen, Greise, Kinder, hilflose Journalisten, Behinderte und ehrenamtliche Sanitäter aus dem Ausland, die den Opfern zu Hilfe eilen wollten.
Der Aufständische, von dem die Informationen wahrscheinlich stammen, beruft sich seinerseits auf ein halbblindes Kamel mit Hörfehler, das ein verwackeltes Youtube-Video mit Bildern der schrecklichen Ereignisse gesehen habe. Mehr dazu heute abend wie immer in der Tagesschau.



Mittlerweile lernten wir, dass Deserteure, Al Quaida-Söldner und Islamisten Freiheitskämpfer sind, lechzend nach Demokratie und freier Marktwirtschaft. Präsident Baschar al-Assad hingegen mag noch so ruhige Interviews geben, mag uns mit Schlips und Kragen unaufgeregte Normalität vorgaukeln, er täuscht uns nicht, denn dankenswerter Weise erzählen uns unzählige Moderatoren und Kommentatoren tag-täglich vom blutsaufenden Despoten.

Ja, und dann noch dessen Freunde – die Russen, die Chinesen und, ganz böse, die Perser. Da trifft es sich natürlich gut, dass die israelische Regierung gewaltig mit dem Säbel rasselt und gar nicht mehr warten mag, den Iran anzugreifen. Das wäre dann zwar ein verbrecherischer Angriffskrieg, der unkalkulierbare Folgen für die gesamte Welt hätte, aber dazu gibt es kaum ein empörtes Wort in den Medien. Nein, eher das Schweigen der Belämmerten.

Dienstag, 21. August 2012

Fettehenne

„Nächster Halt – Fettehenne!“ Diese Ankündigung des Busfahres klang immer lustig, selbst nach Jahren der Gewöhnung. Fettehenne - ein Ortsteil der Stadt Leverkusen, an der B51 gelegen, am östlichen Aufstieg von der rheinischen Tiefebene zum Bergischen Land, beeindruckt durch seinen bildhaften Namen und - durch sonst nichts. Eine Tankstelle, eine Kapelle, 3 Kneipen, ein Edeka, ein (ehemaliger) Schlecker, ein paar bergische Fachwerkhäuser und ein paar Wohnsilos, errichtet Anfang der Sechziger von der Bayer AG auf ehemaligem Agrarland, durch deren Verkauf sich einige Bauern eine goldene Nase verdienten. Ein Straßendorf, so gesichts- und geschichtslos wie tausend andere in Deutschland. Aber da ist dieser einigermaßen kuriose Ortsname und der hat wohl die Redakteure des ZDF-Nachtjournals gestern veranlasst, Fettehenne als Beispiel für Ramsauers KFZ-Kennzeichnung-Schnapsidee auszuwählen. Eine Idee, einem bayerischen Populisten durchaus angemessen - teuer, sinnlos, aber äußerst populär bei Bild-Lesern.

Ist schon ein merkwürdig heimeliges Gefühl, wenn man, 10 000 km entfernt, plötzlich und unerwartet den Ort seiner Jugend, ja im Hintergrund sogar das Gebäude mit der damalig elterlichen Wohnung wiedersieht. Schon möchte man sich bei Ramsauer für seinen grenzdebilen Vorschlag bedanken, ohne den das ZDF Fettehenne wohl niemals auch nur eines Blickes gewürdigt hätte. Aber dann kommen Fettehenner ins Bild und lallen ihre begeisterte Zustimmung zum Vorschlag FHT ins hingehaltene Mikrofon. Da verflüchtigt sich meine nostalgische Heimeligkeit sofort und ich bin heilfroh, dass ich Richtung Leverkusen nur noch gegenüber meiner geliebten Werkself eine gewisse Emotionalität aufbringe. Aber auch da nur noch eine gewisse, denn wenn die in der neuen Saison wieder so einen Dreck spielt, dann …Nein, da will ich jetzt mal positiv denken.

Sonntag, 19. August 2012

War das "Marikana-Massacker" wirklich nur Notwehr?

Die Polizei behauptet es und Filmaufnahmen, die in den Nachrichtensendung weltweit gezeigt wurden, scheinen es zu belegen: Die Schüsse der Polizei auf die bewaffnet angreifenden Minenarbeiter waren reine Notwehr. Die 34 Todesopfer sind zwar zu beklagen, aber letztlich selbst schuld.
Hier noch einmal ein Zusammenschnitt verschiedener internationaler Nachrichtensender und deren Darstellung der Ereignisse:

Worldwide News Footage



Angesichts dieser Aufnahmen, die uns so auch sowohl in den deutschen Abendnachrichten, wie auch hier im südafrikanischen TV vorgeführt wurden, scheint klar: Die Streikenden rennen gegen die Polizeikette. Irgend ein Polizist verliert die Nerven, feuert aus Angst und sofort, wie bei einem Fehlstart, schießen auch die Nebenleute wahllos in die anstürmende Meute. Sekunden später befehlen Polizeiführer, das Feuer einzustellen, aber da ist das Entsetzliche schon geschehen und zahllose Körper liegen tot oder sterbend auf dem ausgedörrten Boden.

Aber nun schauen wir uns das grausame Geschehen mal aus einem anderen Winkel an, denn dankenswerter Weise hat der arabische Sender Al Jazeera uns dieses Filmmaterial nicht vorenthalten.

