Sonntag, 4. September 2011

Also sprach...

Dr. Traudl Bünger...Dr. Traudl Bünger im „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens SF, dessen Wiederholung in 3sat ich gerade verfolge: „Großartig diese Sprache. Ich bin ja das erst Mal damit in Berührung gekommen und habe mir jetzt sofort seine Gesamtausgabe bestellt.“
Das ist bemerkenswert, ist Frau Dr. Bünger doch studierte Germanistin und lt Xing auch Dozentin an den Unis von Bonn und Bochum. So eine Aussage zu Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ macht dann doch stutzig. Gut, Frau Bünger ist erst 36 Jahre alt und der olle Kleist ist ja nun schon 200 Jahre tot, aber irgendwie fragt man sich doch ziemlich erschrocken, was man denn heutzutage in Germanistik so studiert.

Samstag, 3. September 2011

Geschafft!

Nein, keinesfalls geht es um Geschäfte. Wiederaufbau der Infrastruktur, Hilfe für die befreiten Libyer – einzig das liegt ihnen am Herzen. Freude schöner Götterfunke, endlich Demokratie, the wind of change, und – Geld ist doch genug da, lagert sogar schon im interessierten Ausland. Jetzt ist Zahltag und die Nato-Bomben waren teuer.

Libyenkonferenz Paris

Die Fledderer stehen in freudiger Erwartung, dicht gedrängt, das Ölkännchen noch verschämt hinter dem Rücken versteckend, das tumbe Merkel und das froschfressende Sackgesicht, das perfide Albion, der schmierige italienische Schlagersänger, natürlich die Vertreterin des Landes der Freien und Tapferen und allerlei sonstiges Politgelichter.

Sie alle haben noch vor kaum 6 Monaten dem libyschen Potentaten, diesem grausamen Menschenschlächter, diesem irren Terroristen, ihre buckelnde Aufwartung gemacht, haben seine „Schergen“ mit modernsten Waffen gerüstet und Verträge zur Abwehr afrikanischer Armutsflüchtlinge geschlossen. Na und? Kann man alles auch mit einer neuen Regierung machen. Leichter allerdings, denn diese Neuen tanzen nun nach einer neuen Pfeife, endlich, den, uns ach so vertrauten, Tanz ums ölige Kalb.

Das nächste Gruppenbild mit Damen erwarten wir aus - nein, nicht aus Damaskus. Syrien hat Pech, die haben kein Öl. Aber Teheran wäre doch ein lohnender Versammlungsort. Die Perser von ihren blutsaufenden, irren Ayatollahs zu befreien, sollte aufrechten Nato-Demokraten doch eine Herzensangelegenheit und jede kriegerische Anstrengungen wert sein.

Sonntag, 21. August 2011

Südafrika – dünn ist das Eis

Wieder einmal gibt es traurigen Anlass für einen Bericht hier von der Südküste. Zwei junge Männer verloren am letzten Wochenende ihr Leben. Der eine, KC Davey, war ein 17-jähriger weißer Schüler, den ein betrunkener Taxifahrer anfuhr. Der Taxifahrer flüchtete von der Unfallstelle und der Junge verstarb noch am Unfallort. Der andere Tote, Landile Mampuso (26), war schwarz und wurde letzten Sonntagnachmittag von drei weißen Rassisten (46, bzw. 33 Jahre alt) in Margate totgeschlagen.

Landile Mampuso war beim Margate Country Club als Handyman beschäftigt, sorgte für Ordnung in Duschen und Umkleideräumen, besserte als freundlicher Schuhputzer sein Einkommen auf und wir Golfer mochten ihn einfach. Folgt man der Berichterstattung in der hiesigen Lokalpresse, so gab es aus nichtigem Anlass einen Kneipenstreit. Landile flüchtete wohl nach draußen, wurde von den mutmaßlichen Totschlägern verfolgt, eingeholt und dann so brutal geschlagen und getreten, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus seinen schweren Verletzungen ( Schädel-, Kieferbruch uvm.) erlag.
Die beiden Todesfälle haben nun eigentlich nichts miteinander zu tun, aber dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit – über beide Fälle berichtete die hiesige Lokalpresse am letzten Donnerstag. Und diese Berichterstattung wirft ein Schlaglicht auf die Fragilität der hiesigen Gesellschaft in der Post-Apartheid-Zeit.
SC Fever1SC Fever2SC Fever3SC Fever4
Über den Tod des weißen Jungen berichtet die Lokalzeitung mit Bild auf der 1. Seite, prominent mit Kondolenzadressen und Bildern auf der ganzen Seite 3. Den Bericht über Landile Mampusos schreckliches Ende findet man kurz angedeutet auf Seite 1 und dann ziemlich versteckt auf Seite 6. Gut möglich, dass sich die Redaktion Sorgen gemacht hat wegen eventueller Reaktionen der schwarzen Bevölkerung, ist doch der rassistische Hintergrund dieses Totschlags offensichtlich. Nicht umsonst etwa die Aufforderung, Ruhe zu bewahren, durch den Sprecher der Distriktverwaltung, denn da z.Zt. auch noch die Kommunalarbeiter streiken und weil Streiks hier immer von recht aggressiven Ritualen begleitet sind, fürchtet man wohl, dass dieser Totschlag ein Funke an einem sowieso latent explosiven Gemenge sein könnte. Diese Befürchtung teile ich allerdings nicht.

Donnerstag, 11. August 2011

Entrümpelung

Ja, die Zeiten sind schlecht und für Hohn und Spott, ja auch für bösartige Bemerkungen gibt es täglich hinreichende Anlässe. Heute jedoch ist das Wetter hier einfach großartig und der nahende Frühling lässt sein blaues Band bereits jetzt lieblich flattern. Außerdem hat sich die Kaufkraft unserer Rente in der letzten Woche um fast 10% erhöht, weil der EURO merkwürdigerweise genau jetzt zum RAND täglich an Wert gewinnt. Das muss natürlich nicht so bleiben, aber momentan freut uns das ungemein und da wir so froh gestimmt gibt's hier jetzt ein paar olle Videos, von denen ich hoffe, dass sie noch nicht zu ausgelutscht sind.

Also, zuerst mal das Britisch Okulele Orchestra:



Und wer's etwas poppiger mag - hier kommt der erstaunliche Howard Wong:



Und nun zum Schluß noch etwas für die feixende Phantasie. Wir stellen uns vvor , wir wären das Ross und von hinten käme der Ackermann (wahlweise jeder andere Unsympath ganz nach Belieben) und wolle uns treiben:



Ich entschuldige mich bei allen, die diese Clips schon kannten, aber irgendwann musste ich meine Olle-Videoclips-Kiste ja mal entrümpeln und jetzt ist auch erstmal wieder Ruhe.

Crisis! - What crisis?

Es sei die schlimmste Krise seit dem 2. Weltkrieg, meint der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und kauft nun im großen Stil italienische und spanische Staatsanleihen, um den Staatsbankrott dieser Länder zu verhindern. Im Klartext heißt das, dass die EZB die Notenpresse angeworfen hat, was natürlich den Euro weiter schwächt und jeder zusätzliche Euro-Schein ein Schritt in Richtung Inflation ist. Dieses Vorgehen widerspricht zwar allen hehren Grundsätzen bei der Einführung des Euro und der Installation der EZB, scheint aber die Bundeskanzlerin nicht weiter zu beunruhigen. Erstens hat sie Urlaub und zweitens hat sie als Diplom-Physikerin mit FDJ-Background von Finanz- und Wirtschaftsfragen sowieso keine Ahnung. Wenn es etwas zu sagen gibt, so überlässt sie das einem Fachmann.

Also tritt vor die versammelte Presse - Täterätaa – der Bundeswirtschaftsminister Dr. med. Phillip Rösler. Der schaut mit bübchenhaftem Dackelblick in die Kameras, spitzt den Mund zur Schnute und fordert einen EU-Stabilitätspakt, mit Schuldenbremse, Sanktionsmöglichkeiten und allem Pi-Pa-Po, und das werde er im September seinen EU-Kollegen erklären. Zwar ist dieser Vorschlag ein alter Hut und schon mehrfach gescheitert, weil kein Staat in der EU die eigene Finanzhoheit aufgeben und an die EU abtreten wird, zwar brennt in Europa langsam die Hütte, im wahrsten Sinne des Wortes, aber Rösler leiert seinen Text gut auswendig gelernt und fehlerfrei in die Mikrofone. Sehr Vertrauen erweckend und lieb Vaterland mag ja dann ruhig sein.

Bleibt nur noch zu klären: Wo steckt eigentlich dieser ausgewiesene Finanz- und Wirtschaftsfachmann von der SPD, der Kanzlerkandidat in spe, Peer Steinbrück? Abgetaucht , weil auch mit dem Latein am Ende?

Mittwoch, 10. August 2011

Überraschung?