Al Jazeera Footage



Dieser Clip zeigt uns die Streikenden noch nicht rennend, sondern in langsamer und geduckter Vorwärtsbewegung und man sieht Polizeikräfte, die, hinter gepanzerten Polizeifahrzeugen verschanzt, von der Seite und von hinten auf die Demonstranten feuern. Ob es sich dabei um scharfe Munition, oder Gummigeschosse handelt, ist nicht erkennbar, aber dass die Streikenden nach diesem Beschuss um ihr Leben rennen, ist wohl logisch. Sie rennen in ihr Verderben, denn 100 Meter entfernt wartet die Polizeikette, die wir im oberen Film von hinten sahen, und die feuert nun aus allen Rohren gegen die vermeintlich Angreifenden, wohl aber eher Fliehenden. Ein Fall von putativer Notwehr - wohlwollend betrachtet.

Natürlich ist das jetzt nur meine Interpretation und möglicherweise sehe ich das nicht richtig, aber dass uns die offiziellen Nachrichten nicht vollständig informieren, ist sicher nicht zu bezweifeln.

Eins ist selbstverständlich auch klar: Die 3000 Streikenden der AMUC-Gewerkschaft hatten die Lonmin-Mine, die insgesamt 24 000 Menschen beschäftigt, seit über einer Woche illegal lahmgelegt und haben in der letzten Woche mindestens 10 Menschen umgebracht, darunter 2 Polizisten. Wenn man sich zum Toi-Toi, zum Protest also, nicht nur mit den tradionellen Stöcken bewaffnet, sondern auch mit Macheten, Speeren und sogar Feuerwaffen, dann erzeugt Gewalt Gegengewalt.

Allerdings ist die Rolle der Verantwortlichen in Regierung und Behörden Südafrikas auch ein einziges Trauerspiel. Sie wollten den illegalen Streik beenden, die Ordnung wieder herstellen. Zur dazu notwendigen, vorausschauende Planung sind die meist durch Vetternwirtschaft und Beziehungen in Führungspositionen gelangten Personen aber kaum in der Lage. Als Resultat sind nun 34 Tote zu beweinen. Das Ausmaß an Ignoranz, Korruption und Inkompetenz lässt für die Zukunft Südafrikas nichts Gutes ahnen.

Freitag, 17. August 2012

Pussy Riot

Wären die jungen Frauen von „Pussy Riot“ für ihre „Musik“ mit 2 Jahren Lagerhaft bedacht worden, so hätte ich das für überaus angemessen gehalten. Talentloses Gejaule im 120 Dezibelbereich ist nun mal vorsätzliche Körperverletzung und unkoordiniertes Gehampel verletzt mein Rhythmusgefühl ungemein.

Aber groteskerweise war das für das Moskauer Gericht nicht mal einen Nebensatz wert. Schuldig des „Rowdytums aus reliösem Hass“ urteilte das zaristisch-putinsche Amtsgericht, was an sich schon ein Witz ist. Religiöser Hass? Wenn in einer Kirche musikalisch die Jungfrau Maria angefleht wird, Russland von Putin zu erlösen, so spricht das doch eher für einen festen Glauben.

Noch lächerlicher aber wird das ganze Verfahren, wenn sich ausgerechnet Putin, der alte KGB-Spitzel, für den Schutz religiöser Gefühle stark macht. Er, der zu Zeiten der UDSSR Dissidenten nachstellte, für den Religion offiziell als Opium fürs Volk galt und der nichts dabei fand, dass Tausende von Kirchen zu Lagerhallen und Viehställen umfunktioniert wurden. Gut, seit 1990 ist er russisch-orthodox erweckt, ist eifriger Kirchgänger, aber christlicher Nächstenliebe, nein, der kann er nichts abgewinnen.

„Pussy Riot“ allerdings sollte sich um die Zukunft auch nicht sorgen. So eine weltweite Werbekampagne für talentlose Hupfdohlen gab es noch nie und wenn die in einigen Monaten wegen guter Führung entlassen werden, werden die Plattenfirmen mit Verträgen schlangestehen – möglicherweise warten die schon jetzt vor dem Gefängnistor.

Nein, Danke, ich möchte die CD nicht, nicht mal geschenkt.

Dienstag, 14. August 2012

Always look on the white side

Es starrt mich jetzt schon seit Tagen an, oder besser: ich starre auf, das leere, weiße Seitenlayout des Word-Dokuments. Versuchsweise tippe ich zaghaft irgend ein Reizwort in die Tastatur, Merkel z.B, oder Eierlaufen, in der vagen Hoffnung, dadurch in meinem paralysierten Hirn einen Quell sprudelnder Boshaftigkeiten und empörter Schmähungen freizulegen. Nichts! Selbst der Komparativ von „blöd“, Söder nämlich, konnte bei mir weder durch seine dummdreiste Griechenbeleidigung, noch durch die Zurschaustellung seiner widerwärtigen Hackfresse in der SZ einen Schreibimpuls auslösen. Nichts ist blöder als Markus Söder, denn dass gerade dieser egomanische Karrierist die Griechen auffordert, nun endlich bei Mama auszuziehen, wo er selbst sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich bei „Mutti“ einziehen zu dürfen, ist nicht nur nicht komisch, sondern einfach nur grauenhaft.

Ach so, da war ja noch das Eierlaufen, oder war’s das Sackhüpfen, welches die deutschen Medien endlich über „Gold für Doitschland“ jubilieren ließen. Nee, Leute, auch dazu fällt mir nichts ein, denn nur Söder ist noch öder.

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