Riots LondonGanze Häuserzeilen bewusst angezündet und in hellen Flammen, Busse und Autos attackiert und niedergebrannt, Geschäfte zerstört und geplündert – die Bilder aus England sind erschreckend. Aber sind sie auch überraschend, wie uns nun erzählt wird? Hinsichtlich Ort und Zeitpunkt sicherlich, aber kann man wirklich überrascht sein, wenn jungen Menschen jede Zukunftsperspektive genommen wird. Wenn auf der einen Seite Banken und „Anleger“ mit Billionenbeträgen „gerettet“ werden und; da ja deshalb nun gespart werden muss, die Mittel für Jugend- und Sozialarbeit um 75% gekürzt werden. Wenn sich Manager und Investmentbroker nach wie vor Gehälter und Boni in Millionenhöhe genehmigen, Tausende von jungen, arbeitsfähigen Menschen aber keinen, oder höchstens einen niedrigst entlohnten, Job bekommen. Wenn Arme gegen Arme aufgehetzt werden und wenn sich Politiker mit Medienunternehmern gemein machen, deren einziges Ziel Profitmaximierung ist und die im beiderseitigen Interesse die Gehirne der Menschen mit dem schwachsinnigsten Schrott verkleistern.

Das ist nicht nur in England so. Die Gier als Triebfeder eines nur noch an schnellstmöglichen Profit orientierten Wirtschaftssystems reißt weltweit alle Beschränkungen ein, die die Marktwirtschaft über Jahrzehnte zu einer sozialen und dadurch akzeptabel machten. Jeder spürt das hilflose Agieren der Politik, der die Krise mehr und mehr über den Kopf wächst und das Unbehagen und die Unsicherheiten bei den Menschen der Mittel- und Unterschicht, egal in welchem Land, verdichtet sich zu einem explosiven Gemenge. Da genügt dann ein Funke, ein Schuss eines Polizisten z. B., und der Laden geht hoch. Überrascht? Nein wirklich nicht. Eher verwundert, dass es so lange ruhig geblieben ist.

Sonntag, 31. Juli 2011

Erfahrung und Weitsicht

Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Die Dresdener Zuschauer lagen sich wegen einer „Pokalsensation“ in den Armen und wieder einmal ergießen sich Spott und Häme kübelweise über meine geliebte Werkself und über Michael Ballack im Besonderen. Oberflächlich betrachtet kann man das ja auch nachvollziehen und auch mir blieb zunächst nur ungläubiges Kopfschütteln. Da spielt eine hochüberlegene Bayer 04-Truppe einen komfortablen 3 : 0-Vorsprung heraus, spielt 66 Minuten erstklassigen Fußball gegen hoffnungslos überforderte Dresdener, deren Dynamo wenig dynamisch agiert und dann darf Michael Ballack aufs Feld. Zur Ergebnisverwaltung für die letzten 24 Minuten, wie wir unbedarften Laien glauben. Wir ahnen natürlich nicht, dass Michael Ballack in geheimer Mission aufgelaufen ist und auch den Dresdener Anschlusstreffer, 2 Minuten nach Ballacks Einwechselung, verbuchen wir unter der Rubrik: Schönheitsfehler. Erst beim 2. Gegentreffer, nur weitere 2 Minuten später, begriff ich plötzlich die geniale Strategie des Leverkusener Trainers Robin Dutt und mit Michael Ballack hatte er den perfekten Spieler zur Umsetzung eingewechselt.

Robin Dutt in DresdenBallack in Dresden

Ballack leidet bis heute an der bitteren Erfahrung der Saison 2001/2002, als er auf 3 Hochzeiten gleichzeitig tanzend, im Pokal, in der Meisterschaft und in der Championsleague, jeweils die Endspiele erreichte und in allen drei Wettbewerben nur „2. Sieger“ wurde. Bayer 04 führt seit damals mit besonderem Stolz den Ehrentitel „Vizekusen“ als eingetragenes Markenzeichen. Dessen eingedenk agierte Michael Ballack, der „Capitano“, in Dresden mit Erfahrung und Weitsicht. Nie wieder sollte in 3 Wettbewerben gleichzeitig die Kraft verpulvert werden und der Pokal ist da am entbehrlichsten. Faszinierend zu beobachten, mit welcher Leichtigkeit es Ballack gelang, innerhalb von Minuten die stabile Bayer-Abwehr in einen lethargisch herumstolpernden Hühnerhaufen und das, zum Zeitpunkt der Ballack-Einwechselung zum Gähnen (M. Ballack!) langweilige Gekicke, in ein „sensationelles“ Pokalspiel und ein Medienereignis zu verwandeln, welches mir nun jede Nachrichtensendung des Wochenendes wieder und wieder genüsslich unter die Nase reibt.

Ich bin begeistert, Hohn und Spott tropfen an mir ab wie Teflon am Merkel (oder so ähnlich), denn nachdem ich die weitsichtige Absicht hinter diesem Scheindebakel erkannt habe, ist mir um den weiteren Verlauf der neuen Saison nicht bange. Meisterschaft und Championsleague - zwei grosse Ziele - und dank so weitsichtiger Strategen wie Michael und Robin dürfen wir meiner geliebten Werkself in der neuen Saison alles zutrauen - ja, wirklich alles. (Räusper…äähmm.. Hüstel…)

Samstag, 23. Juli 2011

Zum wiederholten Mal – der Unvermeidliche

Thevessen11Die Trümmer rauchen noch, da erscheint er uns schon, von links, wie ein Geist, bleich und unheilschwanger, der „ZDF-Terrorismusexperte“, der unvermeidliche Elmar Theveßen. „Elmar Theveßen, wer könnte denn hinter dem Bombenanschlag von Oslo stehen?“ fragt, blond, unbedarft und wie es der Teleprompter vorgibt, Petra Gerster. Allein diese Fragestellung, dieser spekulative Konjunktiv, verbietet sich in einer Nachrichtensendung, denn die einzig mögliche Antwort kann doch zu diesem Zeitpunkt nur lauten: „Keine Ahnung!“ Doch da kennen wir unseren Experten schlecht, denn der hat schon am Nachmittag, so merkt er wichtigtuerisch an, in norwegischen Sicherheitskreisen recherchiert und erklärt uns nun die Welt:

„Man vermutet(!!), dass Al Quaida und islamistische Terroristen hinter dem Bombenanschlag stehen. Die norwegische Ölindustrie solle getroffen werden, Norwegen steht schon lange im Fadenkreuz des islamistischen Terrors, ein radikaler Hassprediger residiert in Norwegen usw. usf....blablabla.“ „Danke, Elmar Theveßen.“ Liest Petra Gerster zum Ende der voraussehbaren Suada vom Teleprompter und beide, Gerster und Theveßen haben keine Ahnung, dass kurz zuvor oder fast gleichzeitig ein rechtsradikaler Yuppie, ein durchgeknalltes Monster, ein islamophobischer Fundamentalchrist die christlich-abendländischen Werte mit der Waffe verteidigt und 85 junge Menschen mitleidlos und kaltblütig umbringt.

Man sollte nun meinen, dass unser „Experte“ Elmar nun, in Kenntnis der Ereignisse betreten schweigen würde, aber wieder liegen wir falsch. Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern. Schon einen Abend später erscheint uns dieser bleiche Geist schon wieder von links und nun weiß er genau, was diese rechtsradikalen Islamhasser umtreibt. Banalität reiht sich an Banalität und am Ende heißt es dann wie gehabt: „Danke, Elmar Theveßen.“

Ob diesem grauenhaften Widergänger Theveßen eigentlich jemals der Gedanke gekommen ist, dass sein reflexhaft in die Öffentlichkeit gerauntes „Vermuten von Al Quaida und islamistischem Terror“ bar jeglicher Kenntnis seinen Anteil zu der bösartigen Fremdenfeindlichkeit in den westeuropäischen Gesellschaften beiträgt? Wohl eher nicht und so bleiben auch mir zum Ende nur noch drei Wort: „Danke, Elmar Theveßen!“ denn erfahrungsgemäß verschwindet dieser Unvermeidliche danach wieder in der Kulisse.

Mittwoch, 20. Juli 2011

War das nötig?

Die Geheimniskrämerei unserer Regierung nimmt nun wirklich Formen an. Da verändert sich unser geliebter Außenminister bis zur Unkenntlichkeit. Im Inland kaum mehr sicht- und hörbar, was eingedenk seiner vormalig aufgeblähten Backen nur zu verständlich ist, reist er nun durch die Welt und fällt nicht mehr ganz so unangenehm auf. Ist da noch eine Namensänderung nötig?

Jido Fister Filly
THE DEMOCRAT is a party newspaper belonging to the Sudan People’s Liberation Movement for Democratic Change (SPLM-DC).

OK, das haben auch Andere schon gemacht. Aus RAIDER z.B. wurde TWIX , aus HAIDER wurde WICHS und aus Prince wurde TafkaP(The artist formerly known as Prince) bzw. Symbol, eigentlich kein Problem. Und, keine Frage, ein neuer Name ist wie ein neues Leben (na-na-na-naa-na-na-naa), aber wenn das schon sein muss, dann kann man das doch offen kommunizieren. Warum erfahren wir von der Namensänderung des Außenministers erst aus der ausländischen Presse, noch dazu aus einem südsudanesischen Parteiblatt, welches mittlerweile von der nordsudanesische Regierung in Khartoum verboten wurde? Also gut, lassen wir das, GUIDO WESTERWELLE heißt jetzt JIDO FISTER FILLY.
Ja - doch - schöner, aussagekräftiger Name, kann man nicht meckern. Passt und klingt einfach gut!

Danke Oliver!

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